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Kommunikation

MONITOR-Diskussion:

10 Jahre Liberalisierung: Alternative kritisieren RTR hart

Goldgräber-Stimmung herrschte 1997 und in den darauf folgenden Jahren bis zur Jahrtausendwende. Die Liberalisierung brachte den Markt gehörig in Schwung. Plötzlich sah sich die Telekom Austria (TA) von einer Vielzahl von Anbietern umringt. Die Mobilfunkanbieter sorgten für eine weitere, gewaltige Veränderung. Doch heute - zehn Jahre danach - will nicht so rechte Feierstimmung aufkommen. MONITOR-Autorin Christine Wahlmüller befragte eine Expertenrunde zu Historie, Status Quo und Zukunft der Liberalisierung.

MONITOR-Diskussion: Zehn Jahre Telekom-Liberalisierung

Viele Anbieter sind in diesen zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden. Der letzte große Deal - die TA kaufte eTel Ende 2006 - sorgte für Bestürzung und Empörung im alternativen Lager. Laut einer Studie der ECTA (European Competitive Telecommunications Association) ist Österreich bei der Umsetzung der Telekom-Liberalisierung in Europa von Platz vier auf den elften Rang zurückgefallen. Es droht Re-Monopolisierung zu Lasten der Konsumenten, heißt es weiter. Der Verband der Alternativen Telekombetreiber (VAT) sieht akuten Handlungsbedarf für die Regierung. Sonst würde es in Zukunft schlecht aussehen. Die derzeitige Markt-Situation ist für alternative Betreiber alles andere als rosig.

„Wo sind die politischen Ziele, die im Telekom-Bereich in Österreich wichtig sind? Wir vermissen politische Vorgaben.“ - DI Dr. Bernhard Mayr, Telekom Austria

Zehn Jahre nach dem Startschuss der Liberalisierung ist von der Aufbruchsstimmung kaum etwas übergeblieben. Die einzigen nennenswerten österreichweit tätigen Herausforderer der Telekom Austria sind Tele2UTA, UPC/Inode und Colt (nur Geschäftskunden). Von Tele2UTA ist allerdings bereits gerüchteweise zu hören, dass der schwedische Eigentümer bereit ist, die Österreich-Tochter zu verkaufen. Was bleibt also übrig von der Liberalisierung? Was konnte die Öffnung des Marktes in den letzten zehn Jahren eigentlich verändern? Und wie haben Branchen-Insider diese Jahre erlebt? - MONITOR lud zum Branchentalk Ende März, als Gastgeber fungierte Tele2UTA im Ares-Tower in Wien-Donaustadt.

Erste Freude: Billiger Telefonieren

„Ab 2003 war Stillstand in der Liberalisierung.“ - Alfred Pufitsch, CEO Colt und VAT-Vorstand.

Zweifellos, die Liberalisierung hat vor allem in den ersten Jahren viel bewirkt. Sie hat den Wettbewerb erst einmal so richtig in Schwung gebracht, wobei sowohl in punkto Technologie, Produkte, aber vor allem Preise eine richtige Lawine ins Rollen kam. Insgesamt war es aber ein "mühsamer Prozess", wie Georg Chytil, ehemaliger Technik-Chef des Internet Providers Eunet, heute Geschäftsführer des Telekom-Dienstleisters Nextlayer, bemerkt. "So richtig in Schwung gekommen ist die Sache erst, als die Konsumenten merkten, dass sie billiger telefonieren können", erinnert sich Andreas Koman, bei Tele2UTA für regulatorische Angelegenheiten verantwortlich. "In den ersten zwei Jahren haben wir über 70 Konzessionen ausgegeben, es war eine heiße und intensive Zeit", weiß Bernhard Mayr, ehemals Regulierungsbehörde, heute im Team für regulatorische Belange der TA. Vorsorglich merkt Mayr auch gleich an, "zu dem eTel-Deal werde ich mich nicht äußern, denn das ist ein laufendes Verfahren."

Aus Sicht der Konsumenten war die Liberalisierung "eine echte Verbesserung, wie lange musste man z.B. früher auf einen Festnetzanschluss der TA warten, das war ja ein echter Hoheitsakt", sieht Stefan Köhler von der Regulierungsbehörde RTR positive Effekte. Allerdings seien die Erwartungen der Konsumenten sicher haushoch gewesen, so Köhler. Heuer werden neue europäische regulatorische Richtlinien vorgestellt, "es wird daher sicher noch eine Weile dauern, wo es den Regulator als Marktaufsichtsbehörde gibt", macht er sich um seinen Job im Moment wohl keine Sorgen. Besorgter ist da schon Kurt Einziger, Generalsekretär der ISPA (Internet Service Provider Austria), dem immer mehr Mitglieder abhanden kommen. Vor allem in der Entwicklung des Breitband-Marktes habe die RTR versagt, kritisiert Einzinger: "Die TA hat hier nie ihren Vorteil abgegeben." Um gleich sehr emotional zu werden: "Der Regulator hat sich in manchen Sache wesentlich weniger engagiert als notwendig wäre, um Wettbewerb zu erzielen, so wie im Telekom-Gesetz vorgesehen."

 

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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