Newsfeed abonnieren
Kommunal

E-Health

Die digitale Vernetzung im Gesundheits- und Sozialwesen

Das österreichische Gesundheits- und Sozialwesen zählt zu den internationalen Vorreitern bei der Umsetzung von Projekten durch modernste Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT).

(Bild: T-Systems)

Rund 90.000 Beschäftigte im Gesundheits- und Sozialwesen können von integrierten IKT-Lösungen profitieren. Durch die hohen Mobilitätsanforderungen von verschiedensten Berufsgruppen (Ärzten, Pflegern, Sanitätern), den großen Mengen an Informationen und dem hohen Abstimmungsaufwand zwischen Personen und Institutionen ist der Gesundheits- und Sozialsektor prädestiniert für den Einsatz innovativer IKT-Lösungen. Ein aktueller Überblick über die interessantesten Einsatzszenarien.

Das Gesundheits- und Sozialwesen steht weiterhin unter einem enormen Kosten- und Rationalisierungsdruck. Die Wissensexplosion durch die sprunghafte ansteigende Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungsformen überfordern immer öfter das behandelnde Personal. Die Zusammenarbeit von übergreifenden Trägern und Einrichtungen verursacht einen enormen Koordinationsaufwand. Nicht zuletzt existieren strenge Verwaltungsrichtlinien, die eine geregelte Erfassung, Dokumentation und Archivierung von Patientendaten vorsieht und einen enormen Administrationsaufwand nach sich ziehen.

Durch die zunehmende Verschmelzung von Informations- und Kommunikationstechnologien entstehen neue, innovative Szenarien, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Die Verfügbarkeit von leistungsfähigen Übertragungstechnologien und einer neuen Generation (mobiler) Endgeräte mit optimierten grafischen Benutzeroberflächen können verschiedenste Informationen an jedem beliebigen Ort abgerufen oder mit diversen Systemen abgeglichen werden.

Die Hardware-Industrie bietet in der Zwischenzeit sehr leistungsfähige Tablet PCs, die etwa für patientenseitige Dokumentationen von behandlungsrelevanten Daten eingesetzt werden. Auch die Aufzeichnung von Informationen oder der Abruf von Zusatzinformationen im persönlichen Gespräch mit dem Patienten (bei Visiten, Hausbesuchen etc.) kann durch handliche mobile Endgeräte wesentlich effizienter durchgeführt werden. Durch den Zugriff auf entsprechende Datenbanken können verschiedenste Daten oder Formulare an jedem Ort abgerufen werden. Praktische Einsatzgebiete sind beispielsweise die Leistungsdokumentation, die Diagnoseerfassung oder die Verschreibung von Rezepten durch integrierten Zugriff auf Pharmadatenbanken. Weitere Einsatzbeispiele sind die Erhebung von Routinefragen etwa zur Krankheitsgeschichte des Patienten oder aktuellen Behandlungen und Medikamenten vor Ort.

Neben signifikanten Zeit- und Kostenvorteilen (keine Doppelerfassungen, geringere Verwaltungskosten) kann durch den Einsatz von derartigen IKT-Lösungen im Gesundheitswesen die Transparenz der Abläufe erhöht und die Betreuungsqualität für den Patienten enorm gesteigert werden. Österreich zählt auch im internationalen Vergleich zu den Vorreitern bei der Entwicklung und Implementierung von Lösungen für Krankenhäuser (z.B. Logistik-Management), soziale Pflegedienste (Zeit- und Leistungserfassung in der Hauspflege) oder der mobilen Patientenüberwachung über Mobilfunknetze. Durch die schnellen Datenübertragungsraten leistungsfähiger Breitbandtechnologien und Endgeräte, benutzerfreundlicher Softwarelösungen und ausgefeilte Sicherheitslösungen kann eine hohe Benutzerakzeptanz erreicht werden.

Vielfältige Einsatzgebiete

Ein Szenario mit hohem zukünftigem Einsatzpotential bietet beispielsweise der mobile Zugriff auf Patientendaten. Die lückenlose Speicherung von Patienteninformationen über zentrale Datenbanken dokumentiert nicht nur die ordnungsgemäße Behandlung (Protocol-based Care), sondern ermöglicht in Kombination mit entscheidungsunterstützenden Systemen auch Diagnosen oder Medikationen (Evidence-based Medicine, Remote Consultation) und senkt damit das Sicherheitsrisiko.

