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Interview mit Peter Ziegelwanger, WiMAX Telecom

WiMAX-Technologie: Aufbruch in Richtung Massenmarkt

Die Entscheidung, dass die WiMAX-Technologie auch in die offizielle 3G-Liste der ITU (International Telecommunication Union) aufgenommen worden ist, bringt den Markt in Bewegung.

DI Peter Ziegelwanger, Geschäftsführer WiMAX Telecom: Künftig die neue WiMAX-Box nur ans Stromnetz und PC anstecken, um Breitband-Internet nutzen zu können. (Bild: Christine Wahlmüller)

 Der bisher skeptische Netzwerkgigant Cisco hat schon reagiert und den US-WiMAX-Ausrüster Navini übernommen. In den USA bauen Sprint und Clearwire große WiMAX-Netze auf. Auch der österreichische Anbieter WiMAX Telecom, um den es nach der Übernahme durch den US-Anbieter Next Wave im Sommer sehr ruhig geworden war, ist nun auf Expansionskurs, berichtet Geschäftsführer Peter Ziegelwanger im MONITOR-Interview.

Was halten Sie von den jüngsten Entwicklungen im WiMAX-Bereich?

Die ITU ist die Vereinigung aller Telekom-Unternehmen und -Administrationen. Mit der Entscheidung der ITU, dass WiMAX auch als IMT2000-Technologie anerkannt ist (siehe Kasten), ist eine Anerkennung erfolgt, über die wir sehr froh sind. Das bedeutet, dass WiMAX auch in der Frequenz 2,5 GHz verwendet werden darf. In Österreich wird es hier sicher zu einer Versteigerung kommen. WiMAX ist derzeit europaweit hauptsächlich im 3,5 GHz Frequenzbereich in Verwendung. Da gab es in Österreich im Herbst 2004 die Versteigerung, wo wir eine österreichweite Lizenz ersteigert haben. Der 2,5 GHz-Bereich war immer reserviert für die Erweiterung der UMTS-Netze. Das war auch die Perspektive für die Mobilfunkanbieter.

Welchen Vorteil bietet der 2,5 GHz-Frequenzbereich?

Der Hintergrund aus der Physik ist einfach erklärt: Je geringer die Frequenz ist, desto einfacher durchdringt sie die Gebäude und desto einfacher ist es, eine Verbindung herzustellen. Je höher die Frequenz, desto schwieriger wird es. In den USA ist der 2,5 GHz-Bereich schon vor längerer Zeit vergeben worden, z.B. Sprint oder Clearwire, sind derzeit dabei, große WiMAX-Netze aufzubauen. Früher waren im 2,5 GHz-Bereich Satellitendienste im Einsatz. WiMAX ist jetzt die einzige Technologie, die in diesem Frequenzbereich Equipment liefert und im Einsatz hat. Speziell in punkto Mobilität ist der 2,5 GHz-Bereich ein sehr interessantes Frequenz-Spektrum, um die Verbindung aufrechtzuerhalten. Wichtig ist eine koordinierte Verwendung von Frequenzen. Denn in Europa und Asien gibt es Landesgrenzen, aber die Funkwellen halten sich nicht an diese Grenzen. Daher ist eine einheitliche Definition und Verwendung von Standards wichtig.

Wie geht es denn jetzt in Österreich konkret weiter?

Wie bei UMTS wird es auch zu einer Versteigerung des 2,5 GHz-Frequenzbereichs kommen, die vielleicht schon im ersten Quartal 2008 stattfinden wird.

Wie ist WiMAX Telecom denn zur Zeit aufgestellt bzw. wie rüsten Sie sich für diese Entwicklung?

Wir sind zur Zeit 22 Mitarbeiter in Österreich, 43 in der Slowakei und drei in Kroatien. Der Eigentümer hat sich ja im Juli geändert. Next Wave Wireless besitzt jetzt über die deutsche Inquam Broadband 65% der WiMAX-Gruppe. In Österreich haben wir zur Zeit 3.500 Kunden im Burgenland, der Steiermark und Teilen von NÖ. Im Moment arbeiten wir stark an der Erweiterung des Netzes. Bis Ende des Jahres wollen wir wirklich in allen Bundesländern vertreten sein. WiMAX entwickelt sich dramatisch von einer drahtlosen Breitband-Technologie im ländlich-ruralen Bereich zu einer Breitband-Möglichkeit im städtischen Bereich. Hier wird WiMAX als eine Erweiterung eines WLAN betrachtet. Treibende Kraft dahinter ist z.B. Intel mit seiner Ankündigung, bereits Mitte nächsten Jahres WIFI und WiMAX in den Laptops auf dem gleichen Chip integriert anzubieten. Das bedeutet, man bekommt sofort eine kritische Masse an Endgeräten, die WiMAX-Dienste verwenden können.

Kann  WiMAX mit dem HSDPA der Mobilfunkanbieter konkurrieren?

Die Technologie muss sicher damit vergleichbar sein. Sie muss portabel sein, nomadisch nutzbar, mobile Dienste und hohe Bandbreiten unterstützen, und die Endgeräte müssen günstig sein, sonst kann es kein Massendienst sein. Wir sehen allerdings den österreichischen Markt als sehr schwierig an, aufgrund des starken Mitbewerbs und der nahezu ruinösen Preisentwicklung. Hier mit einer neuen Technologie zu starten, ist sicher sehr riskant. Deswegen wollen wir zunächst in Kroatien starten. Dort gibt es zur Zeit einen großen Breitband-Boom. In Österreich sollten außerdem viel mehr öffentliche Stellen oder Kammern Aktionen setzen, um die Leute erkennen zu lassen, welchen Nutzen und welche Vorteile Breitband bringt.

Welche Aktionen haben Sie nun für die nächste Zukunft geplant?

Durch unsere Reorganisation ist einiges an Zeit vergangen. Wir haben im Zuge des Breitband-Projekts große Investitionen in den Ausbau unseres Netzes gesetzt. Was mich allerdings sehr irritiert und stört ist, dass wir das Fördergeld des Ministeriums (BMVIT) noch immer nicht erhalten haben …

Glauben Sie, dass Sie einmal ein Masseanbieter sein werden?

Definitiv dann, wenn wir die neueste Technologie zur Verfügung haben. Die WiMAX-Technologie wird sich in vielen Consumer-Endgeräten wieder finden, beginnend bei den Notebooks. Es gibt heute schon fünf Hersteller, die erklärt haben, WiMAX in Zukunft einzubauen. Auch die mobilen Endgerätehersteller wie Nokia, Samsung oder Motorola haben sich zu WiMAX bekannt. Der große Massenmarkt wird für das Jahr 2009 erwartet. Wir werden unsere Netze auch in diese Richtung planen. Wir testen gerade eine neue WiMAX-Box, die der Kunde ganz einfach ans Stromnetz und an den PC anstecken kann. Der erste Markt wird Kroatien sein, ab Mitte 2008 wollen wir diesen WiMAX-Router in Österreich auf den Markt bringen.

www.wimaxtelecom.at

Was ist IMT-2000?
Unter dem Begriff „IMT-2000“ (International Mobile Telecommunications-2000) wurden in den späten 80er Jahren die Anforderungen der ITU-R (Radiokommunikationssektor der International Telecommunications Union) an ein Mobilfunksystem der dritten Generation (3G) zusammengefasst. Die WiMAX-Technologie wurde Mitte Oktober von der ITU auch als IMT-2000-Technologie anerkannt.

 

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