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Interview mit Wieland Alge, Phion

"Der Mitbewerb tut sich verflucht schwer mit uns"

Wieland Alge, CEO und Mitgründer des Tiroler Firewall-Herstellers Phion, erzählte im MONITOR-Gespräch über die Schutzwürdigkeit der Kommunikation, den Business-Nutzen von Sicherheitsinvestitionen, die Gefährlichkeit von Sicherheitsstandards und wie Phion die "Komplexitätsbarriere" durchbrochen hat.

„Welchen ROI hat eine Brandmeldeanlage? Wenn es nicht brennt, keinen. Da kann man keinen Business Nutzen errechnen.“ - Wieland Alge, CEO Phion

Sie fordern in Sicherheitsfragen einen Fokus auf Kommunikationssicherheit. Sind Daten- und Informationssicherheit falsche Ansätze?

Das wird dann ein natürlicher Teil davon, aber man darf sich nicht so definieren, sonst hat man den Blick schon zu weit eingeschränkt. Informationen schütze ich am besten, wenn ich sie irgendwo einschließe, aber so kann man kein Business betreiben. Die Analyse, was unter schützenswerte Information fällt, ist je nach Firma und Branche unterschiedlich, aber das Gemeinsame aller Unternehmen ist, dass sie wie verrückt kommunizieren. Wenn man sich auf den Schutz von Daten und Informationen konzentriert, implementiert man unvollständige Prozesse. Außerdem kommt man beim Vorstand nicht mehr durch, wenn man immer wieder Geld für Information Security ausgeben will. Für den Schutz der Kommunikation bekommt man das Geld viel leichter, weil das einen tatsächlichen Business-Nutzen bringt.

Gibt es bei Security-Investitionen einen kalkulierbaren Return on Investment?

Welchen ROI hat eine Brandmeldeanlage? Wenn es nicht brennt, keinen. Da kann man keinen Business-Nutzen errechnen. Es wird jetzt viel diskutiert, wie IT und in weiterer Folge Security evident zum Business-Nutzen beitragen kann. Wenn es nicht evident ist oder erst herbeiargumentiert werden muss, dann ist es wahrscheinlich auch nicht so. Aber es gibt einen ROI beim Schutz der Kommunikation, zum Beispiel, indem ich Security-Technologien einsetze, um Leitungen effizienter zu nutzen und damit Leitungskosten zu sparen, oder indem ich Produktionsausfälle vermeide.

Sie sind auch ein großer Kritiker von Standards und Regulatorien wie SOX oder ISO 27001. Was stört sie daran.

Regulatorien sind eine konkrete Bedrohung der Security. Ihre Umsetzung kostet viel Zeit und Geld und bindet die besten Mitarbeiter. Wer beim Audit dann lauter grüne Hakerln hat, soll ja nicht glauben, dass er sicher ist. Das heißt nur, er hat eine Sache richtig gemacht, aber nicht notwendigerweise alle anderen. Wichtige Dinge werden versäumt, nur weil sie nicht im Framework der Norm drinnen stehen. Viele Unternehmen sind in einem merkwürdig unreifen Zustand, sie investieren viel Geld für wenig Nutzen - vor allem die ganz Großen. Aber dort fallen die Kosten nicht in Gewicht. Im österreichischen oberen Mittelstand macht es dagegen einen massiven Unterschied, ob ich IT effizient einsetze. Man muss sich die Frage stellen: Ist Security ein notwendiges Übel oder schaue ich, dass ich daraus einen Business-Nutzen gewinne?

Jetzt zu Ihrem eigenen Business: Die Security-Produkte von Phion haben Ihrer Meinung nach im Bezug auf Management-Architektur und Skalierbarkeit einen klaren Vorteil gegenüber dem Mitbewerb. Warum?

Phion entstand vor acht Jahren aus dem damals wahrscheinlich größten Firewall-Projekt der Welt im Allgemeinen Rechenzentrum in Innsbruck und Wien. Die Herausforderung war, zu zweit 600 Firewalls auszurollen und dann auch mit dem gleichen Personalaufwand zu betreiben. Das war in puncto Effizienzanforderung um den Faktor 10 bis 20 größer als alles, was am Markt vorhanden war. Da kann man nicht mehr quantitativ verbessern, sondern muss etwas vollständig Neues erfinden: Mit dem marktüblichen Umbrella-Management standen wir vor der Zahl 25 wie vor einer Schallmauer. Um diese Komplexitätsbarriere zu überwinden, wurde bei uns die Management-Plattform das Fundament der Lösung, auf dem Architektur und in weiterer Folge Funktionalität aufsetzen. Die Konkurrenz tut sich damit verflucht schwer. Die müssten alles Bisherige noch einmal neu erfinden. Unsere Lösung kann man nicht einfach als klügeres Umbrella-Management nachbauen.

Mit diesem Wettbewerbsvorteil im Petto arbeiten Sie derzeit auch an der Internationalisierung Ihres Geschäfts. Wie sind die Fortschritte?

In Mailand, Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn sind wir schon gestartet, noch in diesem Geschäftsjahr folgen Benelux, London und wahrscheinlich Dubai. Man muss allerdings zwölf bis 18 Monate rechnen, bis neue Märke eine positiven Deckungsbeitrag liefern. Wir haben deshalb auch auf das Mittel der Börsefinanzierung zurückgegriffen, um die Marktdurchdringung zu beschleunigen.

http://www.phion.com/

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Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

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