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Thema: Business Software

SAPPHIRE 07 Vienna

Die große SAP-Show

Der Software-Gigant war mit seiner Firmenmesse "Sapphire" heuer in Wien zu Gast. Der MONITOR hat sich bei den SAP-Kunden umgehört. Fazit: Die Zufriedenheit wächst.

Eigentlich ist SAP-Boss Henning Kagermann nicht für seinen Charme berühmt. Aber bei seiner Keynote am Wiener Messegelände war der Physikprofessor auffallend launig und locker, bewies ansatzweise sogar Entertainerqualitäten. Die Lockerheit kommt nicht von ungefähr. Dem größten Softwarehaus Europas geht es mit zweistelligen Wachstumsraten und steigenden Gewinnen gut. Kagermanns Vertrag wurde erst kürzlich bis 2009 verlängert. Die Produkte des Marktführers in Sachen Unternehmenssoftware haben sich vor allem bei größeren Unternehmen zum Quasi-Standard entwickelt.

Bester Beweis dafür: 8.000 Besucher aus Europa und darüber hinaus sind diese Woche zur großen SAP-Leistungsschau nach Wien angereist. Und bei einem Ticketpreis von 1.800 Euro weiß man in der Regel genau, warum man kommt. SAPs jährliche Firmenmesse war heuer - nach über einem Jahrzehnt - zum zweiten Mal in Österreich zu Gast. Mit 660 Partnerausstellern, 182 Themenvorträgen und 142 Produktpräsentationen reichten die Dimensionen der Veranstaltung fast an Wiens jährliche EDV-Messe ITnT heran. Der Unterschied: Alles drehte sich nur um ein Unternehmen.

Millionenauftrag der Stadt Wien

Inhaltlich traten bei den Pressekonferenzen und runden Tischen keine großen Sensationen zu Tage. Die Gastgeberstadt diente gleich als neue Kundenreferenz. Alle Wiener Magistratsabteilungen werden auf Basis von SAPs NetWeaver-Plattform auf elektronische Rechnungslegung umgestellt.

Pflichtschuldig würdigte Kagermann bei dieser Gelegenheit Österreich als eGovernment-Vorreiter - was übrigens laut einer EU-Studie auch der Wahrheit entspricht. Weiters wurde die Akquisition des IP-Contact-Center-Austatters Wicom bekanntgegeben. Und eine enge Kooperation mit SunGuard, Anbieter von Spezialsoftware für Finanzdienstleister, soll SAPs Footprint im Bankensektor vergrößern. Kagermanns Vize Leo Apotheker bestätigte auch den geplanten Termin für die Markteinführung von SAPs neuer On-demand-ERP-Lösung (Codename A1S) mit Anfang 2008.

Zufriedene Kunden

Kritikpunkte an SAP waren seit jeher lange und teure Einführungsphasen sowie mangelnde Benutzerfreundlichkeit. Die letztjährige österreichische ERP-Zufriedenheitsstudie, die vom IT-Consulter i2s in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) und dem MONITOR durchgeführt wurde, hat auch gezeigt, dass kleine, lokale ERP-Anbieter besser auf individuelle Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen. In der Zwischenzeit scheint sich SAP aber etwas verbessert zu haben. Das zeigte jedenfalls das grundsätzlich positive Echo in den Gesprächen, die der MONITOR mit Sapphire-Besuchern führte.

Immer mehr standardisierte Branchenlösungen verringern den Einführungsaufwand und machen SAP auch für den Mittelstand leistbar. Und die technologische Vision - serviceorientierte Software-Architekturen (SOA) auf Basis der NetWeaver-Middleware - scheint sich in Richtung produktive Lösungen zu entwickeln. "Mit Enterprise-SOA sind wir technologisch auf dem richtigen Weg", ist SAP-Österreich-Chef Wolfgang Schuckert überzeugt. Wunschlos glücklich sind die Kunden freilich noch nicht. Hier drei Stichproben aus der improvisierten "SAP-Zufriedenheitsstudie" des MONITOR.

Holz ist genial: Die Vinzenz Harrer GmbH ist mit 30 Mitarbeitern nicht gerade der typische SAP-Kunde. Der Großhändler beliefert 1500 europäische Kunden (Zimmereibetriebe wie Fertigteilhausanbieter) mit Komplettlösungen für den Holzbau. Gemeinsam mit dem SAP-Partner itelligence wurde in vier Monaten die Mittelstands-Branchenlösung SAP All-in-One it.trade produktiv zum Laufen gebracht. Einsatzgebiete: Warenwirtschaft und Finanzwesen. Gesamtkosten: 200.000 Euro. "Es war eine strategische Entscheidung. Wir stehen an der Kippe vom Klein- zum Mittelbetrieb und wollen mit der Lösung unser starkes Wachstum unterstützen. SAP bietet uns Investitionssicherheit und Ausbaufähigkeit", erklärt EDV-Leiter Patrick Festl. "85 Prozent der im System vorkonfigurierten Kernprozesse konnten wir eins zu eins übernehmen. Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Nur unser erfolgreiches Rabatt- und Provisionssystem haben wir beibehalten. Unsere Prozesse sind jetzt auch viel transparenter. Wir sehen genau, wo was schief läuft, und können früher Lösungen einleiten." Festl glaubt, dass eine ERP-Lösung prinzipiell für Firmen jeder Größe ein Gewinn ist. Der Knackpunkt sei die Einführung. "Man muss hochqualifizierte Mitarbeiter abstellen - schwierig für KMU." Festls Wunsch an SAP: Eine stärkere Anpassung an die österreichischen KMU-Bedürfnisse.

Gesunde Lieferantenbeziehungen: Siemens Medical Services ist langjähriger und mit 40.000 Mitarbeitern in acht Ländern ein klassischer SAP-Kunde. Die Medizin-Sparte von Siemens wurde vor kurzem mit "cFolders", einer Plattform für den Informationsaustausch mit den zahlreichen Vertragsfertigern, ausgestattet. "Die Daten werden jetzt automatisch in einer zentralen Datenbank zusammengeführt. Die Lieferanten greifen online über einen Internetbrowser zu. Sie haben keine Kosten für die Systemanbindung", beschreibt Abteilungsleiter Thomas Meissner die Vorzüge der Lösung. Sein genereller Wunsch an SAP: Mehr Benutzerfreundlichkeit.

Voller Durchblick: Auch der Versicherungskonzern Generali Holding AG ist seit langem mit Basis-ERP-Systemen von SAP ausgestattet. Kürzlich wurde eine Reporting-Lösung auf Basis des "SAP Business Warehouse" implementiert. Die Datenbank wird laufend mit Informationen aus operativen SAP-Systemen gespeist. "Manager und Spezialisten können zeitnah und flexibel individuelle Berichte erstellen", erklärt Bettina Niedermayer vom Generali-Controlling. Generell habe sich die Benutzerfreundlichkeit aller Anwendungen durch die Einführung des SAP-Portalsystem deutlich verbessert. Ihr Wunsch an SAP: Eine Software, die mehr als zwei Jahre gleich bleibt. Denn: "Mit jedem neuen Release müssen wir wieder viel Geld und Arbeit investieren."

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ERP - Enterprise Resource Planning

(ERP, „Planung [des Einsatzes/der Verwendung] der Unternehmensressourcen“) bezeichnet die unternehmerische Aufgabe, die in einem Unternehmen vorhandenen Ressourcen (Kapital, Betriebsmittel oder Personal) möglichst effizient für den betrieblichen Ablauf einzusetzen.

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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