31-1-2008 | Aus MONITOR 2/2008 Gedruckt am 31-07-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9428
Netz & Telekom

Interview mit Michael Krammer, CEO-ONE

Oranger Optimismus und Power für 2008

Im Vorjahr vom Finanzinvestor Mid Europa Partners (MEP 65%) und von Orange (35%) übernommen hat ONE auch als Nachfolger von Joergen Bang-Jensen einen neuen CEO bekommen. Michael Krammer, 47, ehemals telering-Chef, lenkt seit Anfang Oktober 2007 die Geschicke des drittgrößten österreichischen Mobilfunkanbieters.

Christine Wahlmüller

„Für den Markenwechsel zu Orange haben wir 15 Mio. Euro veranschlagt.“ - ONE-CEO Michael Krammer

Sie sind im Herbst 2007 als CEO bei ONE auf den österreichischen Mobilfunkmarkt zurückgekehrt. Wie sieht Ihre Bilanz nach den ersten Monaten aus? Worauf sind Sie stolz, was hätten Sie rückblickend anders gemacht?

Die Bilanz ist sehr positiv. Wir haben ein Mobilfunkunternehmen übernommen, das auf einer soliden wirtschaftlichen Basis steht und das eine erfolgreiche Zukunft vor sich hat. Grundsätzlich ist der österreichische Mobilfunkmarkt einer der spannendsten, weil wettbewerbsintensivsten in Europa. Wenn man es mit Fußball vergleicht, dann würde ich sagen, der österreichische Mobilfunkmarkt ist das, was im Fußball die englische Prime League ist und wer würde nicht gerne in dieser Liga spielen. Die ersten Monate bei ONE waren sehr turbulent aber auch erfolgreich. Wir haben zurzeit einen Marktanteil von zwanzig Prozent und zwei Mio. Netzkunden.

Lässt sich ONE mit telering vergleichen? Was ist ähnlich, was anders?

Ich vergleiche die beiden Unternehmen nicht, sondern nur das Marktumfeld, und das ist heute völlig anders als noch vor vier Jahren. Der österreichische Mobilfunkmarkt befindet sich gerade in seiner dritten Entwicklungsphase. Die erste Phase war geprägt von intensivem Marktwachstum. Dann kam die Phase des Wettbewerbs. Das Marktwachstum hat sich verlangsamt und zum ersten Mal haben sich Marktanteile verschoben. Der Markt ist aber insgesamt noch wertmäßig gewachsen. In der dritten Phase, also heute, wächst der Markt wertmäßig kaum oder nicht mehr, es findet ein harter Verdrängungswettbewerb bei den Kunden statt, die Betreiber nehmen sich gegenseitig nicht nur Kunden, sondern auch Umsätze weg und die Profitabilität leidet darunter. Dieser Markt verlangt andere Gesetzmäßigkeiten und die Unternehmen müssen sich überlegen, wie sie sich aufstellen, um weiter erfolgreich zu sein. Auch hat sich der Markt substantiell verändert, was die Anzahl der Betreiber und die Marktkonzentration betrifft. Die beiden Ex-Monopolisten halten mittlerweile 75% der Kunden, 80% des Umsatzes und 85% der operativen Gewinne. Das ist eine Marktmacht wie sie kaum in anderen Ländern zu finden ist.

Was macht für Sie die Aufgabe bei ONE reizvoll?

Genau diese Marktsituation. Es gilt nun das hervorragende Potenzial des Unternehmens so zu nutzen, dass wir das Leben für unsere Kunden noch einfacher machen und dabei wirtschaftlich erfolgreich agieren.

Was bedeutet wirtschaftlich erfolgreich konkret? Können Sie das beziffern?

Wir wollen stärker wachsen als der Markt und dabei profitabel sein. Wir geben keine konkreten Zahlen für 2008 bekannt. Bitte um Verständnis! Nur so viel: Das EBITDA muss sich substanziell verbessern.

Ist die Mehrheits-Eigentümerschaft durch einen Finanzinvestor wie Mid Europa Partners (MEP) nicht ein gewisser Unsicherheitsfaktor für die Zukunft? Nach dem Motto: Schnell gekauft, aber auch wieder verkauft...

Ich weiß, Finanzinvestoren haben einen schlechten Ruf. MEP ist ein Finanzinvestor, der große Erfahrung im und Verbindung zum Mobilfunk hat: z. B. Orange in der Slowakei oder Vodafone in Tschechien und Rumänien waren früher im Besitz von MEP. ONE hat nun den Vorteil, zwei neue Eigentümer zu haben, die ein strategisches Interesse haben, ONE weiter zu entwickeln.

