Telekom & Internet
Österreichische Unternehmen sind treue Festnetzkunden
Christine Wahlmüller

Privat sind die Österreicher eindeutig Handy-verliebt. 89% der ÖsterreicherInnen haben ihr Handy immer dabei, wenn sie das Haus verlassen - häufiger als die Bankomatkarte, den Führerschein oder den Terminkalender. In der Wichtigkeit kommt das geliebte Mobiltelefon noch vor dem Auto, dem Fernsehen oder der Armbanduhr, heißt es in einer aktuellen Studie, beauftragt von der mobilkom. Ganz im Gegensatz zu den Unternehmen, die dem Festnetz nach wie vor die Treue halten.
"Österreichische Unternehmen weisen kaum Bereitschaft zum Verzicht auf Festnetz auf; praktisch alle verfügen über einen Festnetzanschluss. Mobilfunk, der sich mit 83% Penetration sehr stabil verhält, ist im Business-Bereich als komplementäre Lösung zu sehen", urteilt Bertram Barth, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts Integral, das zwei Mal pro Jahr mit dem Austrian Internet Monitor sowohl den Privat- als auch den Business-Telekommunikationsmarkt untersucht.

Seit etwa drei Jahren ist ein gewisser Sättigungsgrad am Internet-Markt erreicht. Derzeit haben 85% der Unternehmen in Österreich einen Internetzugang.
Stark gestiegen ist in den letzten Jahren das Sicherheitsbewusstsein. Laut Integral setzen nun neun von zehn Firmen ein Virenschutzprogramm ein. 85 Prozent sichern regelmäßig ihre Daten. Knapp 80 Prozent der Unternehmen mit Internetzugang verwenden Spam-Filter und fast drei Viertel haben eine Firewall im Einsatz. Je größer das Unternehmen, desto mehr wird auch Bedacht auf adäquate Schutzmaßnahmen gelegt. Jedes zweite Unternehmen betreibt eine eigene Website mit eigener Domain.

CTI (Computer Telephony Integration), Skalierbarkeit und Call-Center-Funktionen - das sind die drei wichtigsten Faktoren für Unternehmer, um eine IP-Centrex-Lösung zu realisieren.
Die Festnetz-Internetverbindung wird von den Unternehmen nicht mehr bloß zum Mailen oder Surfen genutzt. "38 Prozent der Unternehmen telefonieren über das Internet, 63 Prozent haben eine Internet VPN-Lösung für die Übertragung ihrer Daten im Einsatz", fasst Rainer Kaltenbrunner, IDC-Analyst die Ergebnisse des letzten Telekom Surveys 2006 zusammen. Die Ergebnisse für heuer werden Ende September vorliegen und lassen eine weitere Zunahme erwarten.
Aber auch an der Mobilität sind die Unternehmen naturgemäß interessiert. Die Verwendung von Notebooks ist deutlich angestiegen: 61 Prozent der Unternehmen setzen laut AIM Business Laptops ein (im Vorjahr 50 Prozent), die Zugriffe auf das Unternehmensnetzwerk von außen nehmen leicht zu. "Die Nutzung von mobiler Datenübertragung gestaltet sich noch etwas zurückhaltend", wehrt Marktforscher Bertram Barth aber ab. Der Großteil der Unternehmen sieht die mobile Datenübertragung nicht als Substitut, sondern als gute Ergänzung zur bestehenden Festnetzverbindung.

„Wir wollen am TK-Markt die erste Alternative auch für Businesskunden sein.” - Robert Hackl, CEO Tele2
Kritik von Alternativanbietern
Die Marktmacht der TA ist im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen: Nur 32 Prozent der Unternehmer beziehen ihre Internet-Verbindung bei einem alternativen Anbieter. Kein Wunder, dass die bestehenden alternativen Anbieter und der VAT gegen die "Re-Monopolisierung" vehement ankämpfen und laut ihren Unmut - vor allem in Richtung Regulierungsbehörde RTR - äußern. "Die RTR hat in meinen Augen weitgehend versagt", sagt klipp und klar Oskar Obereder, Chef des Wiener Providers Silver Server. "Viele Betriebe fragen nach Angeboten ohne TA-Telefongrundgebühr, können aber nur in den Städten ausreichend bedient werden", kritisiert Martin Zandonella, Chef des Kärntner Providers Net4You.

