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Wirtschaft

Förderungen

KMU: Die schwierige Suche nach Fördergeldern

Kleine und mittlere Unternehmen, kurz KMU, prägen sowohl die österreichische als auch die europäische Wirtschaft. Ihre Förderung ist eine der zentralen Aufgaben nationaler und europäischer Wirtschaftspolitik. Mit der europaweiten Initiative "European Union Grants Advisor" leisten auch die drei großen Firmen Microsoft, Intel und Hewlett Packard ihren Beitrag zur Unterstützung von KMU.

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Mehr als 99 Prozent der österreichischen Unternehmen haben bis zu 250 Mitarbeiter und gelten damit nach EU-Definition als KMU. Auf europäischer Ebene sehen die Zahlen ähnlich aus. Das wirtschaftliche Leben Europas wird also zu einem Großteil von diesen Firmen geprägt. Obwohl die europäische Union jedes Jahr viele Milliarden in die Wirtschaft ihrer Mitgliedstaaten steckt, erreicht sie die KMU damit kaum. Nur etwa ein Prozent von ihnen schafft es, sich ein Stück von diesem großen Kuchen abzuschneiden.

Auf EU-Ebene hat man das Problem erkannt und versucht über finanzielle Anreize, die Unternehmen für das Thema Förderungen zu interessieren. So wurde etwa im gerade angelaufenen 7. EU-Forschungsrahmenprogramm der Fördersatz für KMU von 50 auf 75 Prozent angehoben. Und mit dem Rahmenprogramm für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation (CIP) steht ein weiteres Instrument zur Unterstützung von KMU zur Verfügung.

Viele dieser Unternehmen erfahren aber nie von solchen Fördermöglichkeiten. Um diese Informationsdefizite abzubauen, haben Microsoft (www.microsoft.com), Intel (www.intel.com) und Hewlett Packard (www.hp.com) die Initiative "European Union Grants Advisor" (EUGA) ins Leben gerufen. Herausgekommen ist dabei der EU-Fördermittelratgeber, eine Datenbank, die Informationen über technologieorientierte Fördermaßnahmen und -programme auf europäischer, nationaler und regionaler Ebene bereithält. In 19 europäischen Ländern existiert dieses Angebot mittlerweile. "Aktuell ist der Launch der Initiative auch in den restlichen EU-Staaten in Vorbereitung, ich gehe davon aus, dass bis Ende Juni 2007 die Initiative auf den gesamten EU-27-Raum ausgedehnt sein wird", beschreibt Günter Schneider, bei Microsoft europaweit für EUGA verantwortlich, die Zukunftspläne.

Die Datenbank listet fast 300 Förderangebote in Österreich auf

Microsoft Österreich hat die Förderdatenbank (http://www.microsoft.com/austria/kmu/euga/home.aspx) mit fast 300 Förderangeboten in seinem KMU-Portal angesiedelt. Seit dem Launch im Oktober 2005 habe man circa 120.000 Page Views und knapp 40.000 Unique Visitors auf den Fördermittelseiten verzeichnen können, so Schneider. Das sind ungefähr 10 bis 20 Prozent der gesamten Zugriffe auf das KMU-Portal. Eine Herausforderung besteht sicher darin, die Unternehmer auf die Datenbank aufmerksam zu machen. "Ich würde nie auf die Idee kommen, auf der Microsoft-Website nach Förderungen zu suchen", meint etwa Christian Csank, Geschäftsführer der Firma Sorex (www.sorex-austria.com), "sondern informiere mich dort über Produkte". Auch wenn Csank die Datenbank nicht kennt, als Förderexperte kann er allemal gelten, gelang es ihm doch gerade, Förderzusagen in Höhe von 1 Mio. Euro zu erhalten.

Um die Datenbank voll nutzen zu können, benötigt der User eine Passport-Anmeldung. Manche wollen das nicht und suchen unregistriert, sprich, sie bekommen dann keine auf ihr Unternehmen zugeschnittenen Förderinformationen.