Orange ist eine der stärksten internationalen Telekommunikationsmarken, in weltweit 18 Ländern vertreten, mit rund 160 Mio. Kunden. Das Zusammenspiel von Orange und MEP bietet uns den Vorteil, dass wir einerseits die Synergien eines internationalen Mobilfunkers nutzen können, z. B. In den Bereichen Einkauf, Content, Roaming, Marke oder Mitarbeiterentwicklung und anderseits in den Entscheidungsstrukturen die Flexibilität und das Unternehmertum eines Finanzinvestors haben.

Wie sieht Ihre Strategie für 2008 jetzt aus?

ONE ist der Herausforderer im Sinne der Kunden und für die Kundenanforderungen mit dem Ziel, hier weiter zu wachsen in Umsatz und Profitabilität. Unser Grundsatz lautet: Wir machen nicht alles, aber was wir machen ist relevant für den Kunden und wird von uns in Top-Qualität und zum besten Preis erbracht. Was z. B. unsere Tarife betrifft, so geht der Trend weg von Tarifen für den Massenmarkt und hin zu segmentspezifischen Angeboten für einzelne Zielgruppen. Wachstumspotentiale sehen wir vor allem bei mobilem Breitband und in den Regionen.

Sie haben angekündigt, dass der Markenwechsel von ONE zu Orange in der 2. Jahreshälfte 2008 stattfinden soll. Wie haben Sie das konkret geplant?

Ja, der Markenwechsel wird irgendwann zwischen Ende der Fußball-EM und dem Beginn des Weihnachtsgeschäfts über die Bühne gehen. Der exakte Termin steht genauso wenig fest wie die Strategie, also das Wie. Das wird gerade erarbeitet. Unser Ziel und unser Anspruch sind es, den besten Markenwechsel in der Geschichte des europäischen Mobilfunks durchzuführen. Orange ist eine tolle Marke, von der wir sehr viel profitieren werden.

Jeder Markenwechsel erfordert große finanzielle Aufwendungen. Welches Budget haben Sie dafür geplant?

Wir haben rund 15 Mio. Euro dafür veranschlagt.

Wie wollen Sie gegenüber den großen Marktleadern, der mobilkom und T-Mobile, ihre Stellung am Markt behaupten oder gar den Vorsprung zu den beiden verringern?

Glauben Sie mir, darüber mach ich mir keine Gedanken. Ich beschäftige mich lieber mit unseren Kunden, deren Bedürfnissen und wie wir diese am besten befriedigen können.

Was sind denn zurzeit wichtige Kundenbedürfnisse oder was wird zur Zeit stark nachgefragt? Nur mobiles Internet? Oder glauben Sie auch an Bündelprodukte wie die Kooperation von Tele2 und "3", wie Mitte Jänner präsentiert?

Mobiles Breitband ist der Wachstumstreiber. Sehr gut angenommen werden Zusatzpakete wie SMS-Pakete, Musik (Sound & More), WAP/WEB/e-Mail Pakete etc. Im Sprachtelefoniebereich muss man in Zukunft stärker differenzieren, da es hier unterschiedliche Kundenbedürfnisse gibt. Beispiel sind unsere Plaudertaschen-Angebote. Als Mobilfunkbetreiber glauben wir in erster Linie an eine Bündelung von Sprache und mobilem Breitband, wie wir es ja auch anbieten.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach mobiles Internet entwickeln? Welchen Marktanteil hat ONE derzeit?

Beim mobilem Internet gibt es auch noch sehr viel Potential. ONE hat H.U.I. im Februar letzten Jahres auf den Markt gebracht und damit den Markt aufgemischt. In Kürze werden wir die 100.000 Kunden-Grenze erreichen.

Wie wichtig ist Ihnen der Privatkundenmarkt, wie wichtig sind Ihnen die Businesskunden?

Beide Bereiche sind sehr wichtig und in der Organisation gleichberechtigt.

Geht die Preisschlacht im österreichischen Mobilfunksektor auch 2008 weiter? Wo liegt für Sie die Schmerzgrenze?

Die Preise sind am untersten Level angekommen. Aber ganz ohne Preiswettbewerb wird es nicht gehen, insbesondere weil die Konsument/innen in Österreich günstige Preise gewöhnt sind. Aber die Preisreduktionen können nicht mehr so weitergehen, wie in den vergangenen vier bis fünf Jahren. Wir müssen uns auf unsere eigenen Stärken besinnen und eventuell regionale Akzente setzen.

www.one.at

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