Ganz unversehrt überstand Österreich, dessen Wirtschaft sehr von Deutschland abhängt, die letzten Jahre der Wirtschaftskrise nicht. Stark tangiert davon war in der IT-Branche unter anderem das Projektgeschäft, das inzwischen, da sich der zuvor schwächelnde Nachbar wieder aufrappelt, auch wieder Aufwind bekommt.
Anders als viele westeuropäische Länder, die ab 2001 unter dem allgemeinen Konjunkturrückgang litten, fiel Österreichs IT-Branche jedoch dank dem Osteuropa-Geschäft vergleichsweise weich. Denn in den ehemaligen Ländern der k.&k.-Monarchie erlebt die Software- und IT-Dienstleistungsbranche teilweise Wachstumsraten, von denen sie im Westen nur träumen kann. "Eingedenk seiner traditionellen Rolle als Bindeglied zwischen West und Ost innerhalb Europas, öffnete sich die Alpenrepublik nach dem Fall des Eisernen Vorhangs mehr als die anderen westeuropäischen Länder den östlichen Nachbarn gegenüber," erklärt Martin Barnreiter, PAC Consultant und Verfasser der Studie SITSI Austria, die den Software- und IT-Markt in Österreich analysiert. Heute steuern etwa 1000 nationale und internationale Unternehmen ihr Osteuropa-Geschäft von Österreich aus - und investieren dort natürlich ebenfalls.
Unterschiedliche Strategien