Große Verbesserungschancen durch den Einsatz integrierter IKT-Lösungen bietet auch der mobile Heimpflegedienst. Hierbei geht es vor allem darum, relevante Informationen, beispielsweise zu den erbrachten Leistungen, effizienter zu dokumentieren. Und zwar dort, wo diese entstehen: vor Ort beim Patienten.

Weitere Einsatzszenarien durch mobile Lösungen ergeben sich im Bereich der Patientenüberwachung. Hier kann durch moderne Technologien eine kontinuierliche telemedizinische Betreuung von Patienten realisiert werden: Medizinische Werte werden am Patienten gemessen, übertragen und zentral erfasst und ermöglichen so die Überwachung (Monitoring) von gefährdeten Personen (z.B. Herzpatienten).

Zentrale Komponente derartiger Lösungen ist die Erfassung von medizinischen Patientendaten (Messwerten) oder sportmedizinischen Parametern über ein mit einer speziellen Software ausgestattetes Handy, das die aufgezeichneten Werte sofort nach der Messung mittels GPRS, EDGE oder UMTS an ein Monitoring-Zentrum übermittelt. Die Messwerte werden anonymisiert und funkverschlüsselt übertragen. Behandelnde Ärzte verwenden diese Daten für die zeitnahe Verarbeitung und Auswertung und schließlich zur Unterstützung bzw. zur Verbesserung der medizinischen Betreuung ihrer Patienten.

Auch im täglichen Betrieb von Krankenanstalten oder Pflegeheimen ergeben sich interessante Anwendungsfelder durch innovative IKT-Lösungen. Die Herausforderung besteht darin, die logistischen Möglichkeiten des Krankenhauses optimal zu nutzen und die Qualität der Patientenbetreuung zu verbessern. Dabei ist es keine Seltenheit, dass jährlich mehr als 100.000 Patienten- bzw. Materialtransporte anfallen. Moderne IKT-Lösungen unterstützen die Erfassung von Patiententransportaufträgen, die beispielsweise von der Krankenschwester elektronisch erfasst und an einen zentralen Server übertragen werden. Der für diesen Transport am schnellsten verfügbare Mitarbeiter wird automatisch ausfindig gemacht und beispielsweise auf seinem Handy oder Pager über den Transportauftrag informiert. Mit einer kurzen Bestätigung über den Erhalt des Transportauftrags wird die Krankenschwester zeitgleich über die Abholung des Patienten informiert. Durch die Lösung können Leerzeiten verhindert, Wegzeiten optimiert, Kapazitäten besser genutzt und Patiententransporte beschleunigt werden.

Vor dem Hintergrund des zunehmend unfinanzierbaren Sozialstaats stellt die Identifizierung und Umsetzung weiterer Rationalisierungspotentiale im Gesundheits- und Sozialwesen eine zentrale Herausforderung in den kommenden Jahren dar. Verschärft wird diese Situation zusätzlich durch die prognostizierte demografische Entwicklung der Gesellschaft und den damit einhergehenden Anstieg der Betreuungsaufwendungen für ältere Menschen. Integrierte Informations- und Kommunikationstechnologien bieten enorme Chancen diese Herausforderungen in den kommenden Jahren effektiv zu begegnen. Entscheidungsträger im Gesundheits- und Sozialwesen sollten sich schon heute über die individuellen Möglichkeiten beraten lassen und dabei nicht vergessen, dass Informations- und Kommunikationstechnologien wesentliche Verbesserungen ermöglichen. Dabei ist nicht Technik entscheidend, sondern die Strategie, die damit verfolgt wird.

Autor: DI Georg Lankmayr, Geschäftsführer der INSET Research & Advisory GmbH (www.inset-advisory.com)

 

weitersagen: drucken
Healthcare
Termine

18. Juni - 22. Juni

In ganz Österreich

SAP Mittelstandstage

Print-Archiv
Folgen Sie uns
Leser empfehlen
MONITOR-Newsletter

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

E-Mail:
Die von Ihnen angegebene E-Mail Adresse wird von MONITOR Online weder an Dritte weitergegeben noch zu anderen Zwecken verwendet.
MONITOR-Autoren
Christian Henner-Fehr

Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. ..mehr..

Die neuesten Artikel:

© Copyright 1983-2012 by MONITOR / Bohmann Druck und Verlag Gesellschaft m.b.H. & Co. KG (www.bohmann.at)

Add to Google  | Abo | Themenvorschau | Mediadaten | Inserate buchen | Kontakt | Impressum