Wer im internationalen Umfeld mit seinen IT-Produkten als Unternehmen erfolgreich sein will, der benötigt ein gutes Produkt. Die Weiterentwicklung von bestehenden Produkten und die Entwicklung von neuen Lösungen erfordern oft innovative Ideen. Innovative Ideen entstehen meist dort, wo Lösungen für konkrete Probleme gesucht werden und die finanziellen Rahmenbedingungen eine gewisse Unabhängigkeit der Innovatoren von zeitlichen und finanziellen Restriktionen bieten.
Von der Größe des Unternehmens ist es dann auch oft abhängig, ob eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen (F&E) eingerichtet werden, oder ob innovative Ideen und Produkte durch externe Partner entwickelt werden. In manchen Fällen ist auch eine Kombination aus beiden Varianten erwünscht.
Nicht zu vergessen sind im Bereich von Innovationen aber jene Start-Up Unternehmen, die in kleinen Teams mit viel Enthusiasmus eine Idee verfolgen und fernab von Verwaltungsstrukturen operieren. Häufig sind diese Teams von neuartigen Ideen einer Community getrieben und es wird zunächst weniger an Businesspläne gedacht. Amazon, Google und YouTube sind einige bekannte Vertreter solcher Start-Up Unternehmen, die dann auch das notwendige Geld bei den Kunden gefunden haben.
Innovation in Kanada
Wenn man mit Vertretern kanadischer Unternehmen und Universitäten spricht, dann fällt auf, dass häufig das Wort "Innovation" verwendet wird. Innovative Ideen an Universitäten und ähnlichen Einrichtungen werden wie in Österreich von diversen universitären Organisationen und staatlichen Förderungsprogrammen unterstützt, sodass neue Firmen ("Spin-Offs") rasch gegründet werden können.Die Region um Waterloo, Kitchener und Cambridge mit mehr als 500.000 Einwohnern ist Canada's Technology Triangle. Diese Region ist in Kanada für eine überaus große Anzahl solcher "Spin-Offs" bekannt. Vor kurzem hat PriceWaterhouseCoopers die Universität Waterloo hinsichtlich der Anzahl solcher Firmen-Ausgründungen untersucht. Für einen Zeitraum von 25 Jahren wurde eine überdurchschnittliche große Anzahl derartiger Unternehmens-Neugründungen identifiziert. Research in Motion, die das Business-Mobiltelefon Blackberry in Waterloo entwickeln und produzieren, ist eine der erfolgreichsten davon.
Auch österreichische Universitäten und Fachhochschulen setzen nun verstärkt auf Academia Business Spin-off Programme (AplusB). Dadurch soll das Potential an Unternehmensgründungen im akademischen Bereich verbessert und der Technologietransfer durch unternehmerische Verwertung von Forschungsergebnissen gezielt unterstützt werden. Hoffentlich können wir in Österreich demnächst über den einen oder anderen erfolgreichen "Spin-Off" berichten, der zu einem global Anbieter aufgestiegen ist.
Private Forschungsförderung
Research in Motion ist aber auch noch für eine weitere wichtige strategische Investition bekannt. Der Gründer Mike Lazaridis hat rund 50 Million kanadische Dollar für den Aufbau des "Quantum Computing Institute" zur Verfügung gestellt. Dieser Betrag wurde von der kanadischen Regierung verdoppelt, sodass dem Institut nun rund 100 Millionen für die Beschäftigung von Top-Wissenschaftern und die Anschaffung notwendiger Gerätschaften zur Verfügung stehen. Es gab zwar keine Verpflichtung von staatlicher Seite das Geld zu verdoppeln, aber die kanadische Regierung wollte hier den privaten Investoren in keiner Weise nachstehen. Selbstverständlich ist so eine Situation der Traum jedes Fördergebers, wenn er nicht nur die zuvor gestreute Saat als neues Unternehmen aufgehen sieht, sondern später ein Vielfaches des eingesetzten Geldes wieder zurückerhält.
Aus österreichischer Sicht erfreulich ist, dass der Physiker Dr. Gregor Weihs als Professor an das "Quantum Computing Institute" berufen wurde. Er kommt vom Institut für Experimentalphysik der Uni Wien unter der Leitung von Prof. Dr. Anton Zeilinger. Zwar werden Quanten-Computer nicht so schnell den Weg in die Büros finden und damit den PC ersetzen, aber diese strategische Investition wird sich sicherlich bezahlt machen. Denn wenn Erfindungen und Entwicklungen entsprechend patentrechtlich abgesichert werden, kann später daraus sicherlich ausreichend Geld durch Vergabe von Nutzungsrechten zurück gewonnen werden.
