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Enterprise-Search:

Weniger suchen - mehr finden

Zu den größten spezialisierten Konkurrenten von Google zählt sicherlich Autonomy - vor allem seit der Übernahme des Search-Pioniers Verity. Gartner klassifziert das Unternehmen in seinem "Magic Quadrant" für Information-Access-Technologien als Marktführer (siehe Grafik), und auch eine Marktanalyse des Schweizer InfoWeek-Magazins sieht Autonomy als Nummer eins. Die Plattform bietet umfassende Funktionalität bei der unternehmensweiten Suche. Auch die Lösungen von Fast decken jeden Suchbedarf ab und konnten sich bei zahlreichen Großunternehmen als Standard-Suchplattform etablieren. Mit Features wie "Sentiment Extraction" (siehe Kasten "Taxonomie) ist Fast auch bei den neuesten Trends an vorderster Front. Endeca hat ebenfalls ein gefragtes Produkt, das jedoch mehr als Suchmaschine für kommerzielle Websites genutzt wird, als für die unternehmensinterne Suche.

Große Anbieter fordern die Spezialisten

„Wir können den Anwendungskontext nicht nur aus klassischer Client-Software extrahieren, sondern auch aus Applikationen die serverseitig laufen. Das gibt’s in dieser Qualität bei keinem anderen Hersteller.“ - Daniel Fallmann, Mindbreeze

Zunehmend steigen auch klassische Infrastruktur- und Datenbankanbieter gegen die Search-Spezialisten in den Ring. IBM launcht unter dem Produktnahmen "Omnifind Yahoo Edition" seine Omnifind-Suchtechnologie neu, die sich bisher nicht als Verkaufsrenner erwiesen hat. Gemeinsam mit Yahoo, das sich zum ersten Mal in den Firmenkundenmarkt wagt, sollen offenbar vor allem KMU angesprochen werden.

Auch Oracle hat mit "Secure Enterprise Search 10g" eine Suchmaschine für den Unternehmenseinsatz vorgestellt. Die Suchalgorithmen nutzen vorhandene Geschäftsmetadaten, um die Relevanz der Ergebnisse zu steigern. Außerdem soll sie strengen Sicherheitsauflagen genügen. Dazu Helmut Eichert, Geschäftsführer Oracle Österreich:

"Es werden nicht nur Inhalte, sondern auch die Zugriffsrechte indiziert. Man nimmt den Sicherheitskontext mit - die Sicherheitsrichtlinien der durchsuchten Anwendungen werden automatisch übernommen, und die Suchergebnisse werden nach den Berechtigungen des jeweiligen Nutzers gefiltert. Weitere Stärken der Lösung liegen in der leistungsstarken Search-Engine und in der hohen Indizierungsperformance."

Auch SAP hat ein eigenes Enterprise-Search-Produkt vorgestellt, das auch in mySAP ERP integriert angeboten wird. Die Lösung basiert auf SAP NetWeaver und verfügt über Schnittstellen, über die sich Datenquellen, Suchmaschinen und Desktop-Recherche-Tools anbinden lassen. Die Suchfunktionen werten also Daten aus SAP- und Fremdsystemen aus.

Die Search-Zukunft von Microsoft besteht aus dem stark verbesserten Microsoft Office Sharepoint Server 2007, der in Windows Vista integrierten Version 3.0 von Windows Desktop Search und dem im Beta-Stadium befindlichen Windows Live Search Center, einem kostenlosen Search-Client, der die Suchresultate von Web, Desktop und Intranet unter einer anschaulichen Gemeinschaftsoberfläche kombinieren soll. Die im Sharepoint-Sever integrierte Suchfunktionalität wird auch als Standalone-Produkt "MOSS for Search" auf den Markt kommen. Dazu Haider Shnawa, Marketing Manager Unified Communications&Collaboration bei Microsoft Österreich: "Der Sharepoint-Server 2007 hat einen mächtigen Indizierungsserver integriert, mit dem fast alle Datenquellen und Dokumentenformate indiziert werden können. Mit dem integrierten Tool "Business Data Catalog" können via Web-Services auch Daten aus externen Datenbanken und kaufmännischer Standardsoftware extrahiert werden. Das umfassende rollenspezifische Berechtigungskonzept des Sharepoint Servers gilt selbstverständlich auch für die Search-Funktion. Berechtigen können granular bis auf die Item-Ebene hinunter vergeben werden."

