24-10-2007 | Aus MONITOR 2007 Special Software Gedruckt am 30-08-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9280
ERP

ERP-Markt 2007

Der ERP-Markt boomt an allen Ecken und Enden. Im Bereich der Projektierung und Implementierung sind die Ressourcen knapp und der "Andrang" auf der Kundenseite führt zu einem regelrechten Kampf um die besten Berater.

Eric Scherer

Dr. Eric Scherer

Situationen, wie man sie in der letzten Boomwelle bitter kennenlernen musste, gehören heute wieder zum Projektalltag: gute Berater sind kaum zu haben, die wenigen "guten" betreuen häufig fünf und mehr Projekte gleichzeitig, Termine werden hinten und vorne nicht mehr gehalten und häufig wird versucht, die besseren Berater nach Ende der Konzeptphase schnellsten gegen reine "Juniors" auszutauschen.

Wie man dieser Situation begegnet, lässt sich kaum mit einem Patentrezept regeln. Im Folgenden werden die zentralen Herausforderungen kurz beleuchtet und einige Tipps gegeben, um die Situation zu meistern.

Grenzenloser Funktionsumfang

Der Funktionsumfang von ERP-Systemen ist mittlerweile so unübersichtlich geworden, dass viele Anbieter kaum mehr in der Lage sind, diesen auf einem Blatt und einfach darzustellen. Da kann man noch viel weniger erwarten, dass ein Berater noch den Überblick behält. Häufig kann man beachten, dass die Qualität neuester Module häufig nur gering ist, da sie wenig erprobt sind und nur von wenigen oder gar keinen Bestandskunden genutzt werden. Für die ERP-Auswahl bedeutet dies, dass man sich vorerst nur auf etablierte Funktionalität abstürzen und "das Neueste" und "das Modernste" einfach mal ignorieren sollte. Man muss quasi den "etablierten Kern" herausschälen und sich dann bei der vergleichenden Bewertung auf diesen konzentrieren.

Achtung bei "Chef-Funktionen"

Mit dem steigenden Funktionsumfang entfremden sich ERP-Systeme immer mehr von der Management-Ebene. Sie sind für den "Chef" einfach zu komplex. Die Anbieter haben das gemerkt und in den letzten Jahren vermehrt "Chef"-Funktionalitäten geschaffen, die genau dann präsentiert werden, wenn der "Chef" einmal in einem Workshop vorbei schaut. Beispiele sind MIS und Business Intelligence.

Doch Vorsicht: gerade solche "Chef-Funktionen" bringen eine gut organisierte und auf Gründlichkeit bedachte Evaluation schnell ins schwanken. Der Anbieter muss nur darauf achten, dass er - solange das Top-Management im Raum ist - nicht etwa komplizierte Abläufe im Rahmen der Materialbedarfsplanung darstellt, wie es vielleicht die Agenda vorschreibt, sondern flugs ein paar tolle Management-Cockpits an die Wand wirft. Damit kann man schnell einen "Chef" an die Angel nehmen und darauf hoffen, dass die Stimmungsmache und die Katinengerüchte in die richtige Richtung laufen. Dazu kommt wieder die geliebt Unsitte, sich direkt bei höheren Kadern oder dem Verwaltungsrat zu melden und etwas von Investitionsschutz zu orakeln.

Investoren wollen verdienen

Hinter vielen ERP-Systemen stehen vermehrt gut organisierte Investoren, die vor allem eines Wollen: Profit. So ist es nicht selten, dass mit dem Rotstift Entwicklungsabteilungen zusammenstreichen oder ganz nach Indien spediert werden. Kulanz gegenüber dem Kunden wird immer mehr zum Fremdwort.

Nicht wenige langjährige Kunden reiben sich ob der ruppigen und ignoranten Art, die schleichend Einzug gehalten hat, verwundert die Augen und müssen feststellen, dass sie Jahre lang von der Hand in den Mund gelebt haben: ohne Auftrag, ohne sauberes Pflichtenheft und rein auf Basis von Gottvertrauen. Für eine ERP-Evaluation gilt es, das Pflichtenheft und die Verträge robust und mit einem doppelten Boden auszugestalten. Gerade hier überschätzen sich viele Unternehmen noch immer und verzichten auf die Hilfe von versierten Experten.

Akademiker verdrängen die Praktiker - endgültig

Ein weiteres Problem ist die fortschreitende Akademisierung der ERP-Welt. Während Berater früher häufig aus der Praxis kamen und sich über AVOR oder Controlling in die ERP-Welt eingearbeitet haben, ist der Standardweg heute der über die Hochschule. Hier werden angehende ERP-Berater geschult, ihre Konzepte in Powerpoint-Folien zu gießen und ellenlange Prozessmodelle zu malen. Die Erfahrung in der Praxis und damit ein gut ausgebildeter gesunder Menschenverstand bleiben auf der Strecke.

Dr. Eric Scherer, scherer@i2s-consulting.com, ist Geschäftsführer der i2s consulting und Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. Er berät Unternehmen in der Schweiz sowie im ganzen deutschsprachigen Raum bei der Auswahl und Implementierung von ERP-Systemen.


IT-Matchmaker

Unter dem Motto "Software-Auswahl einfach sicher!" unterstützt der IT-Matchmaker (www.it-matchmaker.at) der Trovarit AG, Aachen, Anwender- und Beratungsunternehmen bei der effizienten ERP-Auswahl - durchgängig von der Recherche eines Favoritenkreises über die Abwicklung der Ausschreibung bis hin zur Absicherung des Software- und Projektvertrages durch detaillierte Lastenhefte.

Zur Suche nach der passenden ERP-Lösung werden vor allem die Branchen- und Größeneignung, die funktionalen und die technischen Leistungsmerkmale der Software-Lösungen sowie die Referenzen der Anbieter herangezogen. Im IT-Matchmaker sind derzeit knapp 1.000 Software-Lösungen (ERP, PPS, WWS, CRM, MES, etc.) sowie ca. 10.000 Anbieter-Referenzen gelistet.

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus