Die neue Medienwelt soll uns in Zukunft völlig neuartige "Ökosysteme" der digitalen Fernsehunterhaltung bringen. Die Grundlage dafür ist das so genante IPTV, ein auf dem Internet-Protokoll basierendes digitales Fernsehen über Breitbandleitungen.
IPTV-Befürworter reagieren leicht verschnupft, wenn man zu ihrer Erfindung einfach Internet-TV sagt. Ein Internet-TV können irgendwelche Fernsehsender, die über das offene Internet zur Verfügung stehen, sein, oder, noch simpler, zum Beispiel Filmsammlungen auf YouTube oder sonstige Realtime-Flash-Spielereien. Davon will sich IPTV aber bewusst absetzen, denn es wird mehr geboten: Geschlossene Benutzergruppen, garantiert stabile breitbandige Verdindungen, Interaktion in einer Community, speziell auf Zielgruppen zugeschnittener Content usw.
Doch aller Anfang ist schwer: In Österreich bietet die Telekom Austria IPTV unter dem Namen aonDigitalTV als erster an, jedoch hält sich die Kundenzahl bis jetzt noch in Grenzen. International haben Anbieter wie Pacific Century Cyberworks (PCCW) in Hongkong, France Telecom, Telefonica oder Verizon immerhin bereits jeweils mehrere Hunderttausend IPTV-Kunden an Land gezogen.
Doch wozu das Ganze? Reicht nicht das gute alte Kabelfernsehen, das nun sowieso durch die Umstellung auf Digital-TV zumindest in Grundzügen interaktiv zu werden verspricht? Naja: Letztlich bestimmt die Art der Aufbereitung der Inhalte die Kundengunst. IPTV versucht in Zukunft so etwas zu werden wie "Fernsehen 2.0", also eine umfassende Plattform für Nutzer-zu-Nutzer-Interaktion.
Im Klartext heißt das: IPTV-Communities können ihr eigenes Programm gestalten und im gemeinsamen Netzwerk auf Sendung gehen, interagieren, diskutieren, abstimmen und was auf immer. Das ist es, was die IPTV-Auguren als neue "Ökosysteme" der Fernseh-Unterhaltung bezeichnen. Der Unterschied zum Internet ist u.a. eine klar zu bedienende Fernseh-Plattform, die keine speziellen Web-Kenntnisse erfordert und somit auch für nicht so internet-affine Personen geeignet ist. Und das soll einschlagen: IPTV-Prognostiker rechnen mittelfristig einer Millionenschar an Kunden auf der ganzen Welt.



1/2012
8/2011
7/2011


Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 