Die in Chur angesiedelte TEM AG beschäftigt rund 120 Mitarbeiter, die Produkte und Systemlösungen für den HKL-Markt (Heizungs-, Klima- und Lüftungssysteme) entwickeln und produzieren, die speziell auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten werden. Das Unternehmen ist einer der wenigen Hersteller, die durchgängige Systemlösungen unter Berücksichtigung kundenspezifischer Wünsche aus einer Hand anbieten können. Zusätzlich ist es aber auch als Lohnfertiger für anspruchsvolle Elektronik tätig, und bietet umfassende Dienstleistungen von der Entwicklung, Produktion, Logistik bis zum After-Sales-Service an.
Trotzdem bewegt sich die TEM AG in einem schwierigen Umfeld. Denn der Produktionsbetrieb ist wachsender Konkurrenz durch in Billiglohnländern fabrizierter Ware ausgesetzt. Diesem Druck kann aber durchaus standgehalten werden, wenn dieser spezielle Standortnachteil der höheren Kosten gezielt durch die Vorteile wie gut ausgebildetes Fachpersonal, sichere und schlanke Prozesse, hohe Qualität, Innovation, Flexibilität, die Nähe zum Kunden und unterstützende EDV-Systeme wettgemacht wird. Daher wurde es auch als wichtige Herausforderung gesehen, ein neues EDV-System anzuschaffen, als das "alte" in die Jahre gekommen war. "Die Grundfunktionen hat es immer noch erfüllt, jedoch war es hinsichtlich Bedienerfreundlichkeit, Flexibilität und Auswertungsmöglichkeiten mit modernen Lösungen nicht mehr vergleichbar", erklärte Dr. Marcel V. Baumberger, Geschäftsführer der TEM AG. Anfang 2006 entschloss man sich, die Auswahl eines neuen Systems zu starten, mit dem nicht unehrgeizigen Ziel, am 01. Januar 2007 den produktiven Betrieb aufzunehmen.
Externe Beratung & Evaluation
Angesichts des doch knappen Zeitplans und der komplexen Aufgabe versicherte sich das Unternehmen der Mithilfe eines externen Beraters (Syrocom Betriebsorganisation) und verstärkte das hauseigene EDV-Team mit einem Mitarbeiter dieser Firma. Danach ging es zuerst an die Erstellung eines Grobpflichtenheftes. Sodann wurden 20 potentielle Lieferanten zur Abgabe einer Richtofferte angesprochen. Aus den abgegebenen Offerten wurde anschließend anhand des Kriterienkatalogs eine Rangliste erstellt und daraus die fünf Topangebote erkoren.
Um diese fünf möglichen Lösungen detaillierter kennen zu lernen, wurden die Unternehmen zu einem eintägigen Workshop eingeladen und den leitenden Mitarbeitern aus den involvierten Abteilungen die Möglichkeit gegeben, diese Präsentationen nach eigenen Kriterien zu bewerten.
Harte und weiche Fakten
Die endgültige Entscheidung fiel zugunsten der von der Firma Heyde (Schweiz) AG (Tochterunternehmen der Data Systems Austria) angebotenen Lösung JET Orbit. "Für uns war es wichtig, ein System zu wählen, dass schon in der Standardausführung mehrheitlich unseren Anforderungen entsprach. Dazu gehörte auch die Durchgängigkeit mit Einbindung der Finanzbuchhaltung", erklärt Baumberger den Entscheidungsprozess. Die Kosten wurden auf Basis Vollkosten ermittelt und verglichen, das heißt, Softwarekosten, Hardwarekosten Softwareanpassungskosten und Wartungskosten wurden einberechnet.
"Letztlich hat die Summe der harten Fakten wie der Preis und der weichen Kriterien - Wie wird das System die Erwartungen und Anforderungen erfüllen? - den Ausschlag gegeben", kommentiert Baumberger die endgültige Entscheidungsfindung und zollt auch dem Heyde-Projektteam Lob, das "glaubhaft seine Kompetenz darlegte". Die Umstellung erfolgte dann auch in kürzester Zeit. Nach dem Zuschlag Ende August, verlief die Einführung der Bereiche Vertriebs- und Einkaufsabwicklung, Logistik und Materialwirtschaft inklusive Bestandsführung und drt06006ie optimierte Beschaffung durch die Reichweitensteuerung reibungslos, sodass per 1.1.2007 JET Orbit wie geplant in Echtbetrieb gehen konnte.
