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Strategien

Vom Webzauberer und seinen Zauberlehrlingen

Web 3.0: Webservices der Zukunft

Künftige Webservices können mitdenken - SAP und die Stanford University planen das semantische Web 3.0

Klaus H. Knapp, Dawn Levy

Software-Entwicklung fordert Nachdenken - das besagt wohl dieses Bild, das von der InformationManagement Technology AG in Buchs (Schweiz) erstellt wurde. (Grafik: IMT)

Wer schon mal selbst einen individuellen Reiseurlaub geplant hat, weiß um die Komplexität des Vorhabens: Ausgerechnet an den drei Tagen, die man in der schönsten Stadt verbringen wollte, ist dort eine Tagung und es gibt keine Hotelzimmer. Verlegt man die Aufenthaltsdauer um vier Tage nach vorn, ist der Anschlussflug schon ausgebucht. Will man dann stattdessen auf eine mögliche Fährverbindung ausweichen, dann verkehrt diese nicht an dem gesuchten Tag. Also alles noch einmal von vorn.

Das muss nicht so sein, wenn es nach dem Willen von Charles Petrie geht, einem Forscher an der Stanford University. Petrie will Software schaffen, die es Computern ermöglicht, mit anderen Computern im Internet das Problem der semantischen Web-Services zu lösen. Dem Menschen spart das die Zeit für den Abgleich der Daten und den ganzen Ärger mit den Verwicklungen und deren Koordinierung. Eigentlich hat Petrie wohl kommerzielle Einsätze für komplexe Abläufe im Auge, wie sie im Katastrophenfall eintreten und die im Voraus nicht planbar sind. Beispiele sind die Folgen nach dem Tsunami-Desaster im Indischen Ozean oder nach dem Katrina-Hurrikan in News Orleans. Es fehlte oft nicht an Hilfe - aber sie war unorganisiert und am falschen Platz.

Charles J. Petrie, Senior Research Scientist, Stanford Logic Group an der gleichnamigen Universität: „Künftige semantische Webservices sind nicht einfach ein Stück Software auf dem eigenen PC, sie interagieren mit allen anderen Partnern, die in einem bestimmten Aufgabenfeld miteinander verbunden sind.“ (Foto: Stanford University)

"Eine Art von Internet-Zauberer (amerikanisch "Web-Wizard") wäre gut, der über alle laufenden Vorgänge Bescheid weiß und entsprechende Schlussfolgerungen ziehen kann, die dann umgesetzt werden", meint Petrie. "Dieses Superhirn würde wissen, wenn sich Fakten im Cyberspace ändern, es würde auch wissen, warum sie sich änderten. Und was eventuell noch als Folgerung getan werden müsste."

Der normale PC-Benutzer braucht dafür keine Programmierkenntnisse haben. Solche Web-Services erlauben schon heute im kommerziellen Bereich, standardisierte Beschreibungen von Vorgängen automatisch zu erkennen und mit anderen Rechnern im Webverbund abzustimmen. Typisch dafür sind Anwendungen in der Logistik, z.B. wenn man ein Auto anmieten möchte oder eine Versandorder geben will.

Was sollte ein "Internet-Zauberer" denn nun können?

Petrie arbeitet in der Stanford Logic Group und stellt sich die Aufgabe, nach Produkten oder Dienstleistungen zu forschen, die exakt vorbestimmte Eigenschaften haben sollen. "Forschen" heißt in diesem Fall: Webseiten durchsuchen und mit den Vorgaben vergleichen. Sucht also eine Jazzband einen neuen Schlagzeuger, würden aus einschlägigen Websites Musikaufnahmen herunter geladen werden, so dass man sich von der Qualität des Drummers ein akustisches Bild machen kann, bevor man ihn kontaktiert. Genau so gut könnte der "Wizard" eine Tournee für die Jazzband zusammen stellen und einen Plan B erarbeiten, falls ein Musiker erkrankt oder die Noten beim Transport vergessen werden.

Damit wird klar: Das ist kein Programm, was auf dem eigenen Rechner installiert werden kann. Es muss im Internet laufen (und hat da auch schon einen Namen: Web 3.0). Es wird die Musiker, den Manager der Jazzband, den Transportunternehmer, den Konzertsaalbetreiber und auch den Arrangeur der Band miteinander verbinden. "Muss die Reiseroute verändert werden, erfahren alle Beteiligten gleichzeitig davon - keiner wird versehentlich vergessen", sagt der Stanford-Forscher.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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