"Datenrettung macht heute etwa 30% unseres Umsatzes aus, vor zehn Jahren waren das noch 80%. Heute übernehmen wir immer mehr Dienstleistungsaufträge, etwa im Bereich der Computer Forensik", erläutert Peter Böhret, Vice President European Data Recovery, anlässlich eines Besuchs am Standort im deutschen Böblingen. Im Bereich der Computer Forensik werden gerichtsverwertbar digitale Spuren wirtschaftskrimineller Taten gesichert: "Wir bekommen Aufträge in diesem Bereich nur dann, wenn Zeitdruck vorhanden ist. Derzeit erzielen wir damit etwa 15% unsers Umsatzes, 2007 verdoppelte sich allerdings die Nachfrage für forensische Aufgaben." Noch würden aber viele Rechtsanwälte diese Methoden nicht kennen und daher nicht nachfragen. Fallweise sei man auch intern für die Detektei tätig. Steigende Nachfrage verzeichnet das Unternehmen auch im Bereich der Datensuche über vergangene Jahre. "Dabei sind die Konvertierung und Verfügbarmachung von älteren Daten meist aufwändig und teuer!"
Nach eigenen Beobachtungen seien die Backup-Strategien in Europa recht ähnlich: "Wir stellen einen Trend hin zum Backup auf Festplatten fest, kleinere Unternehmen verwenden dagegen gerne USB-Sticks. Grundsätzlich gilt es aber festzuhalten, dass ein Backup nur sicher ist, wenn auch die Wiederinstallierung (Restore) getestet wurde", weiß Böhret aus Erfahrung. Ab einem Bestand von etwa 50 PCs kämen in den Unternehmen zunehmend sicherere RAID-Systeme zum Einsatz, wobei auch hier die zyklische Nachbeschaffung der Systeme im Blick auf die Ausfallsicherheit entscheidend sei.
International gäbe es etwa zehn Unternehmen mit einer ähnlichen Ausrichtung, dazu kämen regionale Kleinanbieter. Laut Statistik würden etwa 160.000 Datenrettungen jährlich von professionellen Unternehmen durchgeführt, etwa 200.000 von IT-Service-Anbietern und etwa noch einmal so viele Fälle blieben unbehandelt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Das Service-Konzept des Unternehmens ist in mehrere Stufen unterteilt, wie Managing Director Edmund Hilt ausführt. Eine kostenlose Hotline für die deutschsprachigen Länder und Italien nimmt zunächst die Fälle auf. 59% davon beruhen auf Hardware-, etwa 26% auf Anwenderfehlern. Als schnellste Lösung gilt die patentierte Online-Datenrettung über eine gesicherte Internetverbindung. Sollte das nicht genügen, kann ein DHL-Abholservice in Anspruch genommen werden. Nach erfolgter Diagnose (dauert 2-3 Tage) fällt der Kunde dann die Entscheidung über die weiteren Schritte. Er erhält dafür eine Übersicht über die rettbaren Dateien und einen Fixpreis für deren Rettung. "Eine Datenrettung nimmt etwa 3-4 Tage in Anspruch. Wenn es schneller sein soll, wird es natürlich teurer", so Hilt. Die sechs Mitarbeiter im Böblinger Labor können dafür auf ein riesiges Ersatzteillager zugreifen, um auch ältere Speicher vorrätig zu haben.
"Hier liegen etwa 3.000 verschiedene Modelle, weltweit können wir auf 40.000 Festplatten zugreifen. Damit haben wir ca. 98% aller Festplatten im Zugriff!" Da das Wiederherstellungs-Geschäft für die Festplatten-Erzeuger nicht lukrativ ist, sei es oft schwierig, diese zu einer guten Kooperation zu bewegen. Im Reinraum lassen sich auch kaputte Schreibköpfe simulieren, um die Daten wieder auslesbar zu machen. Nach der Behandlung im Reinraum geht es dann um die Zusammensetzung der aufgefundenen Daten. Das so genannte "Strukturlabor" muss ja oft mit sehr lückenhaften Daten möglichst große Teile der gespeicherten Information wieder herstellen. "Hier arbeiten wir mit selbst entwickelter Software, die uns hilft, fragmentierte Dateien wieder zusammenzusetzen!" RAID-Platten wiederum müssen nach einem Crash mühsam wieder neu gereiht werden, um sie wieder lesen zu können. Ein wahres Puzzlespiel, das viel Erfahrung verlangt.
Kroll Ontrack auf der ITnT 2008
Auch heuer ist Kroll Ontrack auf der ITnT in Halle A, Stand 0724 vertreten. Schwerpunkt ist neben der professionellen Datenrettung auch die Datenlöschung als sicherer Schutz vor Datenmissbrauch. Die Produkte, die in diesem Zusammenhang präsentiert werden, sind der Eraser und der Degausser. Auch die brandneue Version von PowerControls bildet ein Thema der diesjährigen Messepräsenz.
Halle A Stand 9724




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6/2011
5/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 