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Morgenröte bei Sun Microsystems

Nach einer ernsten Problemphase ist der kalifornische Server- und Speicherspezialist Sun Microsystems wieder in die richtige Richtung unterwegs. Dieser Eindruck manifestierte sich bei einem Besuch in der Unternehmenszentrale im Silicon Valley, wo sich Sun als aufgeschlossener Open Source- und Dienstleistungskonzern präsentierte, der die gewisse Überheblichkeit der vergangenen Jahre abzuschütteln gewusst hat.

Die Vorgeschichte: Sun Microsystems hat sich von der Internet-Blase nach der Jahrtausendwende nie so richtig erholt und in den Geschäftsjahren danach riesige Verluste geschrieben. Der rückläufige Servermarkt, die harte Konkurrenz und der Preisverfall am Speichersektor und eine gewisse Unflexibilität trugen genauso dazu bei wie hohe Konzernkosten, das Beibehalten an der proprietären Strategie und die Wahl der Hardwarepartner.

2001 fingen die Probleme richtig an. Umsatz- und Gewinnwarnungen wechselten sich an der Wall Street ab, bald stiegen die Verluste in die Milliarden. Bis 2006 kam man nicht und nicht aus der Minuszone. Schließlich übernahm der bisherige COO Jonathan Schwartz die Vorstandsrolle vom bisherigen Chef und Sun-Mitbegründer Scott McNealy und dreht gleich einmal die Schrauben an. Er kündigte einen Jobbabbau von rund 13 Prozent der Belegschaft an, was 4000 bis 5000 Jobs entspricht, und zog dies auch durch. Konstruktiver war allerdings sein Schwenk in der gesamten Konzernpolitik: Schwartz stellt das Kerngeschäft mit seinen immer schwächer werdenden Margen einmal aus dem Licht und begann, die Serviceorganisation auszubauen, die weitaus höhere Erträge verspricht. Und außerdem erkannte man bei Sun endlich, dass auch ein Schwenk in der elitären Haltung notwendig war.

Das Ergebnis gibt Schwartz bis jetzt recht: Vor allem die positiven Zahlen zum zweiten Quartal (per 31. Dezember) im laufenden Geschäftsjahr 2006/07 geben Anlass zur Hoffnung. Gegenüber den roten Zahlen im Vergleichsquartal des Vorjahres mit minus 223 Millionen Dollar stand im zweiten Quartal Q2 ein dickes Plus vor dem Ergebnis von 126 Millionen Dollar. Der Umsatz im Quartal stieg um sieben Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar.

Neue Strategiepläne

Sun-COO Jonathan Schwartz: mit neuer Strategie zum Erfolg.

Schwartz krempelte außerdem die Produktpalette komplett um, arbeitete neue Strategiepläne aus und ging Kooperationen ein. Damit sollte dem Wettbewerbsnachteil gegenüber IBM, Hewlett-Packard und Dell sowie dem Kostendruck durch Billiganbieter aus Fernost begegnet werden.

Nach der Übernahme des Speicherspezialisten Storagetek ist Sun nun auch eine Partnerschaft mit Intel eingegangen, nachdem bisher exklusiv mit dem Prozessorenlieferanten und Intel-Konkurrenten AMD zusammengearbeitet wurde, ein von der Branche als "historisch" gewerteter Deal. Bei AMD werde das ohne große Probleme akzeptiert, meint Schroeder. Sun werde seine künftigen Intel-basierten Systeme für Einzel-, Dual- und Multiprozessor Server und Workstations für Solaris, Windows und Linux ausliefern. Intel und Sun werden überdies bei der Entwicklung von Systemen mit mehr als vier Prozessoren auf Basis von Solaris zusammenarbeiten.

Einen wichtigen Beitrag zur Sun-Genesung leistete auch die Finanzspritze des Investors Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Der Risikofonds erwarb um 700 Millionen Dollar Wandelanleihen auf die Sun-Aktie. Der Sun-Marketingchef für Europa, Mike Schroeder, weist von sich, dass es sich beim KKR-Deal um den Einstieg einer "Heuschrecke" handle: "Die sind an einem langfristigen Engagement interessiert."

Das Vertrauen in Sun dürfte tatsächlich hoch sein, und es ist zum Teil durch gute Prognosen fundiert. So sei gerade das Europa-Geschäft derzeit einer der Treiber für Sun, meint Schroeder. Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres sei die Region "doppelt so stark wie der Markt" gewachsen, die Umsätze in EMEA "zu 126 Prozent über Plan" gewesen. Im Fokus stehe die Expansion im Bereich Behördenkunden in Zentral- und Osteuropa. Dabei wolle Sun vor allem an den "signifikanten" EU-Technikentwicklungsfonds in den jüngeren EU-Mitgliedstaaten partizipieren.

In der neuen Sun-Struktur gehört Österreich zu einem "Staatenverbund" mit Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Österreich selbst war vom jüngsten Jobabbau nicht betroffen. Letzte Geschäftsabschlüsse betrafen u.a. den Magistrat Wien und das Unterrichtsministerium sowie Mobilkom und Sony Österreich. Das Umsatzziel für das laufende Geschäftsjahr gibt Schroeder mit "mehr als 50 Millionen Euro" an.

