Die IT-Konzerne haben ihr Umweltbewusstsein entdeckt. Kaum ein Hersteller, der derzeit nicht versucht, sich als "grün" zu vermarkten. Das ist sicher nicht nur auf den Trend zu mehr sozialer Verantwortung - neudeutsch "Corporate Social Responsibility" - zurückzuführen, sondern entspringt auch ganz profanen Sachzwängen. Die Rechenzentren dieser Welt platzen aus allen Nähten, Stromverbrauch und Kühlaufwand steigen aufgrund der immer größeren Packungsdichte exponential. 120 Milliarden Kilowattstunden fressen die Datacenter insgesamt, das entspricht der Leistung von 44 Atomkraftwerken. Laut Marktforscher Gartner ist die IT für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, genauso viel wie der gesamte Flugverkehr.
Die IT-Industrie hat erst begonnen, die Potentiale von grünen Innovationen zu erkennen. Vielfach bestehen die Programme überwiegend aus Markteting-Überschriften und Absichtserklärungen. Fleischmann betont, dass das bei der "Eco-Computing Initiative" von Sun Microsystems anders ist und Energieeffizienz schon seit Längerem ganz oben auf der Prioritätenliste steht: "Wir sind keine Marketingfirma, sondern eine Technologiefirma. Wir haben auch die Produkte zu unserer Initiative und gehen mit gutem Beispiel voran. In unserem kürzlich eröffneten neuen Datacenter in Santa Clara (Suns kalifornische Unternehmenszentrale, Anm.) haben wir zwischen 60 und 80 Prozent Platz und Energie eingespart. Von der neuen Initiative können die Kunden wirtschaftlich profitieren. ‚Eco' steht für Ökologie und Ökonomie."
60 Prozent mehr Effizienz
Die Initiative umfasst eine neue Suite umweltfreundlicher "Eco-Computing-Kits" und Virtualisierungslösungen, die ohne großen Planungs- und Beratungsaufwand zu verbesserter Leistung, vermindertem Energieverbrauch und reduziertem CO2-Ausstoß verhelfen soll. Sun verspricht bis zu 60 Prozent mehr Effizienz im Rechenzentrum. Ein "Analyse-Kit" bietet methodische Instrumentarien für eine Effizienzanalyse und das Aufspüren von Schwachstellen. Das "Optimierungs-Kit" soll den Kunden dabei helfen, ihre Hardware-Infrastruktur zu optimieren, zu konsolidieren, zu erneuern und wiederzuverwenden. Dafür bietet Sun Sonderangebote für Systeme, Speicher und Serviceleistungen an. Das "Virtualisierungs-Kit" bietet Virtualisierungslösungen, die auf Basis von Suns Betriebsystem Solaris 10 samt patentierter "Container"-Technologie die Systemauslastung und damit die Ressourceneffizienz steigern. Ziel: Mehr Anwendungen auf weniger Servern.
Schneller Sparmeister
Suns Portfolio an energieeffizienten Produkten wurde kürzlich um ein neues Flaggschiff erweitert: den "UltraSPARC T2"-Single-Chip-Prozessor. Anders als der Mitbewerb erreicht er die große Rechenleistung nicht mit einer hohen Taktfrequenz, sondern durch Parallelität. Das Multi-Tasking-Talent kann mit acht Rechenkernen, von denen jeder wiederum acht unabhängige Rechenoperationen ("Threads") abarbeiten kann, zeitgleich 64 Aufgaben erledigen. Durch die moderate Taktrate von 1,4 Gigaherz ist er dabei Strom sparend und erfordert durch die vergleichsweise geringe Hitzeentwicklung weniger Kühlaufwand. Schon der Vorgänger "UltraSPARC T1" stieß auf reges Interesse. "2007 hatten wir 220 Prozent Wachstum bei den T1-Systemen, das Feedback der Kunden ist hervorragend. Die Systeme mit dem neuen T2 werden ab Oktober verfügbar sein", so Fleischmann.
Am Puls der Kunden
Fleischmann ist Ende 2006 von Microsoft an die Spitze von Sun Österreich gewechselt. Eine ihrer wichtigsten Prioritäten war damals die Verbesserung der Außenkommunikation. "Ich bin seither die Hälfte meiner Zeit auf Achse und habe viel und intensiv mit Kunden und Partnern gesprochen. Wir haben ein neues Partnerprogramm umgesetzt, alle Partnerverträge erneuert. Es herrscht überall großes Interesse an unserem Portfolio und unserer technologischen Zukunft. Konsolidierung und Virtualisierung sind beherrschende Themen. Die Kunden wollen ihre teilweise exponential steigenden Kosten langfristig besser in den Griff bekommen. Mein Ziel ist es, die Schwerpunktthemen des Gesamtkonzerns auf den österreichischen Markt abzustimmen und langfristig bei den Kunden nicht nur Einzellösungen, sondern unser gesamtes Portfolio an den Mann zu bringen. Aber bis das Realität wird, ist noch einiges zu tun", räumt Fleischmann ein.
Positive Bilanz
Nach Jahren der Krise kann Sun im Geschäftsjahr 2007, das mit 30. Juni zu Ende ging, wieder über schwarze Zahlen (473 Mio. US-Dollar Netto-Gewinn) jubeln. Mitverantwortlich dafür ist ein harter Sanierungskurs, der auch im neuen Geschäftsjahr fortgesetzt werden soll. Weitere Entlassungen sind angekündigt. In Österreich seien aber keine Arbeitsplätze in Gefahr, beruhigt Fleischmann. Im vergangenen Geschäftsjahr seien sogar neue Mitarbeiter aufgenommen worden. Wachstumstreiber waren der Service-Bereich (40%Umsatzanteil), Serversysteme und Identity-Management-Software. „Wir haben unsere Jahresplanung um 11% übererfüllt und wissen, dass wir nicht abbauen oder kürzen müssen, sondern investieren können,“ so Fleischmann.





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8/2011
7/2011


Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 