Mehr Frauen in die Technik - diese Forderung ist schon seit Jahren zu hören. Allein der Frauenanteil bei technischen Studien oder in Unternehmen dümpelt nach wie vor - meist unter der 10 Prozent-Marke. "Wir haben 50 Techniker, davon sind nur drei Frauen", beleuchtet Ingrid Kriegl, Geschäftsführerin von Sphinx IT Consulting, den IT-Alltag. "Es gibt leider kaum Frauen, die sich bewerben", bedauert Kriegl. Für sie war sofort klar, bei TechWomen mitzumachen. "Jede Initiative, die hilft, die Situation zu verbessern, ist willkommen", sagt Kriegl.
Frauen, die sich für eine technische Ausbildung entscheiden, haben es gut, will die Initiative jungen Mädchen den "technischen Weg" ans Herz legen. Und wartet auch mit den entsprechenden Argumenten auf: Bessere Berufschancen, höheres Einkommen, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie höhere Wiedereinstiegschancen. "52 Prozent der Brainpower wird von Frauen eingebracht und diese Ressource soll und muss verstärkt genutzt und integriert werden", betont TechWomen Präsidentin Rauch-Kallat die Motivation zur Gründung des Dachverbandes. Zahlreiche Frauen wie Unternehmerin Ingrid Kriegl haben sich bereits TechWomen angeschlossen, darunter Tina Reisenbichler, Vorstand T-Systems Österreich, Sabine Goellrich, Vorstand T-Mobile Österreich, Katharina Böcskör, Marketingleiterin Festo, Waltraud Schrittwieser, Patentanwältin bei Siemens Österreich, Johanna Klostermann, TU Graz, Büro für Gleichstellung und Frauenförderung und Dorothea Patzl von frauen.bauen.
Weg von traditionellen Berufen
Ziel von TechWomen ist es, junge Technikerinnen für Industrie und Wirtschaft, aber auch für die Forschung zu gewinnen. Denn die aktuelle Situation ist trist. Obwohl 275 Lehrberufe in Österreich zur Wahl stehen, wählen zwei Drittel der Mädchen nur fünf Lehrberufe aus: Friseurin, Verkäuferin, Sekretärin, Kellnerin und Köchin. Bei der Studienwahl dominieren Fächer wie Sprachen, Pädagogik und Psychologie. Der Anteil der weiblichen Studierenden bei technischen Studien (dazu zählt aber z.B. auch Architektur) beträgt knapp über 20 Prozent.
TechWomen hat sich ein umfangreiches Arbeitsprogramm vorgenommen: Eines der ersten Projekte ist "Feel Technic", eine Website für LehrerInnen der Unterstufe. Damit erhalten die Pädagogen ein Instrument, das ihnen hilft, technische Inhalte in mehrstufiger Weise in den Unterricht zu integrieren. Ziel ist es, Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren für technische Berufe zu interessieren bzw. ihnen einfach Wissen zu vermitteln und Vorurteile abzubauen. "Feel Technic" wird es für die Unterrichtsgegenstände Mathematik, Physik, Chemie, Informatik sowie Geographie und Wirtschafskunde geben.
Aufklärung und Information sind angebracht, um endlich mehr Frauen für technische Lehrberufe und Studien zu begeistern. Denn "für das Jahr 2010 ergibt sich laut Studie des Instituts für Bildung der Wirtschaft eine jährliche Lücke von 1000 Graduierten in den 15 meistgesuchten technischen und naturwissenschaftlichen Studienrichtungen", stellt Maria Rauch-Kallat klar. Frauen sollten daher diese enorme Chance nicht verpassen.
Erfolg der kleinen Schritte
Dass Mädchen durchaus auch technik-affin sind, beweist das Projekt "Frauen in die Technik" (FIT) an der TU Graz, das bereits seit zwölf Jahren läuft. "Immerhin ist es uns damit gelungen, den Frauenanteil an den Studierenden während dieser Zeit um elf Prozent zu erhöhen bzw. zu verdoppeln", freut sich Johanna Klostermann, engagierte Leiterin des Gleichstellungsbüros der TU Graz. Der Anteil der Studentinnen an der TU Graz liegt heute bei 22 Prozent, "da liegt noch ein weiter Weg vor uns", gibt Klostermann zu. Auf den wichtigen, langersehnten Nachwuchs wird die Wirtschaft noch ein wenig warten müssen. Auch wenn TechWomen greift, dauert es doch einige Jahre, bis die Absolventinnen auf den Markt kommen. "Wir haben leider seit drei Jahren keine weibliche Bewerbung", bedauert Katharina Böcskör, Marketingleiterin beim Automatisierungs-Unternehmen Festo. Damit soll es aber zumindest in ein paar Jahren vorbei sein, hoffen die Initiatorinnen von TechWomen. Statt Friseurinnen, Verkäuferinnen oder Lehrerinnen soll es künftig dann vermehrt SW-Entwicklerinnen oder Maschinenbauerinnen geben.





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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 