Silver Server ist ja schon relativ lange am Markt. Es ist einer der wenigen Provider, die am Markt übrig geblieben sind. Wie kann man als kleiner Provider so lange überleben?
Im Endeffekt hängt das sehr viel damit zusammen, dass wir schon seit 1994, also sehr früh, am Markt waren. Wir waren am Aufbau des Internets in Österreich wesentlich beteiligt. Silver Server hat durch seinen Innovationsgeist auch immer sehr viel Risikofreude gezeigt und war bei wesentlichen Schritten, die Schlüsselerlebnisse waren, wie zum Beispiel die Einführung von DSL Mitte der 90er Jahre, von Anfang an mit dabei. Wir waren eines der ersten Unternehmen, das einen Entbündelungsvertrag mit der Telekom Austria erwirkt hat. Wir waren bei der Einführung von VoIP von Anfang an mit einem eigenen SW-Projekt dabei. Wir sind jetzt auch mit Silver Mobile einer der ersten, der erkannt hat, dass die Zusammenschaltung mit einem Mobilfunker einfach eine neue Chance ist, die man wahrnehmen muss.
Was war der Auslöser dafür, dass Sie sich entschlossen haben, Mobiles Breitbandinternet anzubieten?
Kleine und mittlere ISPs wurden von den österreichischen "Watchdogs" - den Regulierungsbehörden - maßlos enttäuscht. Die RTR hat in meinen Augen weitgehend versagt. Seit zwei Jahren warten wir etwa auf die Freigabe von GSHDSL.biz. Damit könnten wir signifikant mehr aus dem Kupferkabel herausholen und Kunden mit bis zu 32 Mbit symmetrischen Bandbreiten anschalten. Oder: In der Praxis werden Herstellungstermine vom Telekom Bautrupp verpeilt, gibt es falsche Rückmeldungen der TA an Kunden - mit solchen Problemen müssen sich österreichische ISPs nach zehn Jahren Telekomliberalisierung herumschlagen! Die Kunden sind ab Bestellung ihrer Breitband-Anbindung bei uns daher manchmal erst in vier bis fünf Wochen online. Das sind inakzeptable Delays. Damit wird bei Neukunden eine Verlagerung in Richtung mobiles Breitband begünstigt. Fest steht: Das Festnetz sucht den mobilen Zugang, der Mobilfunk neue Umsatzmöglichkeiten.
Wie funktioniert Ihr mobiler Breitband-Internetzugang denn im Detail?
Entscheidend ist, dass es sich um eine Netzzusammenschaltung mit einem Mobilfunker (T-Mobile) handelt. Authentifizierung und Traffic werden dabei über die Infrastruktur von Silver Server abgewickelt. Das ermöglicht auch eine Einbindung in MPLS-VPNs oder den Einsatz als Backup-Lösung für Standleitungen.
Gibt es schon ein Echo von den Silver Server Kunden?
Ja, wir haben bereits am Tag der Einführung im Juli 70 Bestellungen von Bestandskunden gehabt. Bis Ende des Jahres wollen wir 500 Firmenkunden dabei haben.
Wie schätzen Sie denn die Entwicklung des mobilen Breitband-Internetmarkts ein?
Ich muss zugeben, ich bin mit dem Mobilfunkmarkt noch nicht allzu sehr vertraut. Ich glaube dass in Zukunft die Zusammenschaltung zwischen Mobilfunkern und Internet Providern so selbstverständlich wird wie ein Peering am VIX (Vienna International Exchange). In zwei bis drei Jahren wird es für den durchschnittlichen User keinen Unterschied mehr geben, ob die IP-Pakete über UMTS oder klassisch via Festnetz zugestellt werden. Und die Technologie dahinter ist den Benutzern letztlich auch egal.
Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Mobilfunker die Kunden abspenstig machen?
Nein. Nur im Residential Bereich erfolgt mit Sicherheit eine Substitution. Im Businessbereich wird sicher keine terrestrische Anbindung durch ein UMTS-Modem ersetzt.
Insgesamt wächst der Breitbandmarkt aber nur langsam, wir sind laut EU auch ins Hintertreffen geraten. Wo liegen da die Gründe?
Der erste Grund ist die leider zahnlose Regulierung. Wholesale (d.h. Wiederverkauf der TA-Leitungen an Kunden) ist für die Provider einfach kein Geschäft, verdienen können wir nur mit entbündelten Kunden. Die Entbündelung kostet viel Geld und wurde von der TA oft behindert. Die Folgen sind fehlender Wettbewerb und hohe Preise für Breitbandzugänge am Land, da die TA dort nach wie vor der einzige Anbieter ist.
Sie haben gerade wieder die Regulierung kritisiert, was würden Sie sich denn in punkto Regulierung wünschen?
Das Ziel muss es sein, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Dazu gehört z.B. die Parteistellung bei Marktmissbrauchs-Verfahren bei der RTR für alternative Anbieter. Die Entbündelungsmiete muss signifikant gesenkt werden. Außerdem sollte die Herstellungszeit auf maximal fünf Werktage festgesetzt werden. Entstörabläufe und Pönalisierung bei Nichteinhaltung sind im Entbündelungsvertrag neu zu regeln. Die Regulierungsbehörde sollte bei offensichtlichem Marktmissbrauch umgehend einschreiten. Verfahren, die Monate dauern, sind für betroffene ISPs und Kunden problematisch. 2005 hat sich die British Telekom gegenüber dem britischen Regulator zur "Operational Seperation" verpflichtet, also zur Ausgliederung ihrer Telekom-Infrastruktur. Das würde ich mir in Österreich auch wünschen. Möglichkeiten und Ideen gibt es viele.
Welche Ziele haben Sie sich heuer gesetzt?
Wir wollen unseren Umsatz von 7,2 Mio. Euro im vergangenen Jahr heuer auf 9 Mio. Euro steigern und weiter organisch wachsen.
Wie sieht Ihr Erfolgsrezept aus?
Wir sind hartnäckig und wir leben von unserer Reputation und Empfehlungen.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 