Die Qualität von MBA-Anbietern (MBA= Master of Business Administration) reicht heute von reinen "Titelschmieden" bis hin zu Elite-Ausbildungsstätten für das gehobene Management. Grund dafür sind oft fehlende, unterschiedliche oder lückenhafte Standards von Seiten der Gesetzgeber. Die starke internationale Akzeptanz des Master of Business Administration und der Bologna-Prozess führen nun auch in deutschsprachigen Landen zu mehr Nachfrage und Angebot bei MBA-Ausbildungen.
Mit der Gründung einer unabhängigen Plattform zum Thema, welche von deutschen und österreichischen MBA-Absolventen betrieben wird, sollen hier Entscheidungshilfen geboten werden: Checklisten, Hintergrundinformationen, Programmdatenbank mit harten Daten und geprüften Angeboten sowie einen kostenlosen Beratungsservice für MBA-Interessenten.
"Anbieter die unseriös arbeiten oder keine Transparenz zu Ihrem Studienangebot anbieten können, schließen wir im Sinne der Nutzer von www.mba.de als Teilnehmer grundsätzlich aus", erläutert Klaus Falger, MBA-Absolvent und Mitbetreiber der Plattform zum Thema.
Wie finde ich die richtige MBA-Qualität?
11 Faustformeltipps zur Qualitätsbeurteilung von MBA- und Masterprogrammen, um eine erste Einschätzung vornehmen zu können:
- Anbieter-Standort / Titelvergabe
Wer vergibt den Studienabschluss tatsächlich? Oft trifft man lokale Marketingbüros von international agierenden "Schools" an. Manchmal handelt es sich auch um Kooperationen, wo sich die inländische Organisation (nur) für das Teilnehmermarketing verantwortlich zeichnet. Sollte der MBA- oder Mastertitel außerhalb der EU verliehen werden, sollte man Vorsicht walten lassen. Das führen des Titels ist dann nur mit Genehmigung der jeweiligen Kultusministeriums möglich, welche nach ihren eigenen Kriterien eine Gleichstellung vollziehen. Wenn es sich bei dem ausländischen Master nicht um ein Studium im Sinne der Behörde handelt, wird die Titelführung zumeist verweigert.
- Akkreditierung
Wurde das jeweilige Studienprogramm durch eine anerkannte (!) Akkreditierungsagentur geprüft? Ist die Akkreditierung bereits abgeschlossen bzw. noch gültig? Im Zweifelsfall lohnt ein Blick auf die Website der jeweiligen Akkreditierungsagentur. Die gängigsten Akkreditierungen für MBA-Anbieter bzw. Programme: EQUIS, EPAS, AACSB und FIBAA
- Wie lange befindet sich der Anbieter bereits am Markt?
Neue Anbieter müssen nicht schlecht sein. Aber es wird in den ersten Jahren zumeist noch optimiert. Gibt es Absolventen die man befragen kann? Wie ist es um den Ruf bestellt?
- Wer sind die Gesellschafter hinter einer Business-School?
Gesellschafter der öffentlichen Hand: Universitäten, Bund, Länder oder Gemeinden stehen meist für die Einhaltung aller bildungsrelevanten Themen bei einem solchen Anbieter. Sie bieten große Sicherheit, aber häufig pragmatische Vorgehensweisen.
Private-Public-Partnership: Ein Modell, das sich in der Praxis oft gut bewährt. Öffentliche Hand und Unternehmen bilden gemeinsam die Gesellschafterstruktur. Sicherheit und Dynamik werden so gut als möglich vereint. Aber hier sollte man nicht außer Acht lassen, wer ist in welchem Ausmaß beteiligt ist (= Welche Kräfte bilden die Mehrheit?)
Private Gesellschafter: Private Gesellschafter können für stark dynamische, am Markt ausgerichtete Bildungsorganisationen stehen. Die Adaptierung der Inhalte auf die Kundenbedürfnisse ist dabei oft möglich. Hier ist aber auch die Gefahr von "Titelschmieden" am größten. Organisationen mit einer solchen Gesellschafterstruktur gilt es jedenfalls am genauesten zu durchleuchten.
- ECTS-Punkte
ECTS steht für European Credit Transfer System und bildet die Arbeitsbelastung eines Ausbildungsangebots ab. ECTS-Punkte sagen wenig über die Qualität des jeweiligen Angebots aus. Die Workload wird aus Faktoren wie der Anwesenheitsstunden, E-Learning-Modulen, Selbstlernphasen und Aufwand für die Abschlussarbeit berechnet und gibt Aufschluss über die Zeitintensität eines Programms. Obwohl es eigentlich der Zweck der ECTS-Workload-Punkte wäre, eine eindeutige Vergleichbarkeit europaweit herzustellen, ist dem nicht immer so. So werden die ECTS-Punkte in Deutschland und Österreich oft unterschiedlich berechnet.
- Wie ist es um die Reputation bzw. den Ruf bestellt?
Hier gilt zumeist: Je bekannter desto besser. Das ist in der Praxis aber schwierig zu eruieren. Anhaltspunkt: Hochschulrankings, die aber zumeist nur für die Welt-Top-20-Schools eine Aussage treffen.
- Gibt es Referenzen von außen? Wie sicher ist die Fortführung?
Je mehr Absolventen, desto wahrscheinlicher ist die Fortführung auch nach Ihrem Jahrgang. Die Einstellung eines Studienprogramms kann sich nämlich für die bisherigen Absolventen negativ am Arbeitsmarkt auswirken.
- Preisgestaltung
Vorsicht bei "abnormer" Preisgestaltung! Berufsbegleitende MBA-Programme, die unter 10.000 und über 40.000 Euro veranschlagen, gilt es besonders in den Fokus zu nehmen.
- Alumni / Netzwerk
Fast ebenso wichtig wie das Studium selbst ist die Alumniorganisation. Diese sollte dafür sorgen, dass Sie auch noch Jahre nach dem Studium davon profitieren können. Gezielte Nachfragen beim Anbieter können hier oft Licht ins Dunkel bringen: Wie viele Absolventen umfasst diese Alumniorganisation? Wie wird der Netzwerkgedanke gelebt? Oft geben auch Alumniwebsites Auskunft über Größe und Aktivitäten.
- Teilnehmerstruktur beleuchten
Die Mitstudierenden sind bei einem MBA-Programm ein wichtiger Faktor. Nicht nur dass viel in Teams gearbeitet wird - Ihre Mitstudierenden bilden gemeinsam mit Ihnen das Netzwerk und formen die Außenmeinung über den jeweiligen Anbieter. Ein hoher Prozentsatz internationaler Studenten wäre dabei wünschenswert. Ein Indiz für die "anderen" Teilnehmer können auch die Aufnahmebedingungen (Studienabschluss, Berufserfahrung, Führungserfahrung) etc. sein.
- Expertenrat einholen
Wenn sich nicht sicher sind, was von einem Programm zu halten ist, kann sich an den kostenlosen E-Mail-Beratungsservice von www.mba.at wenden.




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 