Die TechEd wurde im Jahr 2007 zum zweiten Mal zeitversetzt in zwei Teilkonferenzen (TechEd Developers und TechEd IT Forum) abgehalten. Damit wurden die verschiedenen Interessenslagen von Entwicklern und IT-Managern besser berücksichtigt. Das Kernthema der TechEd Developers war natürlich das .NET 3.x Framework, das eine zentrale Komponente in zukünftigen Entwicklungen spielt.
Die Vorträge, die meist in mehr als 10 parallelen Sessions abgehalten wurden beschäftigten sich mit den Themen: a) Architectur, b) Business Intelligence, c) Database Development, d) Designer, e) Infrastructure for Developers, f) Mobile & Embedded, g) Office System, h) Security, i) SOA Business Processes. Durch diese breite Fächerung und Vielzahl an Vorträgen war das Finden einer optimalen Reihenfolge interessanter Vorträge meist eine spannende Herausforderung. Für den .NET-Entwickler ist die Situation grundsätzlich einfacher, denn die wichtigsten Teile vom .NET-Framework sind Windows Presentation Foundation (WPF), Windows Workflow Foundation (WF), Windows Communication Foundation (WCF) und Windows CardSpace.
Neu hinzugekommen ist aber die Verkleinerung der .NET-Plattform in Richtung eingebetteter Geräte, die nun mit dem .NET Micro Framework programmiert werden können. Für die Domäne Web und Web 2.0 sind bei der Windows Presentation Foundation (WPF) die beiden Produkte Silverlight und Popfly hinzugekommen, die zukünftig wohl eine wesentliche Rolle bei Web-basierten Anwendungen spielen werden.
Silverlight und Popfly

Popfly: neues Webwerkzeug von Microsoft, mit dem sich auch ohne Programmierkenntnisse Webanwendungen erstellen lassen
Die Besonderheit an Silverlight ist sicherlich, das zukünftig Anwendungen vorwiegend mit .NET entwickelt werden, da es sich um eine stark abgespeckte Version der WPF handelt, die zur Darstellung und Animation von Oberflächen aus grafischen Elementen und Media-Daten in Browsern dient und ebenfalls XAML zur Beschreibung der Benutzerschnittstelle einsetzt. Damit steht den Anwendungs-Entwicklern die WPF auch in Rich Internet Applications zu Verfügung und es ist mit einer entsprechend großen Verbreitung zu rechnen. Zusätzlich ist der Zugriff auf serverseitige Ressourcen über die "altbekannten" Web-Services einfachen möglich, und es können mit VisualStudio rasch benutzerfreundlichere Web-Anwendungen für das Web 2.0 gebaut werden.
Die Verbreitung von Silverlight wird auch durch Popfly wesentlich unterstützt. Popfly vereint auf der Grundlage von Silverlight grafische Werkzeuge, mit denen sich durch graphisches Zusammenfügen (Programmieren) von bestehenden Inhalten und Popfly-Komponenten neue Popfly-Komponenten rasch entwickeln lassen. Das Ergebnis sind meist sogenannte Mashup-Anwendungen, die bestehenden Code weiterentwickeln und diesen dann wieder veröffentlichen. Mit Popfly lassen sich sehr ansprechende Mashups entwickeln, die dann zum Beispiel im Windows Vista Sidebar installierbar sind oder auch in den Community-Plattformen Facebook oder Live Spaces eingesetzt werden können. Das besondere an diesen Popfly-Mashups ist, dass man keine Entwicklungsumgebung installieren muss, denn Microsoft stellt eine Web-basierte Entwicklungsplattform zur Verfügung, die auch dem Nicht-Informatiker durch "Drag&Drop" sowie "Point&Click" eine coole Mashup-Anwendung in 10-20 min entwickeln lässt.
Die hier durch Silverlight und Popfly vorgegebene Richtung lässt die Vermutung aufkommen, dass in ein paar Jahren AJAX-basierte Web-Anwendungen durch Silverlight-Anwendungen abgelöst werden. Es ist aber auch anzunehmen, dass diese neue Richtung von vielen Web-Entwicklern begrüßt wird.
.NET Micro Framework
Bisher war das .NET- Framework nur für PCs und das .NET Compact Framework nur für komplexere mobile Geräte wie Smartphones und PDAs verfügbar. Seit kurzem steht auch das .NET Micro Framework zur Programmierung von Kleinstgeräten mit wenigen Ressourcen (z.B. 256KB RAM und 512K Flash/ROM) wie Sensoren zur Verfügung. Ein weiterer Einsatzbereich sind Sideshow Gadgets, die von Windows Vista unterstützt werden und vermutlich in den nächsten Jahren verstärkt in Laptops und mobilen Telefonen zu finden sein werden, damit man rasch Informationen abrufen kann, ohne dabei ein schwergewichtiges Betriebssystem mit viel Systemressourcen bemühen zu müssen.
Eine Besonderheit vom .NET Micro Framework ist, dass es entweder auf einem vorhandenen Betriebssystem aufsetzen kann oder selbst als Betriebssystem auf einer vorgegebenen Hardware (z.B. XScale) eingesetzt werden kann. Im Gegensatz zu Windows CE ist das .NET Micro Framework jedoch kein Echtzeitsystem, da der Code nicht wie üblich mit Hilfe des Just-In-Time Compilers zur Laufzeit kompiliert, sondern interpretiert wird. Das gesamte Konzept wirkt recht stimmig, wenngleich die Java-Community dieses Modell mit J2ME bereits seit Jahren für diverse mobile Geräte recht erfolgreich etabliert hat und neuerdings im Project Sun Spot für drahtlose Sensor Netzwerke einsetzt. Der Weg in Richtung drahtloser Sensor Netzwerke wurde von Microsoft zusammen mit Crossbow, einem Spezialisten im Bereich drahtloser Sensor Netzwerke, gegangen und seit Oktober 2007 sind bereits die ersten Motes vom Type IMote2 verfügbar.
Fazit
Nüchtern betrachtet sind die eingeschlagenen Wege in den Bereichen Web-Anwendungen und Programmierung von Kleinstgeräten logisch, denn sie bringen das leistungsfähige .NET-Framework nun auch in jene Bereiche, die bisher nur von anderen Herstellern und Communities betreut wurden. Das mag für die eine Gruppe erfreulich sein und für die andere mehr oder weniger beängstigend.
Es mag für den Erfolg eines Produktes unerheblich sein, ob auf einer Entwickler-Konferenz ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den einzelnen Entwicklern entsteht, aber es fällt auf, dass andere Big-Player wie Apple, Google und Sun mit Java hier wesentlich erfolgreicher agieren.
Ich meine hier nicht jenes unreflektierte und undifferenzierte Schreiben von Zeitungsartikeln und Blogs über Betriebssysteme und Programmiersprachen, aber etwas mehr Gemeinschaftsgeist hat dem Erfolg von Produkten noch nie geschadet. Es bleibt also zu hoffen, dass der Gemeinschaftsgeist der vergangenen Jahre wiedergefunden werden kann, denn die Qualität und der Leistungsumfang des .NET-Frameworks sind ausgezeichnet.
Dipl.-Ing. Dr. Werner Kurschl ist FH-Professor für Software Engineering an der Fachhochschule Oberösterreich in Hagenberg bei Linz - www.fh-hagenberg.at




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 