Newsfeed abonnieren
Monitor-Direkt

Ein Streifzug durch Österreich und die Europäische Union

Förderungen ohne Grenzen (?)

Corinna Fehr & Christian Henner-Fehr

"18 Millionen Arbeitslose innerhalb der Europäischen Union sind zuviel." Eine Aussage, die von allen Politikern, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, immer wieder zu hören ist. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist das zentrale Thema unserer Zeit und beschäftigt nicht nur Politiker und Experten, sondern die ganze Gesellschaft. Das Wissen um die Bedeutung der Wirtschaft und ihrer Unternehmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit hat dazu geführt, daß man sich Gedanken darüber macht, wie die Unternehmen zu unterstützen sind, damit sie genau die Arbeitsplätze schaffen können, die uns heute fehlen.

Österreich, das im OECD-Vergleich eine eher niedrige Zahl an Selbständigen vorzuweisen hat, versucht schon seit einiger Zeit, die Neugründung von Unternehmen zu unterstützen. Daneben ist es natürlich genauso wichtig, schon bestehenden Firmen die größtmögliche Hilfe anzubieten, wenn es darum geht, sich den Veränderungen des Marktes anzupassen und den dafür notwendigen Strukturwandel zu bewerkstelligen. Ein wichtiges Mittel der Unterstützung stellen dabei die Förderungen dar. Doch durch die zunehmende Zahl an Fördertöpfen wird es für das einzelne Unternehmen immer schwieriger, sich im "Förderdschungel" zurechtzufinden.

Vor allem die Branchen, die mit den Neuen Medien zu tun haben, scheinen die besondere Aufmerksamkeit der Wirtschaftspolitiker erregt zu haben. Sie werden als innovativ und technologieorientiert angesehen und sind in hohem Maße im Forschungs- und Entwicklungsbereich aktiv. Da hier zu einem Großteil Klein- und Mittelunternehmen (KMU) aktiv sind, denen man das größte Wachstumspotential zuspricht, finden sich nicht nur auf Bundes- und Länderebene, sondern auch auf EU-Ebene verschiedene Förderprogramme, die diese Unternehmen unterstützen. Mit diesem Artikel beginnen wir eine Reihe, die etwas Licht in das Förderdickicht bringen möchte und die wichtigsten Fördertöpfe vorstellen wird.

Während es in der Regel nicht möglich ist, für ein Projekt mehrere Förderungen auf einer Ebene in Anspruch zu nehmen, ist es durchaus möglich, Förderungen auf den drei Ebenen Land, Bund und Europäische Union in Anspruch zu nehmen. So kann ein Unternehmen für die Entwicklung einer speziellen Software durchaus Förderungen auf Landesebene beantragen, sich um Bundesmittel bemühen und gleichzeitig bei einem EU-Förderprogramm um Unterstützung ansuchen.

Der Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF)

Die Firma ETM AG, 1985 als Ein-Mann-Unternehmen von Dipl.-Ing. Andreas Mühlgassner gegründet und heute ein erfolgreiches Softwarehaus mit Standorten in Deutschland und Österreich kann auf eine langjährige Zusammenarbeit mit dem FFF, der die Forschungsförderungsmittel des Bundes "verteilt", zurückblicken. Die Firma ETM entwickelte mit "PVSS" ein System zur Prozeßvisualisierung und -steuerung, das sich mittlerweile als Industriestandard etabliert hat. Die Weiterentwicklung "PVSS II" wurde dabei auch vom FFF unterstützt. Dipl.-Ing. Klaus Gieber, Vorstand der ETM lobt vor allem die unbürokratische Zusammenarbeit mit dem Forschungsförderungsfonds. "Der FFF ist für solche Projekte der ideale Ansprechpartner, die Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv und die Förderentscheidung erfolgt sehr schnell." Ziel des FFF ist es, Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im technologischen Bereich zu fördern. Um eine Förderung ansuchen können nicht nur Unternehmen und Organisationen der gewerblichen Wirtschaft, sondern auch Institute, Einzelforscher und Arbeitsgemeinschaften.

Der FFF bietet ein Package aus Zuschüssen, zinsgünstigen Darlehen und Haftungsübernahmen, wobei bis zu 50% der förderbaren Kosten unterstützt werden können. Gieber betont, daß diese Art der Vorfinanzierung in der Regel sehr wichtig für das Gelingen eines Projektes ist, "denn gerade die Entwicklungsphase ist sehr kostenintensiv und das Produkt wirft zu diesem Zeitpunkt noch keine Erträge ab". Hauptkriterium für eine Förderung durch den FFF ist neben der Innovationskraft eines Projektes vor allem die Aussicht auf wirtschaftlichen Erfolg. Gieber sieht deshalb im FFF ein ideales Instrument, um Jungunternehmer zu unterstützen, die mit einem innovativen Produkt auf den Markt kommen wollen, aber noch nicht über die notwendigen Mittel dafür verfügen.

