Hatten Sie schon einmal Angebote für extrem günstiges Viagra oder eine Penisverlängerung zum Schnäppchenpreis in Ihrer VoIP-Sprachbox? Wenn nicht, dann ist das laut Experten nur mehr eine Frage der Zeit. Wir alle kennen E-Mail-Spam, der inzwischen ein Ausmaß erreicht hat, das die Nutzung von E-Mail als Kommunikationsmedium erschwert, ja sogar bedroht. Die Auswirkungen von VoIP-Spam könnten noch weitaus größer sein. Hunderte von Voicemail-Nachrichten mit den aktuellsten Aktientipps oder Angeboten für spottbillige Medikamente abzuhören, ist wesentlich zeitraubender, als Spam aus dem E-Mail-Posteingang zu löschen.
"SPIT" (Spam over Internet Telephony) ist so störend, dass schon bald die Unzufriedenheit der Endverbraucher mit dem gesamten VoIP-System die Folge sein könnte. Das Versenden ist ebenso einfach und kostengünstig wie das Versenden von E-Mail-Spam. Dazu Michael Kohl, General Manager der Cetus-IT Secure GmbH: "Gegenwärtig sind VoIP-Spam-Attacken noch kein großes Problem, aber es kommt bereits vor. Und wenn die Zielgruppe der öffentlich anwählbaren VoIP-Anschlüsse einmal groß genug ist, dann zahlt es sich für die Spammer wirtschaftlich aus." Laut einer Studie der Yankee-Group wird der weltweite VoIP-Markt für Geschäftskunden bis 2010 bereits ein Volumen von 3,3 Milliarden US-Dollar erreicht haben.
Im IP-Netz lauern viele Gefahren

„Gegenwärtig sind VoIP-Spam-Attacken noch kein großes Problem, aber es kommt bereits vor. Und wenn die Zielgruppe der öffentlich anwählbaren VoIP-Anschlüsse einmal groß genug ist, dann zahlt es sich für die Spammer wirtschaftlich aus.“ - Michael Kohl, General Manager Cetus-IT Secure GmbH
Es gibt aber auch eine Reihe von VoIP-anwendungsspezifischen Bedrohungen (siehe Kasten). Sie beruhen meist auf der missbräuchlichen Verwendung von VoIP-Protokollen. VoIP-Applikationen verwenden heute einen Standard-Mix aus diversen proprietären Protokollen. Dazu gehört das auf dem ISDN-Protokoll beruhende H.323-Protokoll, das zum Beispiel bei Microsofts "NetMeeting", XMeeting (MacOS) und manchen kommerziellen VoIP-Produkten verwendet wird. Jeweils eigene Standards verwenden Ciscos "Call Manager" ("Skinny" Call Control Protocol - SCCP), die OpenSource-Telefonanlage Asterisk (IAX-Protokoll) oder Skype. Zum Internet-Standard entwickelt sich das "Session Initiation Protocoll" (SIP), das in seinen Einsatzmöglichkeiten weit über VoIP hinausreicht. Es unterstützt generell Internet-basierende Echtzeit-Kommunikation, zum Beispiel Video Conferencing und Instant Messaging. Und das Beste daran: Auch bestehende Produkte, Services und Anwendungen können damit nachgerüstet werden - ein Quantensprung in Sachen Multifunktionalität und Interoperabilität.




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Dr. Manfred Wöhrl ist Geschäftsführer der R.I.C.S. EDV-GmbH (Research Institute for Computer Science, www.rics.at), spezialisiert auf Securitychecks und Security-Consulting. 