"Etwa hunderttausend Bildpunkte werden pro Sekunde gemessen", bringt es Jakob Egger vom Vermessungsbüro Schubert aus St. Pölten auf den Punkt. Der Scanner misst alles, also auch unförmige Dinge, was die Auswertemöglichkeiten deutlich verbessert. Das neue System kam beispielsweise bei der Restaurierung der Katharinenkapelle in Krems erfolgreich zum Einsatz. Der Vorteil im Bereich des Denkmalschutzes ist nämlich unschlagbar: Die Anschaulichkeit und Weiterverarbeitbarkeit, welche die erfassten Daten liefern, sind sehr hoch. Es kann dadurch ein 3D-Bild generiert werden, das fotoähnliche Qualität aufweist.
3D-Puzzlespiel
Die Möglichkeiten sind durch die neue Laser-Technik enorm vielfältig. Bei der Kapelle nutzte man etwa die Möglichkeit, ausgegrabene und tonnenschwere Gebäudeteile am Computer zusammenzusetzen. "Das funktioniert wie ein 3D-Puzzle", erläutert Hanns Schubert die Arbeitserleichterung. Die räumliche Darstellung ermöglicht den Einsatz bei vielen Anwendungen. Vor allem im planerischen Einsatz, bei dem Bestand und zukünftige Einbauten aufeinander abgestimmt werden sollen, ergeben sich viele Vorteile: Der Bestand ist erfasst und kann mit den Planungen abgeglichen werden. "Solcherart erkennt man gleich, ob etwas zusammenpasst", beschreibt Schubert den Haupteffekt. Für Änderungen in Gebäuden mit einem komplizierten Bestand (z.B. Rohrleitungen) ergibt sich damit eine neue Übersichtlichkeit, die auch virtuell nachvollziehbar und erlebbar ist. Auch für die "Vorher-Nachher-Dokumentationen", etwa bei Verformungen von Brücken und Tragwerken, bietet das Laser-Scanning aufschlussreiche Darstellungen. "Tomographische Ansichten", die eine Betrachtung in jeder gewünschten Ebene ermöglichen, sind ebenfalls erzielbar.
Im Bereich der klassischen Vermessung kommt das Verfahren z.B. in Niederösterreich zur Anwendung, wo bis 2009 das gesamte Land von oben mittels "Airborn-Laser-Scanning" vermessen sein soll. Große Erwartungen hegt man auch für den Einsatz im Industriebereich, wo in der Automobilindustrie bereits Simulationen kostengünstig durchgeführt werden. Auch bei Einbauten in Fabrikshallen kann ein Laser-Scanner helfen, einen reibungslosen Austausch der Maschinen oder Einrichtungen zu planen. Der Betrieb wird durch die gezielte Abschätzung kürzestmöglich gestört und unerwünschte Produktionsverzögerungen bleiben aus. Eine exotischere Anwendung stellt etwa die Tatort-Dokumentation im Bereich der Kriminalistik dar.
So zukunftsträchtig das Scannen ist, so sehr ist es auch an eine fachgerechte Anwendung zu koppeln. "Dieses Werkzeug gehört in die richtigen Hände", formuliert es Experte Hanns Schubert und konkretisiert: "Die Aufnahmen sind schnell gemacht, aber das Ganze ist sehr software- und hardwareintensiv."
Softwaredschungel
Schubert hat mit seinem Büro für eine andere Anwendung bereits einen Innovationspreis bekommen und viel in die Entwicklung dieses neuen Systems gesteckt. "Alleine wäre das nicht möglich, weswegen wir kooperative Partnerschaften eingehen", meint der Büroleiter. Alleine die Basis-Software kostet zwischen 30.000,- und 50.000,- Euro. Wer alle Anwendungsbereiche abdecken will, muss schon mehrere hunderttausend Euro investieren. Für das sogenannte "Piping" (Rohrleitungsauswertungen) wird "Plantlinx" verwendet, während für Landschaftsdarstellungen der Landexplorer (vom Berliner Unternehmen 3D-Geo) und Civil 3D von Autodesk (für die Straßenplanung) als Softwarebasis in Frage kommen.
Auch die TU-Wien hat ein geeignetes modulares Softwareprogramm ("Scope") entwickelt. Mit "Sketchup" von Google steht auch eine Freeware zur Auswahl, die zum Teil als recht leistungsfähig gilt. Daneben bietet auch der Laser-Scanner-Produzent begleitende Produkte. "Jede Software kann etwas, was die andere nicht kann", misst Schubert der richtigen Wahl der Tools eine hohe Bedeutung zu und spricht in dem Zusammenhang von einem "Softwaredschungel, den man erfolgreich zu durchforsten habe".




1/2012
8/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 