Sie sind schon viele Jahre im Businessgeschäft tätig. Wie sehen Sie denn die Entwicklung im Businessbereich in den letzten zehn Jahren?
Im Businessbereich ist folgendes passiert - und zwar früher als im Privatbereich: Der Mitbewerb ist stärker geworden, speziell dort wo die Produkte reguliert sind, nämlich in der Sprache und im Datenbereich. Dementsprechend hat sich auch die Geschäftstätigkeit sehr geändert. Früher haben wir den Umsatz zu rund 70 Prozent mit Sprache gemacht. Das hat sich heute total gewandelt. Im Businessbereich liegen wir heute deutlich unter 50 Prozent beim Sprachumsatz. Dort hat nämlich der Datenumsatz den Sprachumsatz bereits überholt. Zusätzlich werden schon über 10 Prozent des Gesamtumsatzes mit neuen Themen wie IT-Infrastruktur und IT-Applikationen generiert.
Die Telekom Austria bietet ja eine große Varietät an Produkten. Wer da den Überblick hat...
Wir bieten in Summe rund 500 Produkte, 150 davon im Businessbereich. Daher haben wir uns entschlossen, drei Themenbereiche am Markt zu kommunizieren: Stability, Productivity und Marketing Solutions.
Die Stability Solutions umfassen alles, was den Bereich Infrastruktur betrifft, wie etwa Daten und Internet-Dienste sowie Housing oder Hosting. Wir haben an die 70 Housing-Großkunden wie z.B. Gebrüder Weiss, Heraklit oder Palfinger, aber auch zahlreiche KMUs. Was wir feststellen: Zunehmend verfließen die Anforderungen: Wir übernehmen für unsere Kunden gewisse Themenbereiche - Stichwort selektives Outsourcing. Ein typischer Kunde hat meistens mehrere Themen, also Services, bei uns ausgelagert. Aber auch große Kunden lagern bestimmte Themen gerne aus, zum Beispiel Security im Internet wie Firewall, Virus-Scan oder Intrusion Detection. In den letzten drei, vier Jahren haben wir unser Portfolio hauptsächlich in Richtung KMU entwickelt: modular und sehr hochwertig, um genau selektive Outsourcing-Themen bedienen zu können.
Das geht dann auch in Richtung Managed Services...
Genau. Das selektive Auslagern bestimmter Themen geht dann sehr stark in die zwei anderen Themen-Bereiche Productivity und Marketing Solutions hinein, wie zum Beispiel die E-Mail-Umgebung. Früher haben wir sehr oft Exchange-Server für Kunden aufgebaut, der Kunde hat diese dann selbst verwaltet und betrieben. Seit eineinhalb Jahren bieten wir Hosted Exchange mit sehr großem Erfolg bei KMUs, aber auch bei Großkunden an. Der Kunde betreibt keinen eigenen Server mehr. Und so haben wir jetzt Dienste wie CRM oder ERP als Managed Services verfügbar gemacht. Hier sind wir nicht nur auf der Infrastrukturseite, sondern auch bei den Applikationen tätig.
Und welche Services sind auch für KMU geeignet?
Alle unsere Lösungen sind skalierbar. Die IKT-Abhängigkeit eines KMU ist genauso groß wie bei einem Großkunden. Heute ist es auch bei einem KMU so, dass Prozesse wie Bestellungen oder die Rechnungslegung ohne IT nicht mehr denkbar sind. Und ich sehe drei Haupttreiber für Managed Services: 1. die Ausbildung - welcher KMU hat schon all das notwenige IT-Spezialwissen im Haus?, 2. die Invest-Betrachtung, d.h. nicht alles selbst kaufen zu müssen und 3. Time-to market - Kunden sind oft genötigt, sehr rasch am Markt reagieren zu müssen.
Die TA ist mittlerweile auch Mitbewerber im Portal-Business...
Ja, bis jetzt haben wir an die 100 Portale verkauft, zu 90 Prozent sind auch Funktionen wie z.B. ein Webshop dabei. Die erste CRM-Realisierung haben wir als Erweiterung zu einem B2B-Portal für Suzuki übrigens schon vor drei Jahren umgesetzt. Es macht gerade auch für KMU Sinn, ihre Kunden mit Portalen und CRM-Applikationen zu bedienen und zu verwalten - wie beispielsweise beim Reifenspezialisten Plankenauer. Neben Suzuki zählt z.B. auch der ARBÖ zu unseren großen Portal-Kunden. Je nach Anforderung variieren die Kosten sehr stark, beginnend bei einigen Tausend Euro. Der Betrieb liegt dann bei ein paar hundert Euro pro Monat, das heißt auch für KMUs sehr attraktiv. Neuerdings versuchen wir, die Marketing-Abteilungen direkt anzusprechen: Hier ist im Moment Digital Signage, das digitale Plakat, sehr gefragt.
Bei welchen Kunden haben Sie das realisiert?
Zum Beispiel bei Miller Optik, einem Innsbrucker Familienbetrieb. Hier ging es darum, aktuelle Inhalte im Schaufenster zu visualisieren. Bei Mc Donalds haben wir Digital Signage in höchster Ausbaustufe umgesetzt, mit crossmedialer Ausprägung d.h. mit Info- und Entertainment, auch kombinierbar etwa mit Gewinnspielen. So kann man am Handy- oder Internet-Terminal mitspielen. Ein anderes Beispiel ist das "Wartezimmer-TV" bei Ärzten, das wir gerade realisieren.
Stichwort: IP-Telefonie. Wie hoch ist denn der Prozentsatz der Unternehmen die IP-Telefonie einsetzen?
Fast alle Kunden, die eine neue Telefonlösung brauchen, lassen diese heute mit IP-fähigen Anlagen realisieren. Allerdings sind im KMU-Bereich sicher noch 60 bis 70 Prozent nicht IP-fähig.
Wie sehen Ihre Ziele und Strategien für den Herbst aus?
Die Skalierbarkeit von bestehenden Dienstleistungen ist einer unserer Schwerpunkte, zum Beispiel noch günstigere Einsteigerprodukte, aber auch Managed Services Aktivitäten bei CRM und ERP-Lösungen. Geplant ist auch die IKT-Diensterweiterung Richtung CEE-Länder.




1/2012
8/2011
7/2011


bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. 