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Hard & Software

RIM will mit BlackBerry auf den Consumer-Markt

Push-Email für alle

Es hat sich viel geändert seit dem letzten MONITOR-Besuch bei Research in Motion (RIM) im kanadischen Waterloo: War der Campus des Blackberry-Herstellers damals noch eher überschaubar, so haben sich die Office-Gebäude heute enorm ausgedehnt.

Auf dem Weg zum Handy: Pearl 8120

 Das Unternehmen, das auch an der Börse eine spektakuläre Entwicklung hinter sich hat, beschäftigt heute rund 7.000 Menschen in Ontario, ist ein Magnet für die umliegenden Universitäten und Fachinstitute und eine Freude für die Taxifahrer, die unzählige Besucher von einem Meeting zum anderen kutschieren.

RIM hat mit dem Blackberry rund 50% Marktanteil bei PDAs in Nordamerika erreicht, sagt Gründer und Co-CEO Jim Balsillie stolz. Die Erfolgsgeschichte ist ungebrochen, wobei man dazu sagen muss, dass RIM weniger mit seinem sichtbaren (einzigen) Produkt, dem Blackberry, beim Umsatz aus dem Vollen schöpft, sondern zu rund 80 Prozent mit den Lizenzen auf seine Push-E-Mail-Software sowohl für Server als auch für PDAs anderer Marken. So gibt es heute fast kein hochwertiges Business-Handy mehr, das nicht auch Blackberry-Funktionen erfüllen kann, wenngleich es gleichzeitig aber auch zu einem Boom bei anderen Push-E-Mail-Lösungen gekommen ist.

Immer noch obenauf

Aber die Kanadier sind immer noch obenauf. So sehr, dass sie der Ehrgeiz jetzt zur Eroberung des Consumer-Marktes treibt. Man habe nämlich zunächst durch Beobachtungen im eigenen Haus und später per Marktstudien festgestellt, dass die Business-Zielgruppe den Blackberry auch gerne in der Freizeit verwendet, sagt Balsillie. Daher liege es nahe, in dieses Segment stärker einzudringen. Fortan soll der Blackberry also - auch in gefälligerem Consumer-Design - sich an Freizeit-Peergroups richten, wie etwa Vereine, Mannschaften, Freundschaftskreise oder ähnliches. Gleichzeitig will man die Geräte durch neue Anwendungsmöglichkeiten erweitern, etwa durch eine Kooperation mit der Social-Network-Plattform Facebook.

Marktstart in China: Jim Balsillie, RIM Co-CEO

Die Offensive ist für Balsillie und seinen Co-CEO Mike Lazaridis auch eine Antwort auf die Aktivitäten des Konkurrenzumfeldes: Man weiß ja nicht, ob der Erfolg von Apples iPhone und das daraus entstehende Communitybuilding nicht von längerer Dauer ist. Auch als Antwort der Google-Aktivitäten im Handymarkt mit dem kürzlich verkündeten offenen Betriebssystem Android soll die Breitenoffensive von RIM gelten.

Parallel dazu entwickelt sich RIM weg vom ursprünglichen, unverkennbaren Flunder-Design seines E-Mail-Tools mit seitlichem Rädchen. Diese Zeiten sind vorbei. Nun werden die Blackberrys kleiner, eleganter, designsicherer und sind mittlerweile mit einer Art "Knubbelknopf" an der Vorderseite ausgestattet, mit denen sich die Funktionen steuern lassen. Nur die Puristen weinen dem Rädchen von früher nach. Eines der neuen Blackberry-Handys, der Pearl 8120, sieht gar schon aus wie ein ganz normales Handy, ist aber trotzdem ein vollwertiger Blackberry. Aber man merkt, in welche Richtung die Reise geht.

Leicht wird es RIM allerdings in dem Umfeld von Nokia, Sony Ericsson, Motorola, Samsung, LG und den anderen nicht haben. Denn das Setzen auf eine proprietäre Systemarchitektur hat auch seine Nachteile. Im Praxistest-Vergleich eines Blackberry Curve mit einem Nokia E61i mit Blackberry-Push-E-Mail bleibt letztendlich das Nokia aufgrund seiner disziplinierteren Browsersoftware und seiner doch leichteren Bedienbarkeit in Führung, wobei der Abstand aber nicht so groß ist.

RIM wird wohl trotzdem auf der Erfolgswelle weiterschwimmen. Dem Vernehmen nach haben sowohl Nokia als auch Microsoft den Kanadiern bereits wiederholt Kaufavancen gemacht. Balsillie und Lazaridis machen aber nicht den Eindruck, als ob sie viel davon halten würden.

Marktstart im "Reich der Mitte"

Denn im Moment konzentrieren sie sich auch auf ihre China-Strategie. RIM ist nämlich vor kurzem nach jahrelangen Bemühungen der Marktstart in China geglückt. Über eine Vertriebskooperation mit Alcatel-Lucent soll der riesige Markt erschlossen werden, der den Vorteil hat, dass auch ein nur kleiner Marktanteil Millionen von Kunden bringen würde. Dass China ein Kopierparadies ist, schreckt die RIM-Chefs weniger, obwohl der Mobilfunkriese China Unicom ziemlich unverhohlen abkupfert und mit dem günstigeren Dienst "Redberry" gestartet ist. Das könnte RIM zwar nicht unbedingt im Business-Bereich, aber bei Consumern noch Probleme machen - und die laufende Strategie stören.

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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