27-4-2007 | Aus MONITOR 2007 Special Kommunikation Gedruckt am 24-04-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/8963
Kommunikation

Studie

Deutschlands digitale Zukunft

Im September 2003 erschien mit "Deutschland Online 1" eine Studie, die auf der Basis einer repräsentativen Befragung untersuchte, welche Bedeutung das Internet für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands hat. Mit "Deutschland Online 4" wird nun bereits zum vierten Mal der Blick in die Zukunft geworfen.

Christian Henner-Fehr

Entwicklung der Bandbreiten bis zum Jahr 2015 (BreitbandÖkonomie-Experten)

Wie wird das digitale Deutschland im Jahr 2015 aussehen? Dieser Frage versuchen die Autoren Hubert Burda, Walter Raizner und Bernd W. Wirtz in ihrer Studie "Deutschland Online 4" auf den Grund zu gehen, in der sie sich mit den neuesten Entwicklungen und Perspektiven des Breitband-Internets in Deutschland beschäftigen.

Eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur ist in ihren Augen eine wesentliche Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die von ihnen im Rahmen der Studie befragten Experten waren zu fast 75 Prozent der Meinung, dass die Unternehmen durch breitband-basierte Anwendungen Produktivitätssteigerungen erzielen werden. Voraussetzung dafür ist aber die prognostizierte Zunahme der Breitband-Anschlüsse von 10,7 Mio. im Jahr 2005 auf 27,4 Mio. im Jahr 2015, also fast 70 Prozent der deutschen Haushalte.

Die meisten werden dabei die ADSL-Technologie nutzen, aber jeder vierte Internetzugang wird 2015 bereits VDSL verwenden. Alle anderen Zugangstechnologien wie etwa das TV-Kabel werden keine entscheidende Rolle spielen, meinen die befragten Experten.

Breitband-Internet beschleunigt den Konvergenzprozess

Die "Beschleunigung" des Internet eröffnet der Wirtschaft ganz neue Nutzungsmöglichkeiten. Die Autoren der Studie sehen hier einen Gesamtmarkt entstehen, der die Grenzen zwischen der Telekommunikationsindustrie, der Internetbranche und der Unterhaltungselektronik- und Medienindustrie aufhebt. Der daraus resultierende Prozess der Branchenkonvergenz unterwirft die Unternehmen, heißt es in der Studie, einem ständig wachsenden Wettbewerbsdruck. Integrierte Medienformate wie Handy-TV oder VoIP bedeuten nach Ansicht der Studienautoren vor allem für die Telekommunikationsunternehmen eine gewaltige Herausforderung.

Welche Angebote sind für die Nutzer von Breitband-Internet besonders interessant? Triple Play-Angeboten werden hier die größten Erfolgschancen prognostiziert, besagt die Studie. Die Anzahl der Triple Play-Nutzer wird sich von 150.000 im Jahr 2005 auf rund 7,5 Mio. bis ins Jahr 2015 erhöhen. Die größte Nachfrage besteht dabei nach VoIP, Video on Demand und HDTV, so die Meinung der Befragten.

Der Erfolg der Internettelefonie wird aber vor allem davon abhängen, ob es gelingt, integrierte Endgeräte anzubieten, mit denen der problemlose Wechsel zwischen den verschiedenen Netzen (Festnetz, VoIP, etc.) möglich ist.

Auf der anderen Seite wird aus Fernseher, Videorekorder, DVD-Player, Stereoanlage und PC das Media-Center, die digitale Schaltzentrale. Nach Meinung der Experten wird es 2015 in Deutschland etwas mehr als 7 Mio. Internet-TV-Nutzer geben. Für die Fernsehanstalten bedeutet das eine enorme Herausforderung, ergab die Befragung doch, dass die Konsumenten als Anbieter die Telekommunikationsunternehmen präferieren werden. Interessant ist auch, welche Inhalte in Zukunft dominieren werden. An erster Stelle stehen lokale Informationen, gefolgt von den Bereichen Bildung, Sport, Politik und Musik.

Der Erfolg des Internet-TV hängt aber nicht nur von den Inhalten ab. Sehr wichtig ist, so zeigt die Studie vor allem ein attraktives Preis-/Leistungsverhältnis, gefolgt von perfekter Ton- und Bildqualität sowie einer möglichst großen Programmvielfalt. Zwar sind mit knapp 20 Prozent immer mehr Menschen bereit, für solche Angebote extra zu zahlen. Die Mehrheit wünscht sich aber werbefinanziertes Internet-TV ohne zusätzliche Kosten.

Interaktion prägt das Internet der Zukunft

Einig sind sich die Experten aber auch, dass das Internet in den nächsten Jahren immer schneller zum Social Web mutiert, von dem vermehrt wirtschaftliche und soziale Veränderungen ausgehen. C2C-Anwendungen, Online-Communities, File-Exchange und Filesharing, aber auch Blogs und Wikis tragen zum Erfolg des Social Web bei. Finanziert wird das alles durch Werbung, Nutzergebühren räumen die Experten keine Chance ein.

Die Entwicklung des Breitband-Internet steckt noch in den Kinderschuhen. Verglichen mit den USA oder Asien nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Im Innovations-Ranking für Breitband-Internet sind vier asiatische Länder unter den Top 5 zu finden, heißt es in der Studie. Welchen Bereich man sich auch anschaut, in Front liegen immer Asien oder die USA. Europa hinkt zwar überall hinterher, Potenzial ist aber vorhanden, resümieren die Autoren. In Deutschland und Europa sind also verstärkte Anstrengungen notwendig, denn, so die Schlussfolgerung der Studie, ohne Breitband-Internet wird es nicht genügend Innovationen und Investitionen geben, damit Europa konkurrenzfähig bleibt.

www.studie-deutschland-online.de

  • Artikel bookmarken
  • del.icio.us
  • Mister Wong
  • Yahoo MyWeb

Userkommentare

DISQUS ist ein Service von disqus.com und unabhängig von monitor.at - siehe die Hinweise zum Datenschutz der DISQUS-Kommentarfunktion

comments powered by Disqus