„Österreichische Unternehmen weisen kaum Bereitschaft zum Verzicht auf Festnetz auf.” - Bertram Barth, GF Integral Markt- forschung (Bild: Integral)
"Der Wettbewerb am Festnetzmarkt droht angesichts der Übermacht der Telekom Austria einzuschlafen, ausländische Investoren werden sich zurückziehen", warnte Berthold Thoma, CEO des Mobilfunkers "3" und VAT-Präsident (Verband der alternativen Telekombetreiber) im Juni auf einer Pressekonferenz. Der VAT fordert daher einen neuen Anlauf zur Regulierung mit einem klaren Bekenntnis zum fairen Wettbewerb, konsistenten Rahmenbedingungen und entsprechender Rechtssicherheit. "Würde Österreich sich z.B. auf den derzeitigen regulatorischen Level von Großbritannien verbessern, könnte gleichzeitige mit einem Investitionsplus von 22 Prozent gerechnet werden", heißt es in einer VAT-Aussendung. Damit würde ein eindeutiger Anreiz in punkto Breitband-Penetration gegeben sein. Kurzum: Eine gute, faire Regulierung könnte Österreich wieder die einstige Pionierposition in punkto State-oft-the-art-Internet-Anbindung verschaffen. Davon ist die Alpenrepublik aber trotz Aufholkurs in den letzten Monaten meilenweit entfernt.
Infrastruktur allein nützt nichts
Aufhorchen lässt der neu erschienene deutsche "Dschungelführer 2007" des Fachdienstes portel (www.portel.de) "Der Paradigmenwechsel in der Telekommunikation vollzieht sich im Festnetz und im Mobilfunk. Er hat seinen technischen Ursprung in der Umstellung der Netze auf internetbasierte Technologien. Der Aufbau von "Next Generation Networks" (NGN) auf Basis des Internet Protokolls (IP), wie er gegenwärtig von den Netzbetreibern weltweit vorangetrieben wird, hat weitrechende Konsequenzen für die Branche und für die Weltwirtschaft. Die neuen "All-IP"-Netze bieten völlig neue Möglichkeiten für Dienste und Anwendungen", schreiben die Herausgeber Johannes Lenz-Hawliczek und Georg Stanossek und verweisen auf eine brisante Studie der Unternehmensberatung Detecon.Die Analysten untersuchten 220 verschiedene Telekom-Dienste nach der Frage, ob ein Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom noch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Drittanbietern ausspielen kann, weil er die Kontrolle über das Netz und damit auch über die Übertragungskapazität besitzt. "Das Ergebnis stellt die Existenzberechtigung der Deutschen Telekom und aller anderen Infrastrukturbetreiber in ihrer jetzigen Form in Frage: Schon heute, so das Fazit, können Web-Anbieter ohne eigenes Netz einen Großteil aller Produkte mit derselben Qualität liefern wie die Infrastrukturanbieter", erläutern Lenz-Hawliczek und Stanossek. Einige Ex-Monopolisten beginnen, Lehren aus diesen Erkenntnissen zu ziehen. So baue die britische BT ihre IT-Services deutlich aus. Auch die Telekom Austria hat den Zug der Zeit erkannt. "Wir wollen weg vom Infrastruktur-Image", sagt Edmund Haberbusch, Leiter Produktmanagement Business-Solutions bei der Telekom Austria.
Womit die Anbieter locken

„Consulting ist für die KMUs wichtig, bei uns können sie sich die benötigte Beratung auch leisten.” - Martin Zandonella, GF Net4You
Die Entbündelung wird von den großen alternativen Herausforderern der Telekom Austria, Tele2 und UPC, weiter vorangetrieben. Mit Ende des Jahres will Robert Hackl, Tele2-CEO, bereits 243 Wählämter österreichweit entbündelt haben. "Damit können zwei Drittel der Unternehmen theoretisch Breitbandservices von Tele2 nützen", betont Hackl. Während in der Ära von Ex-Tele2UTA-Geschäftsführer Norbert Wieser Businesskunden kaum ein Thema waren, ist sich Hackl der Bedeutung der Businesskunden wieder voll bewusst. Mit der eigenen Marke "Tele2Business" soll verlorenes Terrain wieder gut gemacht werden. "Wir wollen am TK-Markt die erste Alternative auch für Businesskunden sein", gibt sich Hackl kämpferisch - allerdings muss wohl erst das fachlich kompetente Personal (wieder-)gefunden werden, das diesen Wunsch erfüllen kann.
UPC setzt auf flatrate

