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Netz & Telekom

Konferenzbericht: Internet Summit 2007

Heimische Breitband-Entwicklung gefährdet

Content und technische Infrastruktur des Internets - das sind die Innovationstreiber der Branche. Genau diese Themen standen deshalb bei der heurigen Internet Summit in der Wiener Hofburg im Mittelpunkt.

Content Session: (v.l.n.r.) Herbert Mittermayr (Alcatel-Lucent), Hans Mahr (Medienmanager), Moderator Karl Pachner (ORF On), Mark Milletich (Sonovista), Jeff Barr (Amazon) am Sprechpult: Axel Schmiegelow (CEO sevenload) (Bilder: ISPA)

Einstmals Vorreiter hinkt Österreich in punkto Internet heute anderen europäischen Industrienationen hinterher. "Wir haben in Österreich zwar viel in Infrastruktur investiert, aber Wachstum und Nutzung bleiben bei uns weit zurück", bedauerte Roland Türke, Präsident der ISPA (Verband der Internet Service Provider Austria) bei der Eröffnung der internet summit Austria in der Wiener Hofburg, die am 12. September bereits zum dritten Male über die Bühne ging. "Das vorhandene Infrastruktur Potenzial wird einfach nicht genutzt", zog Türke bitter Bilanz über die Entwicklung der letzten Jahre.

Einer theoretischen technischen Verfügbarkeit von 98 Prozent Breitband-Internet steht eine Stagnation des Interesses bei Privathaushalten gegenüber. "In den Niederlanden verfügen 86 Prozent der Haushalte über einen breitbandigen Internet-Anschluss, in Österreich ist es lediglich knapp jeder zweite (46 Prozent)", beklagte Türke. Damit liegt Österreich auf dem viertletzten Platz in der EU. "Bedenklich ist, dass sich 46 Prozent der Nicht-Nutzer überhaupt nicht für das Internet interessieren. Türke sprach von einem "emotional gap" - einem emotionalen Graben, was den Zugang zum Internet und seinen Inhalten anbelangt. Die Gründe für das Desinteresse ortet die ISPA in Vorbehalten gegenüber einem vermeintlich komplizierten Medium oder einfach in mangelnder Sensibilisierung innerhalb der Gesellschaft. Ein weiterer Grund sei die lange Herstellungszeit, wer ADSL bestellt, wartet mindestens 15 Arbeitstage bis zur Herstellung des Anschlusses. "Ich befürchte eine weitere Verlangsamung der Entwicklung in Österreich", prognostizierte Türke kein rosiges Bild für die heimische Breitband-Zukunft.

Weg aus der Breitband-Krise

Ein möglicher Ausweg bilde die "functional separation" (Trennung von Internet-Infrastruktur und Diensten), ein Modell, das in Großbritannien seit dem Start Ende 2005 eine erfolgreiche Wendung gebracht hat. "Die Trennung hat in Großbritannien zu einer neuen Investitionswelle geführt, eine breite Palette an Breitband-Angeboten wurden auf den Markt gebracht", berichtete Tom Kiedrowski, Strategie-Manager bei der britischen Regulierungsbehörde OfCom (Office of Communication) und verantwortlich für die Umsetzung der "functional separation".

Gab es 2005 erst 105.000 Breitband-Anschlüsse in Großbritannien, so sei die Zahl jetzt auf 2,09 Millionen gestiegen. "Es ist sicher auch eine Option für andere europäische Staaten, wobei ich nicht glaube, dass die EU den Staaten hier Vorschreibungen machen wird", meinte Kiedrowski mit Blick auf eine gesamteuropäische Perspektive. Als Alternative zur Trennung von Infrastruktur und Diensten fiel ISPA-Präsident Roland Türke nur eine Vergrößerung der Regulierungsbehörde RTR und eine effizientere Regulierung ein. "Das ist aber nicht das, was wir wollen", so Türke.

Content als Breitband-Köder

Motor für die Breitband-Internet-Anbindung könnten in Zukunft vor allem wieder einmal attraktive Inhalte (Content) sein. Hier gebe es durchaus Chancen für lokale Anbieter, meinte Axel Schmiegelow, CEO der Video und Foto-Plattform sevenload. "Wir haben zur Zeit 150 verschiedene Sendeformate, einige davon haben einige Tausend, andere einige Millionen Zugriffe pro Woche", berichtete der Deutsche über den Erfolg seines erst Ende 2005 gegründeten Portals, das mittlerweile gut von Online Werbung leben kann und derzeit 300.000 registrierte User zählt. Schmiegelow präsentierte fünf Axiome bzw. Treiber für die Branche:

  • Relevanz statt Preiskampf (auch für Bäckermeister oder Bauer kann Internet spannend sein)
  • Content statt Tools (es muss nicht erklärt werden, warum und wie man es nützen kann)
  • Vielfalt von Themen statt Massenware (Jeder kann prinzipiell sein Wissen und "seinen" Content einbringen)
  • Interaktivität und Dialog statt Broadcast
  • Interessensgesteuerte statt aufdringliche Werbung (TV hat viel größere Streuverluste, Online Werbung ist zielgruppengerecht)

Der laut Programm groß angekündigt Keynote-Speaker Om Malik, langjähriger Telekom-Journalist und Gründer der Plattform GigaOM konnte wegen "Visa-Probleme" nicht persönlich erscheinen. Er konnte nur via Video zu den Teilnehmern sprechen. In wenigen Jahren wird ein 50 bis 100 MB/s-Anschluss selbstverständlich sein. "Heute haben wir das Informationszeitalter, der nächste Schritt ist die interaktive Ära", prognostizierte Malik. In Österreich heißt es dazu allerdings noch länger: Bitte warten - aufgrund der zögerlich-langsamen Breitband-Entwicklung.

Trotz aller Probleme - der Abschluss war ein schöner. Abends feierte die ISPA mit Mitgliedern und Konferenz-Besuchern ausgelassen ihr 10-jähriges Bestehen im Palmenhaus.

www.internetsummit.at

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MONITOR-Autoren
Mag. Carl-Markus Piswanger

Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. ..mehr..

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