Erwartungshaltung
Seine starke Marktposition verdankt die TEM AG zu einem Gutteil, dass sie die Organisation bewusst schlank hält und so in der Lage ist, Projekte mit seinen Kunden effizient und schnell zum Abschluss bringen kann. "Dass dabei höhere Qualität gefordert wird als von Billiganbietern versteht sich von selbst", meint Baumberger. Entsprechend sind die Erwartungen, denen das neue System gerecht werden soll: "Wir müssen in der Lage sein, eine große Typenvielfalt kostengünstig mit sehr kleinen bis großen Losgrößen zu fertigen. Dadurch ergibt sich die logistische Herausforderung, eine Vielzahl von Einkaufsteilen effizient zu bewirtschaften. Und wir müssen in der Lage sein, präzise Offerte ohne großen personellen Aufwand zu erstellen."
Konkret werden mit JET Orbit transparentere und einfachere Prozesse entlang der ganzen Logistikkette möglich sein, so dass mit weniger Aufwand und auf besseren Daten abgestützt Entscheide, Bestellungen, Planungen abgewickelt werden können. Ein Beispiel dafür ist die Implementation der Reichweitensteuerung, mit der die Logistik in den letzten Jahren transparenter und effizienter gestaltet wurde. Dabei wird durch eine statistische Reichweitenrechnung ein bedarfsorientierter Sicherheitsbestand bestimmt, der sich aus dem Durchschnitt des Tagesbedarfs, der innerhalb eines gewissen Zeitraums liegt, errechnet. Der neue Vorteil ist, dass einerseits das Lager kleiner gehalten werden kann, ohne dass die Lieferfähigkeit beeinträchtigt wird, und andererseits die Mitarbeiter entlastet werden, weil sie die Höhe der wöchentlichen Bestandslieferungen einfacher bestimmen können.
Ganz wichtig ist Baumberger in diesem Zusammenhang aber, dass "wir nicht primär mit weniger Personal auskommen wollen, sondern mit den vorhandenen Fachkräften eine quantitative und qualitative Verbesserung anstreben, die schlussendlich auch zu besseren Finanzergebnissen führt".
Bereits bei der Zuschlagserteilung war ausschlaggebend, dass JET Orbit schon in der Grundausführung viele der gewünschten Anforderungen abgedeckt hat. So sind Erweiterungen kosteneffizient möglich, ist die Benutzerführung einfach erlernbar und ergeben Auswertungen aller Art ein besseres Reporting und Monitoring.
Zukünftige Entwicklungen
Von der TEM AG wurde das Projekt ERP-Ersatz in drei Phasen aufgeteilt. Die Phase 1 - Einführung JET Orbit und Inbetriebnahme ab 1.1.07 mit mindestens gleichem Funktionsumfang wie das bestehende System - ist abgeschlossen. Für die Phase 2 wurden als Projekte die Aufschaltung von Zusatzfunktionalität, die Integration des Betriebsdatenerfassungssystems (für automatische Nachkalkulation) und der Einbezug des Hochregallagers (Datenintegrität, Vereinfachung der Administration) definiert. Diese Phase wird im Sommer 2007 beginnen. Danach steht als letztes Projekt die Phase mit dem Einbezug der Qualitätssicherung, CRM-Einführung und dem Meldungs- und Reklamationsmanagement, dem im Hause TEM ein hoher Stellenwert eingeräumt wird und das mit JET Orbit medienbruchfrei abbildbar ist.




1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Eric Scherer ist Geschäftsführer des anbieterunabhängigen Beratungs- und Marktforschungsunternehmens i2s. Er gilt als einer der führenden ERP-Experten und ist Initiator der ERP-Zufriedenheitsstudie. 