"Für uns verläuft heute der Technologietransfer vom Kunden über die Forschungslabors wieder zum Kunden und dann in die Produkt-Abteilungen", umreißt Martin Sadler, Direktor des "Trusted Systems Labors" den Weg hin zu neuen Produkten. Die seit den 60er-Jahren eingerichteten Labors kümmern sich heute schwerpunktmäßig um "Rechenzentren der nächsten Generation", "Mobilität", "Bildverarbeitung und Druck" sowie um kommende Technologien (Semantic Web, Nanoelektronik oder Quantencomputer).
"Von modernen Rechenzentren wird zunehmend erwartet, dass sie eine "anpassungsfähige Infrastruktur" aufweisen, die sich vom Nutzer unbemerkt auf wechselnde Anforderungen einstellt", verdeutlicht Wolfram Fischer von der HP Technology Solutions Group EMEA die wachsenden Anforderungen und damit die Rahmenbedingungen für diesen Forschungsbereich. Geschäft und IT sollen immer besser zusammenspielen, auf Kundenbedürfnisse und neue Marktanforderungen ist möglichst rasch zu reagieren. "Und bei all diesen Anforderungen sollen die Operationskosten auch noch sinken!"
Dabei stoßen die Kunden naturgemäß auf verschiedene Probleme: Die Hochleistungs-Blade-Rechner verbrauchen viel Strom und benötigen eine sehr effiziente Kühlung. Gleichzeitig müssen die komplexen Strukturen verwaltbar und flexibel bleiben (Management; Virtualisierung), sicher sein (Viren, SPAM etc.) und weitestgehend automatisch laufen. "Damit sind schon einige unserer Arbeitsgebiete umrissen. Und damit das Ganze nicht Theorie bleibt, verfolgen wir auch selbst ein ehrgeiziges IT-Restrukturierungsprogramm", so Fischer. So sollen etwa bis 2008 von mehr als 85 HP-eigenen Rechenzentren in 29 Ländern nur mehr sechs in drei Gebäuden übrig bleiben, 762 Datenbanken in ein Data-Warehouse zusammengefasst und die Zahl der Applikationen von 3.600 auf weniger als die Hälfte (1.500) reduziert werden.
Richtig gekühlt
"Der Energieverbrauch macht etwa 40% der operativen Kosten eines Rechenzentrums aus, wobei davon heute bereits bis zu 70% für die Kühlung benötigt werden", umreißt Jerome Riboulon, Energie- und Kühlexperte von HP. Gleichzeitig steigen weltweit die Energiekosten und etwa 85% der Rechenzentren sind im Hinblick auf die Kühlung bis zum Doppelten überdimensioniert. "Um das Energie- und Kühlungsthema in den Griff zu bekommen, verwenden wir einen umfassenden Ansatz, der vom Chip-Design bis zu Gebäudeplanung reicht. Damit haben wir etwa zwei bis drei Jahre Vorsprung vor anderen Anbietern!" Der im November 2006 angekündigte Schwerpunkt auf die Energie-Optimierung erfordert allerdings individuelle Messungen in jedem einzelnen Rechenzentrum: "Wir sprechen natürlich neben IT- und Gebäudemanagern besonders auch spezialisierte Rechenzentrums-Dienstleister an", so Riboulon.Im Halo-Raum (Erläuterung siehe Kasten) diskutieren wir auch mit Rich Friedrich, Direktor Enterprise Systems & Software Lab und Chandrakant D. Patel, HP Fellow - die beide zu früher Morgenstunde im kalifornischen Palo Alto sitzen - von Angesicht zu Angesicht über die Kühlungsstrategien. "Wir haben bereits 1999 über entsprechende Ansätze geforscht. In letzter Zeit wurde das Problem durch den zunehmenden Einsatz von Blade-Rechnern noch akuter", erläutert Friedrich. Während die Ausgaben für neue Server in den Rechenzentren in den letzten Jahren praktisch stagnieren, haben sich die Administrationskosten vervierfacht, die Energie- und Kühlungsaufwendungen sogar verachtfacht. "Mit unserem Smart Data Center-Ansatz helfen wir Kunden, sowohl die Rechen- wie auch die Energie- und Kühlungskosten je nach Bedarf flexibel abrufen zu können!"
Rechnerkapazität auf Abruf

Martin Sadler, Direktor des „Trusted Systems Labors“ im englischen Bristol: „Für uns verläuft heute der Technologietransfer vom Kunden über die Forschungslabors wieder zum Kunden und dann in die Produkt-Abteilungen.“
Gemeinsam mit SAP Research arbeitet man nun seit zwei Jahren auch an einem "Adaptive SAP"-Modell. "Wir haben ein sechsstufiges Modell erstellt, um SAP-Anforderungen abdecken zu können. Das Modell ist noch nicht im Einsatz, aber der Bedarf wird wachsen", sieht Manley in die Zukunft. Letztlich sollen die Entwicklungen zu einer "Service Utility Platform" führen: Hier werden die jeweils entwickelten Modelle in "Zellen" abgelegt und bei Bedarf aktiviert. Ein automatischer "Zellen-Manager" steuert das ganze System: "Hier sehen wir klare Ähnlichkeiten mit lebenden Zellverbänden, die ich ja auch selbständig organisieren!" Nun arbeite man an der Sicherheit, der Erweiterbarkeit und der Ausfallsicherheit derartiger Systeme: "Die kooperierenden Subsysteme sollen dezentral und selbstüberwachend arbeiten!"
Das HP Halo Studio

Wolfram Fischer von der HP Technology Solutions Group EMEA versucht, die Anforderungen an moderne Rechenzentren unter einen Hut zu bekommen.





1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 