Zentrale Geschäftsfelder

Der Sun-Konzern setzt in Zukunft aber weiter auf seine wichtigsten zentralen Geschäftsfelder, auf Telekom, Finanzdienstleister, öffentliche Institutionen, Industrie und Kreativbusiness. Gerade die Kommunikationsindustrie ist eines der zentralen Business-Themen. Laut Bill Gough, Business Manager für die Telekom-Industrie bei Sun, zähle dieses Geschäft sogar zu den wichtigsten Märkten für Sun, noch vor der Finanzbranche und den Behörden.

Auf der Kundenliste stehen die größten Telekomkonzerne weltweit genauso wie die großen Netzwerkausstatter wie Nokia, Avaya, Ericsson, Alcatel/Lucent, Cisco, Siemens, Motorola und auch die aufstrebenden chinesischen Ausstatter wie Huawei und ZTE. Aufträge auf der Telekom-Industrie würden bereits 56 Prozent des Sun-Umsatzes von derzeit mehr als 13 Milliarden Dollar ausmachen.

Laut Gough seien die Bedürfnisse der Telekom-Industrie trotz der Konsolidierung in der Branche durchwegs steigend. Die Ansprüche an Serversoftware und Speicherverwaltung würden durch die zunehmenden Datenmengen stark wachsen, etwa durch die Implementierung ständig komplexer werdender Billing-Systeme, durch die explodierende Menge an Multimedia-Daten oder durch das schiere Ausmaß an Kundenzuwachs, wie es derzeit in China passiert. Gough: "Wir reden hier von fünf Millionen Neukunden pro Monat".

Der Bedarf an zusätzlichen Datenraten erzeuge ständigen "Stress" im Netzwerk, so Gough. Einer Sun-Analyse zufolge werden die Datenraten-Anforderungen bis 2010 exorbitant zunehmen, vom derzeitigen Breitband-Standard von ein bis fünf MBit/s (ADSL, Kabel) dürfte dieser auf 100 MBit/s anwachsen. Alle diese Daten brauchen leistungsfähige Server zur Verarbeitung.

Dabei will Sun aber nicht in Konkurrenz zu bestehenden Netzwerksausstattern treten, wie Gough unermüdlich betont. "Wir gehen Partnerschaften mit den OEMs ein, wir wollen nicht in Wettbewerb mit ihnen treten".

Viel sei dabei noch von den chinesischen Anbietern Huawei und ZTE zu erwarten. Diese leben derzeit den Vorteil geringerer Produktionskosten voll aus und expandieren heftig auf den Weltmarkt. Allein Huawei würde bereits rund 50 Prozent des Umsatzes außerhalb Chinas generieren. Den Ruf als Innovatoren hätten beide Unternehmen zwar noch nicht, aber das sei nur eine Frage der Zeit. Mit beiden Unternehmen sei Sun in Geschäftsbeziehung und strebe weitere Partnerschaften an.

Demgegenüber gibt Sun allerdings dem Kampf gegen den "Hauptfeind" Microsoft nicht auf. Zwar sind die Zeiten vorbei, wo auf dem Campus von Sun mit Anti-Bill-Gates-T-Shirts eine gewisse Überheblichkeit zur Schau getragen wurde, aber auf viel höherer Ebene lässt Sun nicht locker. So sind die Kalifornier mit anderen großen IT-Konzernen wie Adobe, IBM, Oracle, Real Networks, Red Hat, und IBM Mitglied der Branchenvereinigung European Committee for Interoperable Systems (ECIS) und als solcher ein Widerpart für Microsoft auf EU-Ebene. Die ECIS kämpft verbissen gegen "illegale Praktiken Microsofts, seine Monopolstellung auszubauen" und unterstützt das laufende Bußgeldverfahren gegen Microsoft. Auch der Start von Windows Vista hat den Gates-Gegnern wieder Auftrieb gegeben.

Letzten Endes hat sich Sun Microsystems zum Verfechter des Open Source- Prinzips gewandelt, wie auch der Sun-Marketingstratege Brian Wilson betont. Sun investiere jetzt in "alles, was einen offenen Standard hat und in nichts mehr, das proprietär ist". Eine Open Source-Community werde dabei unterstützt, ein eigenes Call Center für die freien Programmierer ist im Silicon Valley eingerichtet worden, und überhaupt wird nichts mehr dem Zufall überlassen. Die Gangart seht fest: Mit Open Source, neuen Partnerschaften, einer realistischeren Preispolitik und auf "Change" gedrilltem Personal will Sun die Herausforderungen der Zukunft meistern.

Im Übrigens ist die Führungsfrage bei Sun Österreich bereits seit Jahreswechsel geklärt. Nach dem Abgang des bisherigen Chefs Bernhard Isemann übernahm die frühere Microsoft-Managerin Sabine Fleischmann die Österreich-Agenden. Ihre Ziele hat Sabine Fleischmann in einem "weiteren Ausbau der Strategien rund um die zentralen Bereiche Storage, Software, Systems und Services, sowie einer Intensivierung der Kontakte zu Partnern und Kunden" definiert.

http://at.sun.com/

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Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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