Wird in den USA ein neues Produkt eingeführt, tritt vorsorglich eine riesige Marketingmaschinerie in Aktion. So geschehen beim Verkaufsstart des Apple-Handys iPhone, für das Kunden sogar das Campieren vor dem New Yorker Apple-Store in Kauf nahmen. Für ein Produkt, das es zumindest in europäischen Augen nicht wert ist.
Ein ähnliches Tamtam wurde kürzlich um die Einführung des neuen Blackberry Curve gemacht, die neueste Version des E-Mail-PDAs aus Kanada. Damit will Hersteller Research in Motion neben der amerikanischen auch in der europäischen Business-Community punkten.
Wenn das nur gut geht. Das iPhone ist aus europäischer Anwendersicht mehrheitlich eine technische Enttäuschung, deswegen ist es hierzulande auch noch nicht erhältlich. Schmerzlich vermisst man UMTS-Funktionalität, und nicht einmal den neuesten Bluetooth-Standard hat Apple in sein Telefon integriert. Die Batterie taugt nichts, und das Display - obwohl immerhin vom deutschen Unternehmen Balda entwickelt - ist kratzempfindlich, was alles auf billigste Fertigung hindeutet. Tatsächlich wird das iPhone vom Auftragsfertiger TPK in China zusammengeschraubt. Man muss das iPhone eben als das nehmen, was es ist: Ein nettes, trendiges Gadget. Allerdings zum Preis ab 499 US-Dollar.
Ähnliche Sorgen bereitet die Neuentwicklung des Blackberry, der kürzlich als "Curve" auch auf den österreichischen Markt gekommen ist (Preis ohne Vertrag etwa 370 €). Das Gerät wurde zwar mit Zwei-Megapixel-Kamera und GPS aufgerüstet, aber es geht ihm ebenfalls schmerzlich die UMTS-Fähigkeit ab. Zwar soll der Blackberry weiterhin seine Rolle als "E-Mail-Maschine" für Geschäftsleute und andere mobile User spielen, aber gerade in Europa wird das schwierig: Hat doch ohnehin bald jedes Mittelklasse-Handy heute UMTS und E-Mail-Abruf an Bord, stellt sich die Frage, warum sich User immer noch dem proprietären Blackberry-Mailsystem anvertrauen sollen, an dem Research in Motion stur festhält und das vor allem punkto Sicherheit im Kreuzfeuer der Kritik steht. Sieht man vom Gewöhnungseffekt ab, gibt es wenige Gründe, heute noch am Blackberry festzuhalten. Die neuen Top-Geräte vor allem von Nokia ziehen mit Windeseile am Blackberry vorbei, weil sie keine externe Infrastruktur brauchen und deutlich die technische Benchmark vorgeben.



7/2011
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Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. 