„Wir gehen davon aus, dass sich dieser Markt auch heuer positiv weiterentwickeln wird. Bis 2010 wird er jährlich um mehr als 6% wachsen, was man gerade angesichts der Marktstagnation in den vorhergehenden Jahren durchaus als gute Aussichten bezeichnen kann.“ - Martin Barnreiter, Verfasser des PACs-Studienprogramms „SITS Austria“ über die Software- und IT-Services-Branche in Österreich (Bild: PAC)
Den umgekehrten Weg ging Senkrechtstarter S&T: In einem geradezu furiosen Feldzug eroberte es sich mehr osteuropäische Märkte als so mancher große IT-Anbieter, während der österreichische Firmen-Standort von einem Dutzend Mitarbeiter betrieben wurde. Erst nach zahlreichen Unternehmenszukäufen im Osten wurde auch S&T in Österreich ausgebaut und beschäftigt heute rund 400 Mitarbeiter.
Insgesamt erlebte Österreichs Projektgeschäft 2006 laut PAC einen soliden Wachstumsschub von 5.5% und erlangte damit ein Volumen von €1.3 Milliarden. "Wir gehen davon aus, dass sich dieser Markt auch heuer positiv weiterentwickeln wird. Bis 2010 wird er jährlich um mehr als 6% wachsen, was man gerade angesichts der Marktstagnation in den vorhergehenden Jahren durchaus als gute Aussichten bezeichnen kann", kommentiert Martin Barnreiter. Die einzelnen Segmente dieses Marktes werden davon jedoch unterschiedlich profitieren.
Aufschwung für klassische IT-Beratung
Den größten Aufschwung erlebt die klassische IT-Beratung, die 2006 um 7% wuchs und ein Marktvolumen von €146 Millionen erreichte. In den Vorjahren zielten Beratungs-Projekte, wenn sie nicht aufgeschoben oder ganz gestrichen wurden, vorwiegend auf Kostensenkung bzw. -kontrolle ab. Doch inzwischen investieren Kunden wieder in längerfristige Wachstumsthemen wie EAI, Web Services oder Service-orientierte Architekturen (SOA), und suchen nach innovativen Lösungen, um ihre Konkurrenz abzuhängen. Besonders gefragt sind Themen rund ums Internet: Anwender wollen beispielsweise im Rahmen von "E-Business" bzw. "E-Government" sämtliche Prozesse auf Internet-Technologie basiert ausführen oder Informationen und Waren mittels Portalen ihren Kunden bzw. Bürgern zugänglich machen.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung von Fragen der IT-Sicherheit. Viele Unternehmen unterziehen ihre Prozesse derzeit einer Generalüberholung, was branchenübergreifend für IT-Beratungsbedarf sorgt. Branchenspezifisch steht außerdem die Einhaltung internationaler Richtlinien, Basel II für Banken beispielsweise, oder die Anpassung an neue Technologien, wie RFID für den Handelssektor und die Industrie, auf dem Plan. PAC geht davon aus, dass der IT-Beratungsmarkt 2007 um mehr als 8% zulegen wird, um sich dann bis 2010 auf durchschnittlichen Wachstumsraten von etwa 7% einzupendeln.
Umso langsamer erholt sich das Projektgeschäft im Bereich Auftragsentwicklung und Systemintegration. Dieser Markt ist in Österreich ohnehin recht klein, da Unternehmen diese Projekte lange ihren internen IT-Abteilungen übertrugen. Mittlerweile arbeiten sie jedoch zunehmend mit externen IT-Dienstleistern zusammen und dabei bevorzugt mit einem zentralen Anbieter statt mit mehreren verschiedenen. Die allgemeine wirtschaftliche Erholung wird einen positiven Einfluss auf diesen Bereich haben: "Der Preisdruck wirkt sich hier weniger stark aus als in anderen Segmenten, da es sich um hochwertige Services handelt. Manche Anbieter konnten ihre Tagessätze sogar in die Höhe treiben", betont Martin Barnreiter. Dennoch erwartet er, dass Kunden vorwiegend kleinere, übersichtlichere Projekte in Auftrag geben und so gewonnene Kosteneinsparungen in das nächste Projekt investieren werden.
Auch in diesem Bereich werden EAI, Web Services und SOA sowie Portale das Wachstum vorantreiben. Darüber hinaus steigt das Kundeninteresse an Open-Source-Technologie und an innovativen Sicherheitslösungen. Immer mehr Kunden verlangen außerdem eine branchenspezifische Ausrichtung ihrer IT-Systeme. Nicht zu vergessen sorgt auch der Dauerbrenner "SAP-Projekte" - besonders SAP BW (Business Intelligence) and SAP NetWeaver - für zahlreiche Projekte bezüglich Auftragsentwicklung und Systemintegration. Dieser Bereich profitiert langfristig auch von einer Verlagerung des Geschäfts weg von Projektarbeit mit freiberuflichen IT-Spezialisten bzw. Leiharbeitern (Bodyshopping).
Dies bekommt der Markt für "Bodyshopping" natürlich zu spüren, der laut Erwartungen PACs dieses Jahr bei knapp 6% stagnieren wird. Insgesamt wird dieser Bereich einen immer geringeren Anteil am gesamten Projektgeschäftsmarkt haben. Immerhin nimmt die Nachfrage nach IT-Fachleuten, getragen von dem Aufwärtstrend in der österreichischen Wirtschaft allgemein und vom sich erholenden Projektgeschäftsmarkt im Besonderen, wieder zu. Wachstumsthemen sind weitgehend identisch mit den oben genannten, sowie auf kurze Sicht auch Infrastruktur- und Technologie-Themen. Oft greifen Unternehmen auch auf IT-Experten zurück, um ihre IT-Systeme zu optimieren und zu konsolidieren. Gerade wenn es darum geht, flexibel auf Veränderungen im Markt zu reagieren, wird Bodyshopping anderen Optionen meist vorgezogen.
"SITSI Austria" analysiert die Positionierung und die Strategie der größten IT-Anbieter sowie die IT-Marktentwicklung in Österreich, nicht nur im Bereich Projektgeschäft, sondern auch bei Software-Produkten und im Outsourcing.
Marion Amann, PR International bei Pierre Audoin Consultants (PAC) GmbH.
Pierre Audoin Consultants (PAC)
PAC ist eine europäische Beratungs- und Marktanalysegesellschaft für die Software und IT Services Industrie (SITSI). PAC berät Technologie-Anbieter sowie -Anwender bei der Planung, Entwicklung und Implementierung erfolgreicher Marktstrategien in Europa und den USA. Dabei zählen Marktstudien sowie daran anknüpfende Beratungsleistungen zum Angebot. Mit Hauptsitz in Paris unterstützt PAC seit 30 Jahren weltweit über 300 Kunden. Deren Betreuung erfolgt über ein spezialisiertes, lokales Netzwerk mit Niederlassungen in München, New York, London und Bukarest. In München ist das Unternehmen seit 1989 vertreten.




1/2012
8/2011
7/2011


Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. 