Neben Vorträgen rund um das Thema Datenerfassung und über die Nutzung durch individuelle Lösungen, ergänzte eine Fachausstellung einschlägiger Anbieter die Konferenz. Viele namhafte Hersteller waren vertreten, wie z. B. Böwe Bell+Howell, Canon, EMC2, Fujitsu, Kodak, Kofax, Plasmon.
"ECM - Expect Cost Minimization"
Im Einleitungsvortrag erläuterte Dipl-Ing. (FH) Christian Dlapka von Pentadoc den Zuhörern auf originelle Weise, was sich hinter dem Begriff ECM verbirgt und weshalb es eigentlich ECPM (für Enterprise Content & Process Management) heißen müsste.
Er verwies auf die Bedeutung von ECM für Unternehmensstrategien und hob die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit beim Einsatz eines ECM-Systems hervor. Sein Grundsatz: Erst genau nachrechnen, ob sich die Investition auch rechnet. Dabei sollte die Bewertung der verkürzten Zeiten für Durchlauf, Ablage und Transport der Information ebenso berücksichtigt werden wie die Verringerung des Platzbedarfs. Als Fazit schlug er eine weitere Möglichkeit vor, wie man das Kürzel ECM interpretieren könnte: "ECM - Expect Cost Minimization".
Case Studys
Im folgenden beispielhaft einige der präsentierten Case Studys:
Rechnungsbearbeitung
Horst Mühlbacher (KELAG) und Edwin Dworzak (addIT) präsentierten eine kürzlich implementierte Lösung zur Rechnungsbearbeitung. Die Anforderungen an die angepeilte Lösung enthielten neben hohem Automisierungsgrad, eine Integration in SAP, einen anforderungsgerechten Workflow-Prozess und bedarfsgerechte Dokumentenverfügbarkeit unter anderem auch die Forderung nach einem lernfähigen System.
Die schließlich gewählte Lösung (Xtrata von Ascent) erlaubt nun eine hohe Automatisierung bei der Belegerkennung. Dabei kann das System auf beliebige neue Rechnungsformen trainiert werden. Hier punktet die gewählte Lösung mit einigen handfesten Vorteilen wie z. B. der Abarbeitung großer Rechnungsaufkommen mit geringem Mitarbeiteraufwand, mit geringem Einschulungsaufwand, mit über 70% Erkennungsgrad bei untrainierten Rechnungen, mit einer direkten Einbindung von geographisch verteilten Standorten (dezentrales Scannen) sowie mit einer Reduktion der Fehlerquote.
Content Management
Ing. H. Leban von der Stmk. Krankenanstaltenges.m.b.H. berichtete, welche Lösung die steiermärkischen Krankenanstalten für ihr Hospital Content Management gewählt haben und über ihre Erfahrungen. Dabei ging es vor allem darum, die bis dato immer noch praktizierte Archivierung der Verwaltungs- und Krankenunterlagen auf Papier und Mikrofilm durch eine zeitgemäße Lösung zu ersetzen. Hierbei musste eine Datenmenge von nicht weniger als ca. 375 Mio Seiten (12,5 Mio Seiten jährliches Aufkommen mal 30 Jahre Aufbewahrungspflicht) bewältigt werden.
Entsprechend umfangreich war die Liste der Eigenschaften, die die neue Lösung aufweisen sollte: So wurde beispielsweise die Speicherung unterschiedlichster Informationstypen (Scans, PC-Files, Bilder, Videos, ...) gefordert, sowie der Zugriff von jedem Arbeitsplatz aus. Auch musste eine einfache und rasche Recherche mit Standard-Hardware möglich sein, und ebenso der gleichzeitiger Zugriff auf dieselbe Krankengeschichte von mehreren Stellen aus. Und natürlich musste der Zugriff entsprechend dem Datenschutzgesetz bzw. laut interner Regelungen reglementiert sein. Schließlich wurde eine "kombinierte" Lösung ins Auge gefasst, um auch weiterhin die Vorteile der alten Verwaltungssysteme insbesondere bei unstrukturierten Daten nutzen zu können. Zu diesem Zweck wurde eine digitale Archiv-Lösung von SER in die vorhandene openMEDOCS-Lösung integriert, in der alle klassifizierten Dokumenttypen inklusive Langzeit-Signatur erfasst wurden.
