Der neueste Streich stammt von der deutschen Software AG: Diese hat die Übernahme des US-amerikanischen Systemsoftware- und SOA-Spezialisten webMethods angekündigt. Und der dürfte etwas wert sein, denn das Gebot beträgt nicht weniger als 546 Millionen US-Dollar.
Was macht webMethods? "Integration und Optimierung von Geschäftsprozessen" ist eine etwas allgemeine, aber deswegen nicht weniger gültige Beschreibung für das Tätigkeitsfeld der Amerikaner.
Software AG-Entwicklungsvorstand Peter Kürpick bringt die Dinge im MONITOR-Interview auf den Punkt: "Als amerikanisches Unternehmen hat webMethods eine starke Präsenz in Nordamerika. Die ausgezeichneten Kontakte in die US-Wirtschaft sowie die breite Kundenbasis wollen wir nutzen, um dort künftig noch stärker aufzutreten". Nordamerika sei für die Software AG ein wichtiger Zielmarkt, der weiter ausgebaut werden soll. Kürpick: "Sofern wir die Übernahme erfolgreich abschließen, können wir die Kundenzahl und unseren Umsatz in Nordamerika verdoppeln."
Die Übernahme von webMethods soll die Software AG auch "klar als einen der weltweiten Marktführer bei SOA und Business Process Management" positionieren. Das Unternehmen mit Sitz in Fairfax, Virginia, und weiteren Standorten in den USA, Europa und Asien gilt dabei als führender unabhängiger Anbieter von "Integrationssoftware für die Produktivitätssteigerung durch Anbindung, Anpassung und Optimierung von bestehenden IT-Systemen". Das passiert über eine "innovative Unternehmenssoftware-Plattform", die etablierte Integrationstechnologie mit den Möglichkeiten der neuesten Software verbindet. Die vollständig kompatible Lösung liefere eine "Verbindung von Effizienz, Mobilität und Kontrolle". Versorgt werden derzeit rund 1500 Kunden, womit webMethods etwa halb so groß ist wie die Software AG.
Die Übernahme hat zwar noch nicht stattgefunden (am 18. April startete das Barangebot), gilt aber so gut wie sicher. Der Aufsichtsrat der Software AG hat die Transaktion bereits genehmigt, der Vorstand von webMethods ist zum Zusammenschluss bereit und wird den webMethods-Aktionären empfehlen, das Barangebot von 9,15 US-Dollar pro Aktie anzunehmen. Die Übernahme steht natürlich unter dem Vorbehalt von behördlichen Genehmigungen und weiteren üblichen Bedingungen. Es wird erwartet, dass sie im Laufe des zweiten Quartals dieses Jahres abgeschlossen sein wird.
2006 erzielte die Software AG einen Umsatz von 483 Millionen Euro. Die webMethods-Übernahme sei ein "bedeutender Schritt" auf dem Weg zum erklärten Umsatzziel von einer Milliarde Euro. Dort wird die Software AG nämlich schon heuer angelangt sein, wenn die Übernahme abgeschlossen ist. Kürpick: "Global gesehen ist unser Ziel, bis zum Jahr 2011 einen Umsatz von einer Milliarde Euro zu erreichen. Die Zahlen der Software AG und webMethods addiert ergeben schon heute einen Umsatz von über 700 Millionen Euro".
Da aber ein Riesenumsatz nicht alles ist, steckt hinter der Akquisition noch weit mehr. Mit seinen Standorten in den USA bringt webMethods seine große Kundenbasis aus Amerika in die Software AG mit ein. "Beide Unternehmen ergänzen sich bei ihrer Produktpalette ideal", sagt Kürpick. Durch webMethods werde das Software-Angebot um wichtige Komponenten erweitert, beispielsweise im Business Process Management und im Business Activity Monitoring. Die Überlappungen der Angebote seien geringfügig und betreffen am ehesten den Bereich SOA-Governance, der sich mit der Steuerung und Verwaltung einer SOA befasst.
Kürpick: "Trotz der Übernahmen setzen wir auch künftig weiterhin sehr stark auf enge Partnerschaften mit anderen Herstellern. Mit der SOA-Community treiben wir beispielsweise die Interoperabilität von SOA-Produkten voran."
Insgesamt verfügen beide Unternehmen nach der Übernahme über rund 4.000 Kunden und etwa 100 Partner weltweit. In Nordamerika soll sich die aktuelle dortige Kundenzahl der Software AG verdoppeln. Geplant sei auch, in weitere Segmente vorzudringen, vor allem in die Bereiche Finanzdienstleistungen sowie Produktion und in den öffentlichen Sektor.
Die Software AG wachse mit webMethods nun zu "einem der weltweiten Marktführer" bei SOA und Geschäftsprozess-Management. Die regionalen Stärken des deutschen Teils und das nunmehr erweiterte Produktportfolio würden sich hierbei gut ergänzen. Das "fusionierte" Portfolio umfasse Software-Lösungen für SOA Governance & Enablement, Business Process Management, Business Activity Monitoring, Anwendungsintegration und Legacy-Modernisierung. Die Fabric-Produktlinie von webMethods paare sich hier mit der Crossvision SOA-Suite der Software AG zu einer "integrierten SOA-Lösung". Kunden könnten so ihre Geschäftsprozesse "noch effizienter entwerfen, steuern und überwachen".
Wie bei fast jeder Übernahme in der Softwarebranche geht es auch im Falle der Software AG und webMethods nicht ohne die vielzitierten Synergieeffekte. Einerseits erwarte man sich durch den Schritt zwar vor allem ein Umsatzwachstum, aber auch "das Realisieren von Kosteneinsparungen", wie es Software AG-Finanzvorstand Arnd Zinnhardt ausdrückt. Er erwarte jedenfalls, "dass sich die Transaktion von 2008 an deutlich positiv auf das operative Ergebnis je Aktie der Software AG auswirkt".
Nach der webMethods-Übernahme will die Software AG nun erstmal verschnaufen: "Das war bereits ein großer Schritt für unser Unternehmen. Ich gehe derzeit davon aus, dass kurzfristig keine weitere Akquisition in der Größenordnung von 500 Millionen Euro erfolgt", so Kürpick. "Wir sehen uns also den Markt weiterhin genau an und suchen nach interessanten SOA-Themen, die uns und vor allem unsere Kunden voranbringen."




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Mag. Christoph Weiss, i2s consulting, Leiter Büro Österreich: Magister und Textil-Fachingenieur. Führungserfahrung als IT-Leiter im Bereich technischer Grosshandel. Mehrfach Linien- verantwortlicher für ERP-Einführungen. Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Technikum Wien. Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft für Datenverarbeitung (ADV) 