Die Regeln im internationalen Business sind oft grausam. Wenn US-amerikanische Hausbesitzer ihre Kredite nicht mehr bezahlen können, sollte das eigentlich nicht unbedingt etwas mit der Computerbranche zu tun haben. Doch die Fäden sind verworrener, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Denn der wirtschaftliche Tsunami, der von der Subprime-Krise ausgegangen ist, hat durchaus merkliche Folgen für einige Branchen gehabt, eben auch für die IT.
Ein Beispiel: Der chinesische Computerhersteller Lenovo, der ja bekanntlich vor einiger Zeit das PC-Geschäft von IBM übernommen hat, musste seinen Markteintritt in den europäischen Privatkundenmarkt verschieben. Die trockene Begründung: Die "amerikanische Subprime-Krise" und das unter anderem daraus resultierende rückläufige Wirtschaftswachstum in Europa seien schuld daran.
Nun kann man das auch als Ausrede für ein Geschäftsmodell sehen, das nicht ganz aufgegangen ist. Aber ein Körnchen Wahrheit wird schon drin sein. Denn auch PC-Anbieter wie Lenovo leben vom Kreditgeschäft, das auch bei Endverbrauchern hierzulande beim PC-Kauf eine immer größere Rolle spielt. Über den Anlauf erster Marktprojekte in Europa soll erst später in diesem Jahr entschieden werden, heißt es bei Lenovo. Viel abhängen wird dabei auch, wie sich die Banken bei ihren Vergaben für Konsumkredite, die eben auch für PC-Käufe eine steigende Rolle spielen, in Zukunft verhalten werden.
Allerdings muss sich Lenovo in dieser Beziehung nicht die größten Sorgen machen. Denn die Seriosität der Kreditvergabe in Europa ist um einiges besser als in den USA, und auch Schulden-Rückzahlungen werden weitaus ernster genommen. Doch in einer Start-up-Phase auf einem neuen Markt sind diese Dinge natürlich Ernst zu nehmen.
Generell wird Experten zufolge die IT-Wirtschaft in Europa heuer tatsächlich unter einer schwächeren Wirtschaft leiden, soweit sich das zu Jahresbeginn schon beurteilen lässt. Von einer rückläufigen Wirtschaft ist Österreich aber weit entfernt, wenn man den Prognosen der Nationalbank Glauben schenkt. Aber der eine oder andere Umsatzrückgang bei einem PC-Anbieter oder einem IT-Integrator wird schon auf die Kreditprobleme der US-Hausbesitzer zurückzuführen sein, so paradox das klingen mag.



1/2012
8/2011
7/2011


Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 