Große Worte begleiteten die Entscheidung des Time Magazine, den Personal Computer Anfang 1983 zur "Machine of the Year" zu küren. "Amerika wird nicht mehr dasselbe sein", schrieb Otto Friedrich in seiner Cover-Story und geizte nicht mit Begründungen. Die Liebe zu Automobil und Fernsehen sollte bald von jener zum PC in den Schatten gestellt werden, der sich gerade seinen Weg in die Haushalte bahnte. Die Stimmung glich einer groß angelegten Verkaufskampagne, nichts schien unmöglich. Kolumnist Roger Rosenblatt führte Friedrichs Einleitung aus: "Ich spreche von sozialer Gleichheit (...), von Freiheit mit großem ‚F', ähnlich jener als die Eisenbahn vor 150 Jahren ins Land kam (...) und die Republik den Leuten übergab. Ganz genau wie der Computer."

2008 feiert MONITOR sein 25jähriges Bestehen und beleuchtet aus diesem Grund in einer losen Folge im Magazin und auf unserer neu gestalteten Homepage www.monitor.co.at wichtige Ereignisse im IT-Bereich aus diesem Vierteljahrhundert. Zum Start hat sich die MONITOR-US-Korrespondentin Alexandra Riegler die Titelgeschichte des US-Magazins Time vom Jänner 1983 als Aufhänger genommen, in der der Computer zur "Maschine des Jahres" gewählt wurde. Viel Vergnügen beim Blick in die noch junge IT-Geschichte!
Enttäuscht dürfte ihn schließlich haben, dass Projekte wie Nicholas Negropontes 100-Dollar-Laptop XO-1 noch 25 Jahre brauchen sollten, um ihre Anwender zu erreichen.
"Leblos ohne Software"
Gegen Ende des Kalten Krieges also, als die Öffentlichkeit erstmals von AIDS zu hören bekam, in den USA die höchste Arbeitslosigkeit seit der Weltwirtschaftskrise herrschte, Solidarnosc-Führer Lech Waleza den Friedensnobelpreis bekam und der Vorgänger des Internet, das ARPANET, sein TCP/IP-Protokoll, tauchte die Wundermaschine auf. Zwar war der Computer schon längst in Erscheinung getreten, als Großrechner, um Steuern zu errechnen, Kriegstaktiken zu kalkulieren und das Wetter. Mit der Eignung für den Haushalt haperte es da jedoch noch gründlich. Erst die Einführung des Mikroprozessors brachte einen demokratischeren Ansatz: Computer wurden kleiner und zwar nicht billig, aber erschwinglich. Für ein gutes IBM-Modell galt es rund 4.000 Dollar zu berappen, ein bescheidenerer Timex-Sinclair, der im 3,25-MHz-Takt schlug, war schon um günstige 80 Dollar erhältlich.
Vor der Revolution galt es jedoch noch zu klären, wofür ein Computer überhaupt nutze war. Eine Apple-Werbung gab Aufschluss: Post könne dieser in Lichtgeschwindigkeit versenden, einen kranken Pudel diagnostizieren, eine maßgeschneiderte Versicherungspolizze innerhalb von Minuten erstellen und auch noch Rezepte für Bier testen.
"Zum Fliegen gekommen ist das Ganze mit Software", erinnert sich Kurt Veigl, Marketing Manager der Personal Systems Group bei IBM, "die Systeme waren leblos ohne Software." Das Tabellenkalkulationsprogramm VisiCalc etwa galt seinerzeit als Killerapplikation. Dieses war im Vergleich zu heute zwar spartanisch, aber umso robuster: "Es benötigte keine Grafik und nicht viel Speicher", so Veigl.
Die neue Produktivität

Das als „Desktop-Mainframe“ bezeichnete Modell HP 9000 wurde als erstes von einem 32-Bit-Prozessor angetrieben.
Die Möglichkeiten, die der Computer für seine neuen Anwender bereit hielt, beschreibt Time mit der Geschichte John Watkins, seinerzeit Direktor für Sicherheit beim Garnhersteller Harriet & Henderson Yarns in North Carolina. Als einem von 20 Mitarbeitern gewährte ihm die Firma Finanzhilfe bei der Anschaffung eines Computers, außerdem bezahlte diese Schulungen. Watkins' erstes Projekt war die Erfassung aller Unfälle in der Weberei des Unternehmens. Danach schrieb er ein Mathematikprogramm für seinen Sohn und suchte für seine Frau nach einer Textverarbeitungssoftware, die ihr das Schreiben der Doktorarbeit erleichtern sollte: Alles schien plötzlich automatisierbar, man musste nur erfinderisch sein. Was bisweilen einer Daniel-Düsentrieb-Attitüde glich, war weit weniger Gimmick als echte Zeitersparnis.
Und doch waren die Entscheidungen "viel, viel emotionaler als heute", weiß IBM-Mann Veigl. So seien Kaufentscheidungen noch weit oben in der Unternehmenshierarchie angesiedelt und Desktop-Geräte auch Statussymbole gewesen. Insgesamt habe man es beim Verkauf hier zu Lande immer recht einfach gehabt: "Österreich war und ist ein Technikvorreiter. Die Leute wollten immer das Neueste vom Neuen."Lernaufgabe Abwärtskompatibilität
Ganze 16 Jahre lang am Markt, war es das Modell Apple II, das das Potenzial eines bald riesigen Marktes anzeigte. Zwischen fünf und sechs Millionen Geräte wurden zwischen 1977 und 1993 verkauft. Stephen Wozniak setzte mit dem Computer auf bestehende Technologie und brach diese auf Consumer-Ansprüche herunter. Das System war zudem offen konzipiert, was Bastlern die Freiheit ließ, die freien Steckplätze nach Lust und Laune neu zu befüllen - wodurch sich nicht zuletzt der lange Lebenszyklus des Produkts erklärt.
1983 hatte sich der Markt bereits verändert. Der teurere Nachfolger Apple III performte aufgrund technischer Schwächen und fehlender Abwärtskompatibilität schlechter, das noch kostspieligere Modell Lisa stand vor seiner Ankündigung.
Insbesondere hatte der Markteintritt IBMs 1981 deutliche Spuren hinterlassen. Der IBM-PC war zwar auf der eher kostspieligen Seite positioniert, doch dank fehlendem Patentschutz ein offenes System. Vor allem Unternehmen stellten sich Big Blues Antwort auf den neuen Technologiezeitgeschmack mit Vorliebe ins Büro. "Aufgrund der Historie war es eine durchaus exotische Angelegenheit, ein bisschen Kulturschock geradezu, als sich IBM in die kleinen Gefilde begab", resümiert Manager Veigl.





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Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 