Innovation in Österreich
In Österreich ist die Forschungsförderung bestens durch die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) organisiert. In den letzten 10 Jahren hat es in Österreich eine Menge von Initiativen gegeben, die von der Errichtung von Kompetenzzentren, über Christian-Doppler Labors bis hin zu diversen themenspezifischen Förderprogrammen reichten. Ein Teil der Forschungsförderprogramme war speziell für anwendungsorientierte Forschungsprojekte vorgesehen, wodurch die Kooperation Wissenschaft-Wirtschaft gefördert werden sollte. Diese Forschungsförderprogramme sind für Unternehmen sehr interessant, da die Förderquote üblicherweise rund 50% beträgt.
In den letzten Jahren haben neben den Universitäten auch einige Fachhochschulen verstärkt mit Unternehmen in anwendungsorientierten Forschungsprojekten kooperiert und die entsprechenden Förderungen von der FFG erhalten. Die aktivsten Fachhochschulen sind u. a. FH Joanneum, FH Oberösterreich und FH Vorarlberg. Betrachtet man die Menge der Fördergelder, dann haben sich einige Fachhochschulen bereits erfolgreich im anwendungsorientierten Forschungsbereich neben den Universitäten etabliert.
Für die österreichischen Unternehmen ist diese Situation ideal, denn anwendungsorientierte Forschungsergebnisse fließen üblicherweise innerhalb von 2-5 Jahren direkt in Produkte ein. Diese Form der Forschungsförderung wird in beiden Ländern massiv genutzt. In Kanada hat diese Hinwendung zu IT-Unternehmen in den letzten 15 Jahren zu einem massivem Wachstumsprozess der IT-Wirtschaft geführt. Kanada beherbergt nun weltweit agierende Unternehmen wie Autodesk, Cognos, OpenText und Research in Motion.
Kooperation Wirtschaft-Wissenschaft
Wenn man Firmen wie Research in Motion oder Autodesk besucht, dann fällt auf den ersten Blick eine junge Entwicklungsmannschaft auf, die direkt von den umliegenden Universitäten rekrutiert wird. Die Firmen platzieren ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen unmittelbar neben den universitären Gebäuden. Dort arbeiten langjährige Mitarbeiten und Praktikanten, Diplomanden und Dissertanten der umliegenden Universitäten an den spannendsten Aufgaben und entwickeln beeindruckende Lösungen an der Grenze des Machbaren. Für alle innovativen und stark wachsenden Firmen ist ein kontinuierlicher Strom von gut ausgebildeten neuen Mitarbeitern ein wichtiger Teil der Wachstumsstrategie.
Speziell bei der Kooperation im anwendungsorientierten F&E-Bereich ist in Österreich die Situation nicht ganz so optimal, wie dies in Kanada der Fall ist. Es gibt zwar eine Menge von Kompetenzzentren, Universitäten und Fachhochschulen, die sich inhaltlich mit Forschung im Bereich von IT beschäftigen, aber leider relativ wenige IT-Firmen, die in Österreich umfangreiche IT-Entwicklungsstandorte haben. Daher ist den bereits bestehenden IT-Firmen und den noch zu gründenden ein kräftiges Wachstum zu wünschen, damit das vorliegende Innovationspotential voll ausgeschöpft werden kann. Auch bleibt zu hoffen, dass zukünftig noch mehr Fördergelder für anwendungsorientierte Forschungsprojekte zur Verfügung stehen und das Österreich ein ähnlicher Glückfall wie Research in Motion passiert.
Der Autor
Dipl.-Ing. Dr. Werner Kurschl ist Fachhochschul-Professor für Software Engineering an der Fachhochschule Oberösterreich in Hagenberg bei Linz. Er besuchte im Herbst 2006 auf Initiative von Mag. Nicole Mothes (Handelsdelegierte der kanadischen Botschaft in Wien) bereits zum zweiten Mal im Rahmen einer IT-Mission wichtige kanadische IT-Unternehmen und IT-Forschungseirichtungen. www.fh-hagenberg.at





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Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 