„Unser Ziel jetzt ist eine deutliche Steigerung der Telefoniekunden.” - Thomas Helfert, Leiter Business- kunden-Vertrieb, UPC
Engagement beweist auch der Kärntner Provider Net4You: Abgesehen von den Standardpaketen werden für KMUs auch maßgeschneiderte Lösungen "gebaut". "Wir helfen den Kunden, das Internet optimal zu nutzen", erklärt Net4You-Geschäftsführer Martin Zandonella, und weiter: "Consulting ist für die KMUs wichtig, bei uns können sie sich die benötigte Beratung auch leisten". Im August wurde "Freecall4You" gestartet, ein VoIP-Service für jede Website. Durch Klicken auf einen Button wird eine IP-Gesprächsverbindung mit einem Betrieb aufgebaut (Funktion wie eine internationale 0800-er Nr.). Im Herbst wird Net4You ein ähnliches Produkt wie Hosted Exchange auf den Markt bringen, "mit nützlichen Zusatzfunktionen und zu wesentlich günstigeren Konditionen", verspricht Zandonella. Für Ende 2007 kündigt sich ein weiterer österreichweiter Konkurrent im KMU-Bereich an: Dann will auch Colt Internet-Anbindung und Services für KMU auf den Markt bringen.
Zukunft und Ausblick
Während die Unternehmen in punkto Internetanbindung nach wie vor treue Festnetzkunden sind, landet die Festnetz-Sprachtelefonie im Business-Sektor immer mehr auf der Verliererstraße, "die Zukunft der Telefonie ist IP-basiert", prognostiziert Karim Taga, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Arthur D. Little (ADL). Und weiter: "Österreich ist derzeit zwar noch in einem Anfangsstadium von Hosted VoIP Telefonielösungen, bis 2010 werden jedoch über 360.000 Anschlüsse auf zentralisierten VoIP-Nebenstellen erwartet" (2006 waren es erst rund 10.000), erläutert Taga das Ergebnis einer Studie vom vergangenen Herbst mit dem Titel "The Battle for the Business Customer - Impact of IP PBX, IP Centrex and Mobile PBX" .
Großes Problem der Branche ist das Versagen der Regulierungsbehörde und die sogenannte "Re-Monopolisierung" zehn Jahre nach der Telekom-Liberalisierung. Gewinner dieses Prozesses ist die Telekom Austria, die gegenüber ihren Festnetz-Konkurrenten noch dazu den Vorteil hat, einen Mobilfunkanbieter im Haus zu haben - was aber intern für ein angespanntes Arbeits-Klima sorgt. Es liegt an TA-Chef Boris Nemsic, diesen internen Zwist rasch zu lösen, sonst wird die Leistung der TA in den nächsten Wochen sicher darunter leiden. Was die Regulierung betrifft: Viele hoffen auf eine Änderung, da der Vertrag von RTR-Chef Georg Serentschy im November ausläuft. Als mögliche Nachfolger werden u.a. Hans Peter Lehofer, früher Chef der RTR-Medienbehörde KommAustria und derzeit im Verwaltungsgerichtshof für den Telekom-Bereich zuständig, oder Kurt Einzinger, Generalsekretär der ISPA, gehandelt.
Veranstaltungs-Tipp:
Internet Summit Austria, 12. September in der Hofburg
Info und Anmeldung auf www.ispa.at
Die Anbieter in alphabetischer Reihenfolge:
www.etel.at 08000 08000
www.happynet.at 0463/2080-0
www.hostprofis.at 04242/222 350
www.inode.at 059 999-4500
www.liwest.at 0732 /94 24 24
www.net4you.at 04242/50 05-100
www.sil.at 01/49 33 256 oder 059 944
www.telekom.at bzw. http://kmu.telekom.at 0800 100 800
www.tele2.at 0800 800 882
weitere Provider: siehe www.ispa.at
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