Mobilität ist in Zukunft Trumpf. 83 Prozent der österreichischen Unternehmen statten ihre Mitarbeiter mit Mobiltelefonen aus, 61 Prozent sorgen mit Laptops für Mobilität beim Personal. Jedes sechste Unternehmen betreibt mobile Datenübertragung (Daten laut Austrian Internet Monitor (AIM) Business, April 2007).
Grund zur Freude bei den Mobilfunkern? Ja und nein. Ja, weil mit wachsender Nutzung der neuen Angebote (UMTS, HSDPA) auch die Kassen der Mobilfunker klingeln. Nein, weil der Sprach-Markt seit 2005 annähernd gesättigt und die Wechselbereitschaft der Unternehmer gering ist. Im Klartext: Hat sich ein Unternehmen für einen Anbieter entschieden, hält es ihm zumeist die Treue. Das zeigt sich auch bei den Marktanteilen der vier österreichischen Mobilfunkanbieter im Business-Segment.

„Immer öfter setzen die Firmen auch auf spezielle Branchen- lösungen.” - Hannes Ametsreiter, mobilkom
Die Verfolger agieren weitab vom Schuss. Sowohl T-Mobile als auch One haben um die 17 Prozent Marktanteil, während "3" es in punkto Businesskundschaft auf knapp ein Prozent schafft. Insgesamt fielen die Gesamtumsätze im Mobilfunkbereich 2006 um etwas 0,14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt erreichten die Mobilfunkumsätze im vierten Quartal 2006 906 Mio. Euro (Quelle: RTR), das ist ein Minus von vier Prozent gegenüber dem gleichen Quartal im Jahr 2005. Die Gründe liegen in den gesunkenen Umsätzen im Vorleistungsbereich (z.B. Terminierung, Originierung, Roaming).
Branchenlösungen gefragt
Kein Wunder, dass die Anbieter jetzt mit aggressiver Preispolitik versuchen, die Umsatzeinbußen wieder wettzumachen. Da kommt ihnen der Wunsch der Unternehmen nach Mobilität gerade recht. "Der Trend zur Nutzung attraktiver Datenprodukte und -services ist stärker im zunehmen denn je", berichtet Hannes Amtesreiter, Vorstand für Marketing und Vertrieb bei der mobilkom. "Immer öfter setzen die Firmen auch auf spezielle Branchenlösungen. Der mobile Zugriff auf elektronische Kunden- oder Produktdatenbanken, Reporting-Infos oder sonstige Wissensdatenbanken wird insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen geschätzt", sagt Ametsreiter.

„KMU haben ein hohes Arbeits- stundenpensum, sind viel unterwegs, sollten jederzeit erreichbar sein und möchten mobil arbeiten.” - Michael Fried, ONE
Das ÖIAT hatte im Mai und Juni an 13 Standorten in Österreich Tests mit einem bestimmten Laptop im Freien und in Gebäuden durchgeführt. Alle vier HSDPA-Netze (mobilkom, T-Mobile, One, 3) wurden mit den von den Betreibern baugleich gelieferten Modems (Huawei E220) ausprobiert. Insgesamt wurden in Wien, vier weiteren Landeshauptstädten und sieben anderen Orten 690 Einzelmessungen vorgenommen, wobei durchschnittlich ein Datendurchsatz von 868 kBit/s im Download und 241 kBit/s im Upload erzielt wurde. In den Landeshauptstädten waren alle vier Netze etwa gleich schnell, durch die geringere HSDPA-Netzabdeckung in ländlichen Gebieten fielen One und 3 jedoch im Gesamtergebnis zurück.
Trotz dieser ernüchternden Ergebnisse scheinen die Unternehmer - ähnlich wie beim Handy - auch zu Blackberry und Smartphone-Fans zu werden. Die Nutzung dieser Geräte hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, Datenkarten und USB-Modems gewinnen zusehends an Bedeutung, heißt es im aktuellen AIM Business. Von einer Euphorie oder gar einem Boom zu sprechen ist daher eindeutig verfrüht. "Beim Großteil der Unternehmen ist mobile Datenübertragung nicht als Substitut für kabelgebundenes Internet zu sehen, sondern vielmehr als Ergänzung", betont Bertram Barth, Chef des Wiener Marktforschungsinstituts Integral.
Lösungen zur Prozessoptimierung

