Eigentlich war es fast schon ein Appell, den Kremplin an die 4000 Entwickler, Partner und Kunden in der Münchner Messe richtete. SAP stelle jetzt alle Ingredienzien für die Entwicklung neuer Geschäftsanwendungen zur Verfügung. Nun liege es an den Entwicklern, neue Geschäftsprozesse und Business-Modelle zu entwerfen. Der Appell kam nicht von ungefähr. Denn Enterprise Service-Oriented Architecture (E-SOA) auf der Plattform SAP NetWeaver, also jenes Technologiekonzept, dem sich SAP auf Gedeih und Verderb verschrieben hat, steht und fällt mit seiner kreativen Nutzung und Weiterentwicklung durch Kunden, Partner, unabhängige Entwickler - und vielleicht sogar Mitbewerber.
Das SAP Developer Network (SDN) hat über 900.000 Mitglieder. Um die noch besser zu unterstützen, stellt SAP seit Neuestem auch individuelle NetWeaver-Entwicklungslizenzen zur Verfügung. Mit dem "NetWeaver Composition Environment" im Zusammenspiel mit dem "Enterprise Services Repository" lassen sich laut Kreplin Geschäftsprozesse über System- und Unternehmensgrenzen hinweg erstellen und kollaborative Prozesse abbilden. Die Community möge nun mit neuen Lösungen auf Basis der SAP-Technologien zusätzlichen betriebswirtschaftlichen Nutzen für Unternehmen schaffen, so der Wunschgedanke.
Innovation auf NetWeaver
Ein Beispiel für einen solchen betriebswirtschaftlichen Zusatznutzen konnte MONITOR auf der TechEd ausfindig machen. Der in Österreich ansässige SAP-Partner rit hat vor drei Jahren eine Lösung für digitale Massensignatur elektronischer Nachrichten im SAP-Umfeld entwickelt. Mit "e-sign for SAP Solutions" kann man ausgehende Nachrichten wie Gutschriften, Rechnungen oder Lieferscheine signieren oder verschlüsseln und eingehende Nachrichten verifizieren oder entschlüsseln und dann im SAP-System weiterverarbeiten. Auf Wunsch stellt rit auch eine Archivanbindung zur Verfügung. Seit kurzem wird auch eine Signatur für Edifact-Daten angeboten. Die gesamte Lösung basiert auf SAP NetWeaver.
"Uns war es immer wichtig, nicht nur ein Produkt in der Mitte zu sein, sondern einen kompletten Business-Prozess zu begleiten", betont Reinhard Schranner, Sales Director rit-Deutschland. "Die Nachrichten werden von uns über ein Kunden-Lieferanten-Portal weitergeleitet, in das auch bestehende Portallösungen integriert werden können. Wir begleiten den gesamten Unternehmensprozess samt rechtskonformem Archiv."
Das System bezieht im internationalen Datenverkehr auch länderspezifische rechtliche Rahmenbedingungen mit ein, zum Beispiel in puncto Vorsteuerabzug. Die Lösung ist aufgrund der NetWeaver-Plattform frei skalierbar - bei so manchem Unternehmen geht das jährliche Signatur-Volumen in die Millionen. Die kleinste Standardlösung kostet 10.000 Euro exklusive NetWeaver-Lizenz. Zu den Kunden gehören Kaliber wie Swarovsky oder Sappi. Eine deutsche Niederlassung ist gerade im Aufbau.
Business by Design
In Bezug auf SAPs brandneues Mittelstands-Miet-Softwareprodukt, das sich ja derzeit noch in der Pilotphase befindet, war man auf der TechEd offiziell recht wortkarg. MONITOR konnte dennoch einige für den österreichischen Markt interessante Details in Erfahrung bringen. Die Markteinführung von Business by Design wird hierzulande voraussichtlich im Februar 2008 über die Bühne gehen. Die Lösung wird alle Standard-Kernprozesse eines Unternehmens abdecken. Die monatlichen Mietkosten werden 133 Euro betragen, egal wie viele Kernprozesse implementiert werden. Es wird Einführungskosten zum Fixpreis pro Kernprozess geben, die allerdings noch nicht feststehen. In Deutschland kostet etwa Lean CRM und Lean HCM zusammen 38.000 Euro - allerdings als rundum-sorglos-Paket von SAP oder einem Dienstleister. Einführungszeit: vier bis zwölf Wochen.
Aber laut Jürgen Helmle, SAPs KMU-Verantwortlichem für Europa, sollen Firmen mit Expertise in integriertem Prozessmanagement die Einführung auch ganz ohne fremde Hilfe schaffen können. Jedenfalls sprechen selbst eingefleischte SAP-Kritiker, die schon einmal "Hands-on" Business by Design gehabt haben, von einer "technologisch revolutionären Lösung". Man darf gespannt sein.



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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 