Newcomer als Geheimtipp

„Wir haben gerade ein Büro in Wien eröffnet, weil wir die Stadt auch als Ost-Drehscheibe sehen - vor allem im Banken- und Versicherungssektor.“ - Manfred Müller, SurfRay

Bemerkenswerte technologische Innovationen kommen auch von neuen, kleinen Anbietern, die in den internationalen Marktrankings unerwähnt bleiben. Echtes österreichisches Search-Know-how bietet Mindbreeze, eine Fabasoft-Tochter. In den ausgeklügelten Algorithmus der Search-Engine haben Geschäftsführer Daniel Fallmann und sein Partner Jakob Praher an die 15 Mannjahre Entwicklungsarbeit investiert. Wie Aufsehen erregend die Technologie ist, zeigt die Tatsache, dass Mindbreeze heuer schon zum wiederholten Mal zum "Enterprise Search Summit" nach New York eingeladen wurde - als einziges europäisches Unternehmen neben SAP. Die leistungsstarke Plattform bietet neben Advanced Search, Drill Down, und Clustering der Informationen auch eine nachgeschaltete Filter-Suite, die semantische Informationen extrahiert und somit Sinnzusammenhänge erfassen kann. Die Suchergebnisse werden schon beim Tippen des Suchbegriffs in Echtzeit verfeinert. Außerdem werden die Informationen im Applikationskontext ausgegeben - das heißt, man kann direkt aus dem Suchergebnis heraus E-Mails beantworten wie im Mail-Client oder sogar Rechnungen freigeben wie im SAP-System. "Wir können den Anwendungskontext nicht nur aus klassischer Client-Software extrahieren, sondern auch aus Applikationen die serverseitig laufen. Das gibt's in dieser Qualität bei keinem anderen Hersteller", erklärt Fallmann. Zu den Mindbreeze-Kunden zählen etwa die Stadt Salzburg oder der Schweizer Kanton Thurgau. "Die bis auf 100.000 Benutzer skalierbare Lösung kostet im teuersten Fall 99 Euro pro User. Die Konnektoren zu allen Systemen sind in diesem Preis inbegriffen", betont Fallmann.


Technologisch interessant ist auch der dänische Enterprise-Search-Anbieter SurfRay, allerdings ist der bis dato nur in Skandinavien bekannt. Das könnte sich bald ändern, zumindest wenn es nach dem Willen von Manfred Müller geht. Der Österreicher mit familiärem Dänemark-Bezug hat nämlich bei SurfRay die Verantwortung für den deutschsprachigen Markt übernommen. "Wir haben gerade ein Büro in Wien eröffnet, weil wir die Stadt auch als Ost-Drehscheibe sehen - vor allem in Banken- und Versicherungssektor. Auch Süddeutschland wollen wir von Österreich aus bedienen. Derzeit sind wir intensiv auf Partnersuche." Einen ersten wichtigen Partner hat Müller bereits im IT-Dienstleister Freecom gefunden. Technologisch hat sich SurfRay vor allem auf komplexe, hoch fortgeschrittene Verfahren der Relevanzbewertung spezialisiert. "Wir sind auch sehr flexibel auf verschiedensten Systemen und sehr schnell in der Performance", unterstreicht Müller. Bei den Preismodellen gibt es Leasing- und Kaufvarianten beginnend bei 130 Euro pro CPU und Monat. Bei großen Lösungen sind auch die Module für die Anbindung an diverse Firmenanwendungen im Preis inkludiert.

Das Geschäft für die Anbieter scheint gesichert, denn der Bedarf an intelligenten Search-Lösungen wird in Zukunft sicher nicht kleiner werden. Einem Whitepaper des Marktforschers IDC zufolge verbringen Angestellte 30 bis 40 % ihrer Zeit mit Suchen - Tendenz steigend. Beim Erstellen neuer Inhalte gehen sogar 70 % der Zeit mit dem "Wiedererfinden des Rades" drauf, weil bereits vorhandene Informationen nicht gefunden werden.

Fazit: Eine professionelle Informationssuche spart teure Arbeitszeit und verhindert auch hohe Folgekosten, die etwa durch das Verwenden falscher Dokumente entstehen.



Taxonomie: Trends bei der automatischen Inhaltsanalyse
  • Clustering: Die Resultate werden nach dem Suchvorgang ad hoc analysiert und thematisch passend zusammengefasst
  • Entity Extraction: Bei der Indexierung werden die Dokumente auf Eigennamen, Marken und andere fixe Bezeichnungen analysiert und die entsprechenden Metatags eingefügt.
  • Sentiment Extraction: Bei dieser neuesten Suchtechnologie werden die Suchresultate auf positive oder negative Meinungen analysiert. So lassen sich zum Beispiel Testberichte finden, die sich kritisch zu einem bestimmten Produkt äußern.
  • Concept Search: Einzelbegriffe werden per Sprachanalyse (natural language analysis) in ihrem Kontext betrachtet, um die Suchresultate sinnvoll zu gruppieren.

(Quelle: InfoWeek)

 

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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