Dokumenten Management
Dr. Adi Sonnleitner, MBA, der stv. Leiter IT der VAMED Gruppe, berichtete von der Einführung ihres neuen Document Management Systems d3 von d.velop, das sich durch ein zentrales Daten-Repository auszeichnet. Zuvor gab es sowohl eine digitale als auch eine papiergebundene Informationshaltung. Die Informationen zu einem Projekt, einem Kunden, einem Produkt, etc. lagen in unterschiedlichen Systemen verstreut. Aufgrund unterschiedlicher, proprietärer Dateiformate konnte die Buchhaltung nicht auf technische Zeichnungen zugreifen und umgekehrt.
Seit der Einführung von d.3 sind sämtliche Informationen verteilbar und doch zentral. Ein zentrales Repository ist der Kern des d.3 Systems, alle relevanten Informationen werden nur ein Mal gespeichert. Weitere Features dieser Lösung sind revisionssichere Ablage der Dokumente auf neuen Technologien wie CAS, eine Speicheroptimierung (Single Instance Store), die optimierte Recherchezeiten z.B. bei Volltextsuche, eine Versionsverwaltung, Zugriffsschutz sowie eine gravierende Prozessbeschleunigung. Die Integration in vorhandene Systeme wie SAP, Exchange, CAD oder Patientenverwaltungssysteme ermöglicht die gleichzeitige Bearbeitung von Akten bzw. Dokumenten von mehreren Stellen aus.
Dr. Alexander Goerke (KOFAX-CTO Transformation) und Stephan Mayer (KOFAX EMEA Pre-Sales Manager) zogen einen Vergleich zwischen der Funktionsweise eines automatischen Dokumenten-Erkennungssystems und der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns, das sich auch mit unstrukturiertem Datenmaterial nicht schwer tut, während die maschinelle Intelligenz gerade hier ihre Schwächen zeigt.
Ihre Forderung: Die Systeme müssen sich der menschlichen (sprich: unstrukturierten und assoziativen) Art der Kommunikation besser anpassen. Heute tun sich manche Systeme bei dieser Form der Darstellung noch recht schwer, insbesondere das Einordnen einer neuen Vorlage in eine der bekannten Kategorien ist bei herkömmlichen Lösungen vielfach schwierig. Ein neuer Ansatz setzt dabei auf die Definition der jeweils relevanten Merkmale, anstatt blindlings sämtliche unterscheidbaren Merkmale in die Bewertung mit einzubeziehen.
Als Abschluss der Veranstaltung war eine Carrera-Rennbahn aufgebaut worden. 32 Rennbegeisterte nahmen darauf an den Qualifyings der "Fujitsu Speed Challenge" teil. Letztlich - unter der Moderation von Alex Kristan (er imitierte einige Prominente aus der Sportwelt, u.a. Heinz Prüller und Niki Lauda) - setzte sich Dipl.Ing. Bernhard Göbl, IT-Leiter des "Hauses der Barmherzigkeit", als Gewinner durch.
Roman Jäger, Dicom Österreich Geschäftsführer zeigte sich zufrieden über die Veranstaltung: "Insgesamt hat sich die DICOM Application Conference inzwischen im Veranstaltungskalender etabliert; sie konnte sich einen Namen machen sowohl in der Branche als auch bei den großen Endkunden und sie ist zu einem fixen Treffpunkt für bestehende Kunden ebenso wie für Interessenten geworden. Heuer hatten wir übrigens eine so rege Nachfrage von Seiten der Aussteller wie noch niemals zuvor."




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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 