Derzeit sind, seit dem Jahr 2003, folgende Normen gültig: Aus internationaler Sicht ist die ISO/IEC 11801: Ed. 2.0 die aktuelle Norm, für Amerika hat die TIA/EIA 568 Gültigkeit und für Europa ist die EN 50173-1:2003 ausschlaggebend.
Die internationale ISO/IEC und die europäische EN sind nahezu gleich und unterscheiden, im Gegensatz zur amerikanischen Norm TIA/EIA, zwischen Kategorie und Klasse. Die Kategorie beschreibt, nach welchen Methoden und Werten Einzelkomponenten zu prüfen sind. Das heißt, dass Einzelkomponenten immer nur nach einer Kategorie getestet und bestimmt werden können. Schaltet man nun Produkte einer bestimmten Kategorie zusammen, so entsteht ein System, das nach einer Klasse definiert ist. Dabei bestimmt die Komponente mit der geringsten Kategorie die Wertigkeit der Klasse. Ein weiterer Unterschied zur amerikanischen Norm sind die Kategorie 7 und Klasse F, die nur in der ISO/IEC und EN zu finden sind.Für die Installation von anwendungsneutralen, strukturierten Verkabelungen gelten folgende Standards: In der Praxis sind für die Montage von strukturierten Verkabelungssystemen die EN 50174 mit den Teilen 1 bis 3 sowie die EN 50346 die wichtigsten Normen. Sie beschreiben, worauf bei Installation und Prüfung einer strukturierten Verkabelung zu achten ist.
Steckverbinder als Schwachpunkt

Roland Nowak ist Schrack - Systemspezialist für Netzwerktechnik, www.schrack.at
Das schwächste Glied einer Verkabelung ist der Übergang zwischen dem RJ45 Stecker und der RJ45 Buchse. Da sich in der Praxis sehr schnell herausgestellt hat, dass vermeintlich vergleichbare Komponenten nicht immer in einem System normgerechte Werte liefern, führten die Normungsgremien 2003 einen zusätzlichen Komponententest (EN 50173-1:2003) ein. Dieser Test ist als De-embedded-Test bekannt. Er soll gewährleisten, dass die gängigsten RJ45 Stecker namhafter Hersteller mit einer zertifizierten RJ45 Buchse elektrisch wie mechanisch kompatibel sind. Dennoch hat sich heraus gestellt, dass abgestimmte Komponenten eines Herstellers in einem System höhere Reserven als Mix-and-match-Lösungen gewährleisten.
Zukünftige Normen
EN 50173: Anwendungsneutrale Kommunikationsanlagen
Derzeit wird die EN 50173 für Anwendungsneutrale Kommunikationsanlagen überarbeitet und in 5 neue Teile erweitert:
- Teil 1: Allgemeine Rahmenbedingungen
- Teil 2: Bürogebäude
- Teil 3: Industriell genutzte Gebäude
- Teil 4: Wohngebäude
- Teil 5: Rechenzentren
Die Teile 1, 3 und 5 befinden sich bereits im Schlussentwurf (Final Draft). Dieser sollte bis Mai/Juni 2007 in eine ratifizierte Norm übergeführt werden. Die Teile 2 und 4 werden erst im Q1/2 2007 wieder bearbeitet. Mit einer Ratifizierung dieser Teile ist nicht vor 2008/2009 zu rechnen.
Komponenten werden zukünftig auch nach neuen Rahmenbedingungen, den so genannten M.I.C.E Klassen, eingeteilt. Es wird 3 Klassen geben, wobei man die Gebiete, in denen die Klassen eingeteilt werden, wie folgt interpretieren kann:
- Klasse 1 für Büro-Umgebungen
- Klasse 2 für Leichtindustrie
- Klasse 3 für Schwerindustrie
Kategorie 6A / Klasse EA
Die Kategorie 6A / Klasse EA wurde für 10 Gigabit-Anwendungen geschaffen. Derzeit (Stand Q1/2007) ist es nur möglich, ein gesamtes System nach Channel Klasse EA bis 500 MHz zu testen (zertifizieren zu lassen), da die Messwerte/-methoden für die Einzelprüfung der Komponenten nach Kategorie 6A noch nicht feststehen. Systeme, die diesen Channel-Test bestehen, müssen (gleich wie bei der Klasse E) auch den verschärften 4-Connector-Channel Test erfolgreich absolvieren.
Mit der Verabschiedung des IEEE 802.3an:2006 Standards im Juli 2006, der für 10 Gigabit Ethernet Anwendungen über Kupfer entwickelt wurde, ist wieder ein großer Schritt nach vorne gelungen. Analog zur Verabschiedung des 1 Gigabit Ethernet Standards vor 6 Jahren, stellt auch dieser Schritt gewisse Anforderungen an den physikalischen Layer bzw. an das Verkabelungssystem. Erstmalig zeigt sich hierbei, dass diese Unterschiede auch andere Gewerke im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung betreffen. Dadurch wird fachübergreifendes Planen und Denken für unterschiedliche, technische Anlagen in Gebäuden notwendig. Aus elektrischer Sicht ist es das Stichwort EMV, das mehr und mehr Beachtung findet und stärker als bisher berücksichtigt werden muss.
Hierbei stehen in erster Linie die technischen Wechselwirkungen von Systemen im Vordergrund. An und in den entscheidenden Stellen ist deshalb fundiertes Fachwissen notwendig. Das außer Acht lassen der Wechselwirkungen, respektive eine nicht ausreichende Betrachtung kann dazu führen, dass einzelne Anlagen nicht oder nur bedingt funktionieren oder erhebliche Funktionsstörungen hervorrufen können - obwohl jeder Anlagenteil für sich, isoliert betrachtet, normengerecht ist.




1/2012
8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 