Die Registrierung hat aber noch einen anderen Vorteil, denn über sie ist es möglich, eine kostenlose Beratung in Anspruch zu nehmen. Diese wird von eurofinder econet (www.eurofinder.at) durchgeführt, einem europaweit tätigen Beratungsunternehmen, das auch die Informationen für die Datenbank zur Verfügung stellt. Für Manuela Maer, die dort als Beraterin arbeitet, ist klar, dass Informationen alleine nicht ausreichen. "Mit der Hilfe eines Fragebogens loten wir aus, welche Förderungen überhaupt möglich sind", so Maer. Gibt es ein passendes Programm, unterstützt eurofinder das KMU auch bei der Antragstellung. "Erst im Erfolgsfall erhalten wir eine 10 prozentige Provision", verweist Maer auf das nicht vorhandene Risiko für das einreichende Unternehmen. Bis heute waren es rund 30 Projekte, die insgesamt eine Million an Fördergeldern erhalten haben.

Microsoft übernimmt die Kosten der Erstberatung

Ein Teil dieser Fördergelder ist nach Oberösterreich geflossen. Dort in Rohrbach hat die Firma eworx (www.eworx.at), die unter anderem E-Mail-Marketing Lösungen anbietet, ihren Sitz. Martin Öller, Geschäftsführer des 2000 gegründeten Unternehmens hat sich beraten lassen und erhielt dank der Unterstützung von eurofinder Förderungen vom Land Oberösterreich und von der AWS (www.awsg.at). Dementsprechend positiv ist auch seine Meinung zu diesem Angebot, denn das Risiko sei für sein Unternehmen gleich Null gewesen, der Aufwand gering, so Öller. Mit seinem neuen Projekt wird er es auf alle Fälle wieder versuchen. Und dabei auch von Microsoft unterstützt werden, denn die Erstberatungskosten trägt der Softwarekonzern. Zusammen mit den Aufwendungen für die Datenbank kommt da eine ganz ordentliche Summe zusammen, die aber Betriebsgeheimnis bleibt.

Für Günter Schneider ist die Initiative Bestandteil der Corporate Social Responsibility, "da wir darin eine Möglichkeit sehen, nicht nur die EU bei der Erreichung der so genannten Lissabon-Agenda zu unterstützen, sondern insbesondere unseren Beitrag dazu zu leisten, dass vor allem Klein- und Mittelbetriebe in Österreich und den anderen EU-Staaten mit IKT produktiver, konnektiver und wettbewerbsfähiger werden".

Das Beispiel eworx zeigt aber auch, dass es bis jetzt vor allem gelungen ist, nationale Förderprogramme anzuzapfen, wie Maer bestätigt. Das Lukrieren von EU-Mitteln bleibt also das große Ziel, schließlich geht es dort um wesentlich mehr als ein paar Millionen. Hier tritt dann aber auch wieder das Manko auf, dass die von Microsoft, Intel und HP im Rahmen von EUGA entwickelte Datenbank nur eine Anlaufstelle von vielen ist. Auch die Wirtschaftskammer oder das BMVIT stellen beispielsweise Förderdatenbanken zur Verfügung. Die Stärke des EU-Fördermittelratgebers liegt in seiner internationalen Ausrichtung, die es einem KMU zum Beispiel erlaubt, sich über Förderungen in Schweden oder anderen EU-Staaten zu informieren. Nur: solange die KMU Förderungen im eigenen Land nicht in Anspruch nehmen, lohnt sich auch der Blick ins Ausland nicht.

Vielleicht lassen sich die Datenbanken ja zukünftig zusammenlegen? Das ist ein Wunsch, den zumindest die KMU äußern.

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MONITOR-Autoren
Dunja Koelwel

Dunja Koelwel ist freie Journalistin in München. Die studierte Juristin arbeitet für Verlage und Agenturen und betreut vor allem die Themen Internet und Business-Software aus einem strategisch- wirtschaftlichen Blickwinkel. ..mehr..

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