10-7-2007 | Aus MONITOR 7-8/2007 Gedruckt am 20-10-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/9097
Moniskop

Außenhandel im Mittleren Osten

Walzertakt im Wüstensand

Goldgräberstimmung herrscht derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch die "Nuggets" liegen auch dort nicht auf der Straße.

Dunja Koelwel

Bereits seit längerem nutzen viele österreichische Unternehmen wie etwa wie Red Bull, Hörbiger Ventilwerke, GE Jenbacher oder Swarovski die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) - bestehend aus den Emiraten Abu Dhabi, Dubai, Schardscha, Adschman, Umm al-Qaiwain, Ra's al-Chaima und Fudschaira - als Ausgangspunkt für Geschäfte im Mittleren Osten, Afrika und dem indischen Subkontinent. Mit gutem Grund: Die Geschäftsbedingungen gelten als die liberalsten und attraktivsten der Region.

Mit Petrodollars in das 21. Jahrhundert katapultiert, haben die Emirate - allen voran Dubai einen fast einzigartigen Wirtschaftsboom ausgelöst, wobei das Ölgeschäft nach Angaben von Josef Schuch, Partner der Unternehmensberatung Deloitte Austria derzeit nur noch sechs Prozent des Bruttosozialprodukts ausmacht. Thomas Glück, stellvertretender Handelsdelegierter Außenwirtschaft Österreich von der Außenstelle Abu Dhabi: "Österreichische Firmen genießen einen guten Ruf. Denn die ersten Brücken in den Städten Dubai und Abu Dhabi wurden beispielsweise von österreichischen Unternehmen gebaut."

Sherezades Reize

Als Investitionsanreize nennt Thomas Glück unter anderem politische Stabilität, ein sicheres Lebensumfeld, großzügige Investitionsförderung, niedrige Lohnnebenkosten, ein niedriger Importzoll von vier Prozent (für bestimmte Warengruppen gelten Ausnahmen), eine moderne Infrastruktur und die Koppelung des VAE-Dirham an den US-Dollar. Doch am spannendsten sind wohl zwei Punkte: Das Doppelbesteuerungsabkommen mit Österreich und die Freihandelszonen. Davon gibt es allein in Dubai über 20, etwa die Dubai Airport Free Zone und die Dubai Technology, Electronic Commerce & Media Free Zone, in welcher die Dubai Internet City (DIC), die Dubai Media City (DMC) und die Dubai Idea Oasis integriert sind. Firmen, die sich dort ansiedeln wollen, benötigen lediglich eine so genannte Free Zone Establishment Licence. Sie wird erteilt, wenn das Unternehmen seine Geschäfte auf die Freihandelszone und das Ausland beschränkt. Die hier angesiedelten Offshore-Firmen können sich zu 100 Prozent in ausländischen Besitz befinden und sind für einen Zeitraum von 15 Jahren von jeglicher Körperschaftssteuer befreit. Kapital- und Gewinntransfers sind frei.

Willkommen sind dabei in den Emiraten Zuwanderer aus fast allen Branchen - außer Gas und Öl, denn der Bedarf ist nach wie vor in jeglicher Hinsicht groß. Das eröffnet laut Thomas Glück Chancen beispielsweise für Experten aus dem Baubereich, entsprechenden Zulieferern, aber auch medizinischen Fachleute oder Entertainment-Profis.

Obligatorische Beziehungspflege

Dass zwischen Österreich und den Emiraten eine "ausgezeichnete Verständigung" besteht - so ein Statement des Bundespräsidialamtes - liegt an den Bemühungen beider Seiten. Österreich gilt dabei nicht nur in Erinnerung an den ehemaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky als den Emiraten gewogen, auch Thomas Klestil hatte die Region offiziell besucht und auch Bundespräsident Heinz Fischer reiste im vergangenen Jahr in die Emirate.

Ende 2006 fand ein weiterer österreichisch-arabischer Handshake statt: Auf der Austrian Business Leadership Conference 2006 stellten Top-Manager der Vereinigte Arabischen Emirate zusammen mit österreichischen Wirtschaftsvertretern zentrale Ergebnisse einer geplanten Zusammenarbeit vor. Im Fokus stehen vor allem neue Investitionsbereiche wie Hightech, Tourismus, Logistik und Gesundheit. "Die Kooperation mit österreichischen Firmen ist Ziel und die Grundlage einer zukünftigen Expansion der New Economy", meinte Ahmad Khayyat, Chief Executive Officer der Emaar Industries & Investments.

 

So geht's

Wer sich für eine Niederlassung im Süden interessiert, kann zwischen mehreren Formen wählen: der Gründung einer Zweigniederlassung, der Gründung eines Free Zone Establishments (FZE) und der Gründung einer Free Zone Company (FZCO). Im Gegensatz zur Zweigniederlassung sind die FZE und die FZCO juristische Personen mit eigener Rechtspersönlichkeit.