„Businesskunden entdecken immer mehr Möglichkeiten, mobil ihre Prozesse zu optimieren und dadurch Kosten einzusparen.” - Hendrik Kasteel, T-Mobile
"Die Sprachtelefonie ist gesättigt, Businesskunden entdecken aber immer mehr Möglichkeiten, mobil ihre Prozesse zu optimieren und dadurch Kosten einzusparen", sieht auch Hendrik Kasteel, Mitglied der Geschäftsleitung bei T-Mobile, große Umsatzpotenziale in der Entwicklung und Vermarktung neuer mobiler Lösungen. Kasteel nennt weitere zwei Trends: "Replace, d.h. das Ersetzen von Festnetztelefonie durch die mobile Nebenstellenanlage und mobiles Internet". Für Vieltelefonierer hat T-Mobile das Flat-Modell "Fairbusiness" eingeführt (25 Euro monatlich, Telefonieren zu allen Netzen kostenlos bei maximal 1.000 Frei-Minuten pro Netz, Aktion bis 30.9.). Für Oktober hat Kasteel ein neues Datenroaming-Angebot angekündigt. Stolz ist man auf die Realisierung einer Datenlösung zur mobilen Zeit- und Leistungserfassung für die Wiener Sozialdienste in Kooperation mit der Firma ilogs mobile Software. Von T-Mobile stammt das mobile IP-VPN sowie die Ausstattung mit 700 MDA Compact II, während ilogs für die notwendigen Applikationen sorgte.
KMUs als Zielgruppe
One hat eindeutig die KMUs ins Visier genommen. "Diese Unternehmen haben ein hohes Arbeitsstundenpensum, sind viel unterwegs, sollten jederzeit erreichbar sein und möchten mobil arbeiten", charakterisiert Michael Fried, Geschäftsführer für Marketing & Vertrieb die angepeilte Zielgruppe. Fried sieht neben dem mobilen Internet - hier hat One den Begriff und das Produkt H.U.I (höllenschnelles, ultraeinfaches Internet) geprägt - auch die mobile Nebenstellenanlage sowie maßgeschneiderte Tarife als wichtigste Faktoren, um beim Kunden zu reüssieren. Aber One serviciert auch große Kunden. So wurde bereits im Jahr 2000 bei der Tiroler TIWAG ein VPN eingeführt. Ab sofort funktioniert auch die Stromzählerablesung bei Großkunden der TIWAG vollautomatisch. Dafür sorgen One Sim-Karten, die bei 1.400 Stromzählern eingebaut sind und auch den Zählerstand an die Zentrale funken.Der vierte Anbieter im Bunde, "3", konzentriert sich vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen, Selbständige und Freiberufler. Neu im Angebot ist, ähnlich wie bei T-Mobile, ein Flat-Produkt: BusinessPool inkludiert ein bestimmtes Kontingent an Freiminuten, SMS, MMS, Internet (Datentransfer) für alle Mitarbeiter. Im Moment wird bei allen Betreibern fieberhaft am Ausbau des Netzes gearbeitet. "Im Moment gehen monatlich zwischen 100 und 200 Funkstandorte on air. Anfang 2008 werden über 90 Prozent der Österreicher mit HSDPA von 3 versorgt sein", verspricht 3-CEO-Berthold Thoma. Vorerst ist der mobile Breitbandzugang eher noch "schmalbandig" unterwegs. Problem der Mobiltechnologie ist: Je mehr Nutzer online gehen, desto geringer wird die Bandbreite. Daher ist die mobile Internetnutzung in Ballungsräumen mitunter im Moment kein Vergnügen. Dieses Hemmnis müssen die Mobilfunkanbieter erst einmal beseitigen.






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Mag. Carl-Markus Piswanger, MAS ist freier Journalist, Projektberater und hauptberuflich IT-Architekt. Er ist ausgebildeter Versicherungskaufmann, studierter Historiker und postgradualer E-Government-Experte. Er war beim ISP Netway, der Österreichischen Post und der Seibersdorf Research beschäftigt und seit 2004 als IT-Architekt im Bundesrechenzentrum. Der Wiener ist glücklich nicht verheiratet und hat einen Sohn. 