Seit 26. Oktober 2006 wird der terrestrische Fernsehempfang in Österreich auf den neuen digitalen TV-Standard DVB-T umgestellt. Der ORF erklärt dies mit der Notwendigkeit zur technischen Weiterentwicklung, der besseren Qualität und den neuen interaktiven Möglichkeiten der Fernsehnutzung. Nichts dagegen zu sagen. Aus dem "Digitalisierungsfonds" der Regulierungsbehörde RTR fließen dafür vorerst einmal vier Millionen Euro. 100.000 Kunden sollen mit je 40 Euro animiert werden, sich einen der neuen Digital-Decoder zu kaufen, ohne den der TV-Empfang per Antenne in Zukunft nicht mehr möglich ist.
Ganz so angekommen ist das bei der Kundschaft allerdings noch nicht: Mit Stand von Ende März 2007 wurde erst die Hälfte dieser Förderung, also 50.000 Gutscheine, in Anspruch genommen. Vielleicht hapert's an der Kommunikation, und so manches Mutterl wird irgendwann vor einem schwarzen Bildschirm sitzen und sich wundern, warum der Hansi Hinterseer plötzlich verschwunden ist.
Die Digitalisierungsförderung geht aber noch weiter: Auch die Kabel-TV-Haushalte, von denen es bisher hieß, es ändere sich nichts, werden nun auch per Förderung zur Umstellung auf eine digitale Set-Top-Box animiert. Zwar braucht man diese nicht unbedingt für den herkömmlichen Fernsehgenuss, wohl aber, um das digitale Kabelfernsehen zu empfangen. Denn das analoge soll bis 2010 ebenfalls abgeschaltet werden. Die Kosten des Umstellungsprogramms: Fünf Millionen Euro. Eine so genannten DVB-C-Box wird mit 60 Euro gefördert.
Der gelernt grantige Österreicher wird sich fragen, ob wir das überhaupt brauchen. Naja, so ganz soll man sich dem technischen Fortschritt nicht verschließen. Und der sich ewig selbst totjammernde Elektrohandel kommt endlich auch auf seine Kosten.
Aber: Wer speist eigentlich den Digitalisierungsfonds? Er besteht hauptsächlich aus GIS-Gebühren. TV-Konsumenten fördern sich also sozusagen selbst. Ganz schön schlau, die Digitalisierer.



1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 