Mike O'Reilly, US-stämmiger Verleger und Softwareentwickler, gilt als Erfinder des Begriffs Web 2.0, den er im Jahr 2003 geprägt hat. Mit derselben Aufmerksamkeit, die ihm damals entgegen gebracht wurde, lauschen heute Branchenvertreter auf seine Aussagen, die er kürzlich auf der Internetkonferenz Web 2.0 Expo in Berlin getätigt hat: "Der Web 2.0-Hype ist vorbei. Wir gehen einer Phase der Konsolidierung entgegen".
Anders als während der Internet-Blase, als zahllose Web-Unternehmen wie wild an die Börse stürmten und ihnen die Investoren das Geld nur so nachwarfen, finden Web 2.0-Unternehmen wesentlich weniger Gönner aus der Finanzszene, sagt O'Reilly. Vielmehr werde es zu wechselseitigen Übernahmen kommen, und am Ende dieses Prozesses sollten dann "nicht mehr als ein halbes Dutzend" der Web 2.0-Firmen übrig bleiben.
In gewisser Weise kommt man nicht umhin, O'Reilly zuzustimmen. Schon die Entwicklung der Web2.0-Vorzeigeplattform "Second Life" hat in den letzten Monaten Anlass zur Sorge gegeben. Denn entgegen den euphorischen Medienberichten zum "Phänomen" Second Life ist das Interesse der Besucher und vor allem der Firmen, sich dort eine Präsenz aufzubauen, immer stärker abgeflaut. Das Konzept der "virtuellen Ökonomie" dürfte sich also extrem abgekühlt haben. "Und die Investoren werfen ihr Geld heute nicht mehr beim Fenster hinaus", so O'Reilly.
Nach dem Hype komme die "Realität", in der Definition O'Reillys ist das dann jener Zeitpunkt, an dem das, was von Web 2.0 übrig geblieben ist, für die Wirtschaft interessant wird. Der virtuelle Raum werde immer stärker mit dem wirklichen Leben verknüpft werden, die Weltflucht in ein Second Life spiele hier keine große Rolle mehr.
Möglicherweise werden virtuelle Parallelwelten in Nischen weiter existieren, die großen Deals mit "Immobilien" oder ähnlichem im Internet werde man aber nicht mehr machen können, so die vorherrschende Meinung auf der Expo. Insgesamt werde der Web 2.0-Hype aber nicht "platzen" wie die Web-Blase um die Jahrtausendwende, sondern sich langsam an die wirklichen Möglichkeiten und Interessenslagen assimilieren. Das nennt man dann einen gesunden Ausklang eines übertriebenen Phänomens, an dem die Medien übrigens auch nicht ganz unschuldig waren.



7/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 