Landesförderungen in Niederösterreich und Burgenland

Die Bundesländer Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, Steiermark und Tirol bieten in Ergänzung zu FFF-Mitteln eine Kofinanzierung an. Zusätzlich zum Förderbeitrag des FFF gewährt die Innovationsförderung Niederösterreich für den nicht geförderten Teil der Kosten einen Zinsenzuschuß, der in Einzelfällen auch als 10%iger Zuschuß erfolgen kann, wobei die Auszahlung parallel zum FFF erfolgt.

Neben dieser Regelung für KMU ermöglicht die Innovationsförderung des Landes Niederösterreich ganz generell die Weiterentwicklung von Projekten, die mit FFF-Unterstützung begonnen wurden. Ein Softwareunternehmen kann so für die Entwicklungskosten seiner Software eine FFF-Förderung erhalten und für die Entwicklung des Prototypen bis hin zur Serienreife eine Förderung des Landes Niederösterreich in Anspruch nehmen. Diese besteht in der Regel aus Zinsenzuschüssen für Darlehen bis zu einer Summe von 10 Millionen öS.

Interessant ist daneben noch die Landesinvestitionsförderung, die Unternehmensgründern bzw. KMU mit Darlehen und Zinsenzuschüssen beim Aufbau bzw. der Verbesserung der Wirtschaftsstruktur unterstützt und vor allem für den Erwerb von Betriebsanlagen gedacht ist.

Ähnlich wie in Niederösterreich werden im Burgenland Unternehmen bei der Neuanschaffung von Betriebsanlagen unterstützt, hier allerdings in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen. Das Burgenland bietet im Technologiebereich eine Vielzahl an Förderungen, wobei hier nur die zwei wichtigsten aufgeführt werden sollen. Die "Förderung von innovativen und technologieorientierten Unternehmen" gewährt Unternehmen einen Personalkostenzuschuß von maximal 360.000.- öS innerhalb eines Jahres. Die Projekte werden nicht nur daran gemessen, ob sie "etwas neues zu bieten haben" und technologieorientiert sind, sondern sie müssen auch dauerhafte und hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Interessant auch die "Burgenländische Gründungshilfe", die Qualifizierungsmaßnahmen, Beratung und Coaching von Jungunternehmern unterstützt, wenn ein fundiertes Unternehmenskonzept vorliegt und die Gewerbeanmeldung oder der Gewerbeschein vorgelegt werden können.

Das 5. EU-Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung

Neben den Förderungen von Bund und Ländern sind natürlich auch die EU-Förderprogramme eine wichtige Anlaufstation, wenn es für Unternehmen darum geht, eigene Projektvorhaben zu finanzieren. Ende des letzten Jahres einigten sich die für den Forschungsbereich zuständigen Minister der 15 EU-Mitgliedsstaaten auf das 5. Rahmenprogramm für Forschung und Entwicklung, das bis zum Jahr 2002 mit insgesamt fast 206 Mio. öS ausgestattet ist. Der Forschungs- und Entwicklungsbereich hat auch nach Ansicht der Europäischen Union ein großes Wachstumspotential und verdient daher eine dementsprechende Aufmerksamkeit. Im Vergleich zum vorhergehenden 4. Rahmenprogramm wurde das 5. Rahmenprogramm inhaltlich stark gestrafft und weist nun nur noch 4 thematische und 3 horizontale Programme auf.

Wesentliche Voraussetzung für eine Unterstützung ist die Zusammenarbeit von Partnern aus mindestens zwei Ländern. Teilnahmeberechtigt sind dabei Unternehmen und Einzelpersonen aus den 15 EU-Mitgliedsstaaten, den Beitrittsländern aus Mittel- und Osteuropa, den EFTA-Staaten sowie aus Israel und Zypern. Die Europäische Gemeinschaft unterstützt die Projekte auf Kostenteilungsbasis, wobei ihr Anteil in der Regel zwischen 35 und 50% beträgt, in Sonderfällen wie zum Beispiel bei Ausbildungsstipendien aber auf 100% steigen kann.

Welche Möglichkeiten das 5. Rahmenprogramm für den EDV-Bereich bietet, zeigen wir beispielhaft in der nächsten Ausgabe mit der Darstellung des 2. thematischen Programms ("Benutzerfreundliche Informationsgesellschaft"). Ferner wollen wir auch das Büro für internationale Forschungs- und Technologiekooperation (BIT) vorstellen, das die österreichische Anlaufstelle für all diejenigen ist, die sich über das 5. Rahmenprogramm informieren wollen oder mit einem Projektvorhaben eine Förderung anstreben. Fortgesetzt wird natürlich auch der "Streifzug" durch Bund und Länder.o

Mag. Corinna Fehr arbeitet im Bundesministerium für Finanzen, Wien;

Mag. Christian Henner-Fehr arbeitet als Kultur- und Projektmanager in Wien

weitersagen: drucken
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Alexandra Riegler

Alexandra Riegler arbeitet als freie Journalistin in den USA. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Themen Technologie und Forschung. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum