Seit über 50 Jahren konstruiert und fertigt die Entwicklungs- und Verwertungs-GmbH, kurz EVG, Maschinen zur Produktion von geschweißtem Gitter und zur Verarbeitung von Betonstahl. Das steirische Unternehmen mit Sitz in Raaba liefert komplette Anlagen bis zum schlüsselfertigen Werk samt erforderlichem Know-how für Produktion, Vertrieb und Anwendung einschließlich eines umfassenden Kundentrainings.
Der Maschinenbauer betreibt neben dem Hauptsitz Verkaufbüros in New York, Moskau und Zürich und verfügt weltweit über Vertretungen. Die 560 Mitarbeiter erzielten in 2006 einen Umsatz von 85 Mio. Euro. Mit ihren ebenfalls in Raaba ansässigen Partnerunternehmen, der H+S Zauntechnik GmbH und der Alpenländischen Veredelungs-Industrien GmbH (AVI), nutzt die EVG eine gemeinsame Infrastruktur für die Verwaltung sowie die Informations- und Kommunikationstechnik.
Kompetenz zählt
Im Jahre 2001 beschloss die Unternehmensleitung eine neue IT-Strategie, die einen Austausch der gesamten Soft- und Hardware erforderlich machte. Ein Projektteam unter Harald Pucher, Leiter Qualitätsmanagement und IT, bestehend aus Entscheidungsträgern aller Bereiche, verschaffte sich daraufhin einen Überblick über die ERP-Systemhäuser. Mit Hilfe eines externen Beraters formulierte das Team einen detaillierten Anforderungskatalog: "Vor allem die Mehrwerkefähigkeit des neuen Systems war ein wichtiger Bestandteil unserer Strategie", berichtet Pucher. Von rund 50 Anbietern blieben zehn in der engeren Wahl und erhielten das Pflichtenheft. Davon durften dann wiederum drei Häuser ihre Produkte in einem mehrtägigen Workshop präsentieren.
Die Wahl fiel rasch auf die Berliner PSIpenta Software Systems GmbH, eine Tochter der PSI AG, die sich als passender Partner präsentierte. "Im Workshop hat PSI eine überzeugende Darstellung nicht nur des Produkts, sondern auch der eigenen Kompetenz gegeben", so Pucher. Nach dem Projektbeginn im Juni 2002 war die Implementierung bei AVI und H + S pünktlich zum Jahresbeginn 2003 durchgeführt und alle Funktionen online. Der Roll-out der Muttergesellschaft EVG begann im Juli 2003 und war bis zum Jahresende 2004 ebenfalls abgeschlossen. Damit waren die ersten drei Phasen - Planung, Implementierung bei den Partnern und dann bei EVG - beendet.
Planung und Fertigung verbessert
In der Folgezeit führte man noch eine Reihe zusätzlicher Module ein. So steht jetzt PSIpenta.com mit den Modulen Multisite, Lagerverwaltung, große Versandlösung, Kostenrechnung, Instandhaltung und Betriebsmittelverwaltung zur Verfügung. Daneben gibt es von PSI den Leitstand und die Betriebsdatenerfassung inklusive Stundenbogen sowie das Servicemanagement von Innosoft und EDM/PDM von Contact.
War es früher nicht möglich, die Produkt- oder Baugruppenstruktur darzustellen, ist die Produktverwaltung jetzt mit vielstufigen Stücklisten möglich. Bei der modularen Bauweise der Maschinen lassen sich nun einzelne Baugruppen leicht austauschen, wodurch Varianten viel rascher in den Fertigungsprozess eingebunden werden können. "Wir mussten im vergangenen Jahr einen um 30 Prozent höheren Durchsatz in der Auftragsabwicklung bewältigen. Das hat uns - neben Leihpersonal - vor allem die Unterstützung des ERP-Systems ermöglicht", beschreibt Pucher einen konkreten Vorteil.
Zudem lassen sich die Baugruppen vormontieren oder zu Kleinserien zusammenfassen, auch wenn sie verschiedenen Aufträgen zugeordnet sind. Das bringt in der Auftragsplanung und Materialbeschaffung Vorteile, etwa durch die Bestellung größerer Stückzahlen und spart auf diese Weise Geld und Zeit. Im Gegensatz zum Altsystem gibt es jetzt auch eine durchgängige Kostenrechnung, so dass man heute sehr genaue Angaben über die Kostenstruktur einer geplanten Anlage machen kann.
Gemeinsame Interessen umgesetzt
Insgesamt arbeiten heute bei EVG rund 350 Mitarbeiter mit PSIpenta.com, die nach Implementierung und Konsolidierung die Anwendung der neuen Funktionalitäten weiter optimieren. In dieser Phase sollen alle Anwender an die neuen Möglichkeiten des Systems herangeführt werden. Parallel läuft bereits der nächste Abschnitt des Projekts, der die technischen Abteilungen mit in das ERP-System einbindet sowie Zeichnungsverwaltung, Dokumentenmanagement und -archivierung. Dazu gehört auch die Einführung von PSIprofessional, einem Modul für das Projektmanagement einschließlich detaillierter Personalplanung.
Wegen der bisherigen positiven Erfahrungen mit dem Berliner ERP-System nimmt Pucher regelmäßig an den Tagungen der deutschen Interessengemeinschaft der PSIpenta-Anwender (IPA) teil. "Wir haben ein starkes Interesse an der IPA und wollen unsere Erfahrungen einbringen, zumal wir gemerkt haben, dass der Input seitens PSI durchaus ernst genommen und nach Möglichkeit umgesetzt wird", meint Pucher. Darum strebt er auch für Österreich die Gründung einer IPA-Gruppe an. "Allein aus dem Erfahrungsaustausch mit den Kollegen ziehen wir einen Nutzen", weiß der IT-Leiter.
Ein offizieller Return on Investment soll erst nach Abschluss des gesamten Projekts ermittelt werden, aber schon jetzt ist klar, dass die Entscheidung für das Berliner Systemhaus richtig war. "Die Ausrichtung der ERP-Software auf die Fertigung, die Branchenkompetenz des Systemhauses und die schon jetzt messbaren Erfolge bestätigen uns", bekräftigt Pucher und hebt noch einmal die gemeinsame Teamleistung hervor, die nicht zuletzt dieBasis für den Erfolg des Projekts bildet.




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Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. 