Die FZE und die FZCO sind als Gesellschaften mit beschränkter Haftung zu qualifizieren. Die FZE kann nur als Ein-Mann-GmbH gegründet werden, wohingegen die FZCO durch zwei bis fünf ausländische Gesellschafter gegründet werden kann. Das Mindeststammkapital variiert in den verschiedenen Freihandelszonen. In der Jebel Ali Free Zone sowie der Dubai Airport Free Zone beträgt das Stammkapital beispielsweise für eine FZE Dhs 1.000.000 (€250.000) und für eine FZCO Dhs 500.000 (€125.000).

Kritikpunkte

Doch auch in Arabien ist nicht alles Gold, was glänzt. So muss beispielsweise bei Geschäften mit den Regierungs- und Verwaltungsstellen der Emirate mindestens 51 Prozent der Firmenanteile ein VAE-National, also ein Einheimischer, besitzen. Thomas Glück: "Außerdem liegt hier das Geld nicht auf der Straße." Die Konkurrenz ist groß und aus aller Welt. Martin Strüber von RTC Travel, einem Reiseanbieter, der auf arabische Destinationen spezialisiert ist und eineinhalb Jahre in Dubai bei einem lokalen Reiseanbieter beschäftigt war, kann dem nur zustimmen: "Viele gehen in einer Goldgräberstimmung nach Dubai und scheitern nach wenigen Monaten."

Die Finanzierung drehe beispielsweise vielen einen Strick: "Kredite bekommt man nur schwer und nur gegen persönliche Haftung." Dass der Pass einbehalten wird, ist laut Strüber keine Seltenheit. Ein weiteres Problem sind seiner Auffassung nach die hohen Kosten in den Emiraten. Strüber: "Wenn man für eine europäische Firma arbeitet, übernimmt diese meist Krankenkasse, Mietkosten und so fort. Arbeitet man für eine lokale Firma, kann das schnell die eigenen Kapazitäten enorm strapazieren." Auch Rechtssicherheit nach europäischem Verständnis, etwa im Mietrecht, gibt es kaum. Wohnungen und Gewerberäume werden oft nur für ein Jahr vermietet - danach kann die Miete steigen, wie der Vermieter will. "Das kann das Doppelte sein, das Dreifache, das Zehnfache", so Strüber. Auch können die kulturellen Unterschiede manchen Europäern den Aufenthalt durchaus verleiden. So moniert Strüber beispielsweise, dass das Freizeitverhalten in den Emiraten nur auf Konsum ausgelegt ist. Auch das Tempo, das Dubai ja auch in kurzer Zeit groß gemacht hat, kann zu schaffen machen. 14 bis 16 Stunden-Arbeitstage, sechs Tage in der Woche sind zumindest bei einheimischen Arbeitgebern Standard. Da die Mobilfunknummer auf jeder Visitenkarten zu finden ist, wird der letzte freie Tag meist ebenfalls geschäftlich genutzt. Strübers Fazit: "Es ist ein deutlicher Unterschied, ob man für ein europäisches Unternehmen mit europäischen Standards arbeitet oder für ein regionales. Aber in beiden Fällen eignet sich ein beruflicher Aufenthalt vor allem für Junggesellen ohne familiäre und finanzielle Verpflichtungen."

Hilfe holen

Wer sich für einen Dubai-Auftritt interessiert, sollte sich im Vorfeld gut beraten lassen. Thomas Glück: "Wir empfehlen eine Kontaktaufnahme mit der Außenhandelsstelle, die auch Bahrein, Kuweit, den Oman, Quatar und Pakistan betreut." Es ist halt mit Dubai wie bei jedem beruflichen Unterfangen: Übermut tut selten gut.

(Alle Bilder: Department of Tourism and Commerce Marketing, Government of Dubai.)


Hilfreiche Links
EMS Finanzmanagement

(Wirtschafts- und Unternehmensberatung u.a. für Firmengründungen in Dubai) - www.emskg.de

Global Competenz Forum

(Seminaranbieter für einen reibungslosen interkulturellen Geschäftsablauf) - www.gcforum.at

Netzwerk internationaler Rechtsanwälte und Steuerberater

(Juristische Beratung bei internationalen Firmengründungen) - www.firma-ausland.de

Österreichische Botschaft Abu Dhabi

(Mit der Auslandsniederlassung der WKO in den Vereinigten Emiraten)

www.austrianembassy.ae, http://wko.at/awo/ae, www.austriantrade.org/ae

RTC Travel

Reiseanbieter, spezialisiert auf Firmen- und Privatreisen im arabischen Raum)

www.rosetravel.de

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus