9-5-2007 | Aus MONITOR 5/2007 Gedruckt am 28-08-2014 aus www.monitor.co.at/index.cfm/storyid/8927
Strategien

ASP, Software on Demand und Software as a Service

Überraschung durch Details

ASP, Software on Demand und Software as a Service - für viele bezeichnen diese drei Begriffe ein und dieselbe Sache. Doch das stimmt nicht. Die drei Modelle unterscheiden sich durchaus, MONITOR zeigt, welches Modell für welchen Einsatz geeignet ist.

Dunja Koelwel

Die ITK-Industrie ist um die Erfindung kryptischer Kurzbezeichnungen für Technologien, Anwendungen und Services nicht verlegen. Und in dem bunten Reigen der sich ständig ändernden Bezeichnungen, die sich aber inhaltlich durchaus zu überschneiden und zu decken scheinen, ist eine Abgrenzung nicht einfach. Ein Beispiel für diese fast inhaltsgleichen Geschwisterkinder sind Application Service Providing (ASP), Software on Demand (SoD) und Software as a Service (SaaS). Doch der erste Blick täuscht: Auch wenn sich viele Ähnlichkeiten finden lassen, klare Unterscheidungsmerkmale gibt es durchaus. Und diese sollte ein Unternehmen kennen, um für sich die richtige Entscheidung treffen zu können.

Die große Schwester ASP

Der Begriff ASP (Application Service Providing) ist schon am längsten in der ITK-Branche präsent und hat sich in etwa seit der Jahrtausendwende etabliert. Die wohl aussagekräftigste Definition für ASP findet sich im Lexikon der Wirtschaftsinformatik von Prof. P. Mertens: "Als ASP wird die dauerhafte Bereitstellung des Zugriffs auf Anwendungsprogramme und Dienste über ein Netzwerk, in der Regel das Internet, durch ein Unternehmen (...) auf Mietbasis bezeichnet."

ASP stellt somit neben dem traditionellen Outsourcing - der mittel- und langfristige Auslagerung einzelner oder aller Informationsverarbeitungsaufgaben an ein rechtlich unabhängiges Dienstleistungsunternehmen - sowie der internen Datenverarbeitung eine weitere Alternative zum Betrieb von Hard- und Software dar. Es wird klar, dass bei ASP auf drei Komponenten des Kooperationsparters zurückgegriffen wird: Hardware, Software und Serviceleistungen wie ein regelmäßiges Backup der Daten.

Das Zwitterwesen Software on Demand

Hinter Software on Demand versteckt sich eine abonnementbezogene Miete von Software über das Internet. Gerade in Zeiten in denen der Zugang zum World Wide Web immer kostengünstiger und einfacher wird, lässt sich mit diesem Vorgehen ein erheblicher Mehrwert erzielen. Die Anfänge von Software on Demand (SoD) liegen in Geschäftsbereichen wie zum Beispiel Verwaltung von Kundendaten, Büroanwendungen oder der Buchführung.

Die Einsparpotenzial hängt allerdings erheblich von der Unternehmensgröße und der damit verbundenen Zahl eingesetzter Installationen ab. Gerade die hohe Flexibilität und die transparente Kostenstruktur sind maßgebliche Erfolgskriterien. Denn die Mitarbeiter greifen nur dann auf die jeweiligen Softwareprogramme zu, wenn sie diese auch zwingend für ihre tägliche Arbeit benötigen. Da diese dann internetbasiert mit dem Browser arbeiten, ist deren Arbeitsleistung ort- und zeitungebunden. Zusammenfassen lässt sich feststellen dass bei SoD nur dann Kosten anfallen, wenn auf die jeweiligen Programme zugegriffen wird: Statt eines kostenintensiven Kaufs von Software wird diese lediglich temporär angemietet und der Dienst leistungsbezogen bezahlt. In vielen Fällen verbleiben die Daten und die serverbezogenen Hardware in der Verantwortung des Unternehmens - lediglich die Werkzeuge werden von außen bezogen.

Software as a Service

Die Abgrenzung von Software on Demand zu Software as a Service (SaaS) fällt nicht leicht, da beide grundsätzlich die gleiche Idee verfolgen, nämlich die Nutzung von Diensten via Internet. Bei SaaS handelt es sich allerdings um ein Modell, mit dem der Kunde die Software über das Internet bezieht und mit dem er die Funktionalitäten nach den eigenen Bedürfnissen nutzen kann. Dies bestimmt auch die Kosten der Nutzung für den Betrieb. Die Kosten für den Unterhalt und den Betrieb der ITK-Systeme auf der Anbieterseite fallen in die Verantwortung der Anbieter selber. Da stellt sich schnell die Frage, ist SaaS aus Anwendersicht nichts anderes als ASP, das wortstark propagandiert, aber nur zögerlich angenommen wurde?

Unabhängig von der Beantwortung der Frage lassen sich die Vorteile für SaaS-Nutzer leicht aufzeigen. Neben dem Wegfall der Lizenzkosten für Software müssen sie deutlich weniger Kosten in die IT-Infrastruktur, nicht nur wie schon erwähnt für den Betrieb und Unterhalt aufwenden, der Provider trägt auch die Verwaltungskosten, die er per Umlage an mehrere Kunden weitergeben kann. Ferner kommt die Chance der schnelleren und einfacheren Globalisierung hinzu. Gerade mittelständische Betriebe, die oftmals über keine oder nur imitierte ITK-Ressource verfügen, können schneller neue Marktplätze besetzen und neue Geschäftseinheiten aufbauen. In Bezug auf Skalierbarkeit bietet SaaS ebenso hohe Flexibilität. Egal ob rasches Wachstum, Eintritt in neue Marktplätze, die Notwendigkeit nach höheren und mehr Bandbereite oder die Nachfrage nach mehr befähigten ITK-Kräften, all das ist im Obligo der Ressourcen und Kapazitäten den Anbieters. Nicht zu verschweigen ist auch die der Verfügbarkeit von Systemen und Fachkräften.

Interessante Einsatzbereiche für SaaS sind die kaufmännischen Bereiche wie Lohn- und Gehaltsbuchführung, wobei hier die Grenzen zu Business Process Outsourcing unscharf werden. Wenn, dann sollte der Anbieter auch Printservices für die Gehaltsabrechung zur Verfügung stellen. Auch Lösungen für Reisekostenabrechungen gehören dazu wie die gesamte Buchhaltung für Klein- und Kleinstbetriebe.

Abgrenzung der der Anwendungen

Das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen den vorgestellten Anwendungen ASP, SoD und SaaS liegt im Umfang der Auslagerung. Bei ASP werden alle drei Komponenten Hard- und Software und Service ausgelagert. SaaS fokussiert sich in der Regel auf die externe Bereitstellung der Applikationen, die im Unternehmen regelmäßig Verwendung finden. Demgegenüber wird bei SoD nur sporadisch und Partiell auf gemietete Software zurückgegriffen.

Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile

Die Vorteile aller drei Varianten liegen dabei in der Auslagerungsmöglichkeit und dem Umfang, in dem ein Unternehmen seine ITK auslagern will. Grundsätzlich bedeutet Auslagern eine Möglichkeit zur Konzentration auf Kernkompetenzen, denn die eigenen Fachkräfte werden entlastet und können sich vermehrt gewinnbringenden Themenstellungen widmen. Ein kurzfristiger Zugriff auf Anwendungen, die bis dato noch nicht im Unternehmen implementiert waren, ist leichter möglich. Das zentrale Vorhalten von Daten und ein dezentraler Zugriff auf diese - unabhängig von Zeit und Ort - ist ebenfalls ohne umfangreiche Investitionen möglich. Die Verfügbarkeit von Hard- und Software lässt sich signifikant erhöhen. Durch geeignete Serviceverträge besteht die Möglichkeit, die Verantwortung für den reibungslosen Betrieb zum Beispiel eines Webservices gezielt zu verlagern. Sowohl Einführung als auch die Aktualisierung von Applikationen gestaltet sich erheblich einfacher, ein Rückgriff auf externe Beratungsleistung ist nicht erforderlich. Die Anforderungen an eine eigenen Clientseitige Hardware reduzieren sich erheblich. Auf Grund der leistungsbezogenen Miete reduzieren sich weiter die eigenen Fixkosten und die Kapitalbindung verändert sich.

Doch bis ein Unternehmen in der Lage ist, die beschriebenen Möglichkeiten umzusetzen, muss es folgende Fragestellungen beantworten:

Bei der Implementierung solcher Systeme ist ein hoher Beratungsbedarf akut. Daher fallen bereits im Vorfeld Kosten an, die sich im Laufe der Jahre amortisieren müssen. Je nach dem, in welchem Bereich auf externe Leistungen zurückgegriffen werden soll, müssen sensible Daten und Informationen nach außen gegeben werden. Dieser Schritt fällt immer noch vielen Entscheidungsträgern schwer und bedarf im Vorfeld einer soliden Basisarbeit in den Bereichen Recht, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik. Manche Entscheidungsträger schrecken davor zurück, die Auslagerung alltäglicher Daten und Prozesse in eiern Abhängigkeit zu einem Dienstleister zu geraten. Dieses Argument ist zwar bei genauer Betrachtung nicht haltbar, kann aber als Nachteil aufgefasst werden. Bei international aufgestellten Unternehmen ist die vertragliche Absicherung ein nicht triviales Problem, da zahlreiche Gesetze zu berücksichtigen sind.


Definitionen im Überblick

ASP

Application Service Providing heißt vermieten von Anwendungen und Programmfunktionalitäten. Ein Application Service Provider stellt entweder marktgängige Standardsoftware oder Software, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurde, in einem Rechenzentrum bereit. Die Software wird von einer Vielzahl von Anwendern genutzt. Die Bezahlung erfolgt in der Regel nach einem Mietmodell, zum Beispiel nach Anzahl der getätigten Transaktionen, wie erfolgte Überweisungen oder Gehaltsabrechnungen oder ausgehende Rechnungen. Der ASP sorgt für die Softwarelizenz, die Pflege und den Update. Für die Nutzer stellt er in geeigneter Form Support zur Verfügung. Der Zugriff kann über Internet mit entsprechenden Sicherheitsmechanismen oder eine andere Leitungsinfrastruktur erfolgen.

Pro:

  • Die Verantwortung für einen reibungslosen technologischen Betrieb der Community liegt beim ASP-Anbieter
  • Die Kostenkalkulation ist für den Kunden transparent.
  • Der Kunde profitiert von der konzeptionellen Erfahrung des ASP-Anbieters.

Kontra

  • Alle Daten werden "aus der Hand" gegeben. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Daten bei einem ASP meist besser geschützt sind, als im eigenen Unternehmen.
  • die Verfügbarkeit von Supportpersonal
  • die Geschwindigkeit der Applikation. Denn: Der Provider kann noch so viel Bandbreite zur Verfügung stellen, wenn die Anwender mit DSL arbeiten, wird schon der Austausch kleinerer Dateien ein Geduldsspiel

Software on Demand

SoD ist die abonnementbezogene Miete von Software über das Internet.

Pro:

  • internetbasiert mit dem Browser arbeiten, ist deren Arbeitsleistung ort- und zeitungebunden

Kontra:

  • man hat nie ständig alle Tools zur Verfügung
  • eignet sich nur bei konkreten Anforderungen

Software as a Service

Bei SaaS handelt es sich um ein Modell, mit dem der Kunde die Software über das Internet bezieht und mit dem er die Funktionalitäten nach den eigenen Bedürfnissen nutzen kann. Dies bestimmt auch die Kosten der Nutzung für den Betrieb.

Pro

  • Der Auftraggeber verlagert die Anschaffung, Pflege, Wartung und Aktualisierung an einen dritten
  • langfristige Einführungsprojekte entfallen
  • eine Anpassung der Applikationen an individuelle Vorgaben ist möglich

Kontra

  • manche Individualisierungen und Anpassungen sind schwer, zB. In ERP-Systeme
  • ob der Kunde wirklich König ist, entscheidet das Service Level Agreement. Bedient ein Anbieter nicht nur einen Kunden, so kann es bei Updates, Wartungsarbeiten ect. zu Engpässen kommen
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