Firmen, die ihre Außenmitarbeiter mit mobilen Devices ausstatten, fehle nämlich großteils noch die richtige Strategie dafür, kritisiert Karl Gorz, Mobile Business Experte mit großer Berufserfahrung bei der Mobilkom und Kapsch CarrierCom. "Es ist vielfach der Fall, dass Mitarbeiter im Außendienst mit PDAs oder Notebooks und Datenkarten ausgestattet werden, ohne dass die mobilen Prozesse darauf abgestimmt sind", sagt Gorz. So komme es manchmal dazu, dass ein Mitarbeiter beim Kundengespräch oder bei einer Lagerbestellung umständlich das Notebook hochfahren und eine Verbindung herstellen müsse oder mit dem PDA nicht sofort zur richtigen Datenanwendung komme, was Zeit und Nerven koste. Gorz: "Mobile Devices werden oft in der komplett falschen Situation eingesetzt".
Sein Vorschlag: Unternehmen sollten sich viel mehr auf die mobile Strategie konzentrieren und ihre Vorgänge besser untersuchen. "Es wird oft der Aufwand für Mobilität unterschätzt", so Gorz. Derzeit herrsche seiner Meinung und Erfahrung nach ein "Wildwuchs" und ein Mangel an Strategie in den Unternehmen. Gorz: "Technisch wären zweckmäßige, effiziente Mobilitätsanwendungen kein Problem, aber sie sind nicht nur ein IT-Thema, sondern ein Thema der IT-Governance in einem Unternehmen". Will heißen, dass Mobility von der technischen zur Management-Aufgabe geworden ist.
Gorz spart auch nicht mit konstruktiven Vorschlägen, wie die Situation zu verbessern ist. Zum einen muss das Augenmerk auf die mobile Infrastruktur im Unternehmen gelenkt werden. Hier seien die gewünschten Anwendungen grundsätzlich vorab mit dem jeweiligen Provider zu klären, darunter Fragen der Connectivity, Security und Verfügbarkeit. Eine Basislösung für effektive Mobilität bestehe etwa in dem Wechsel von einer normalen VPN-Verbindung mit Software-Client in das Core-Netz des Betreibers, was nichts anderes als einer "mobilen Standleitung" entspricht. Auf diese Weise ist eine kontinuierliche Verbindung über ein Kunden-LAN gewährleistet, und ebenso die Sicherheit, für die der Betreiber sorgt. Dies sollte die Grundlage für leistungsfähige "Mobile Business Solutions" sein, argumentiert Gorz.
Der zweite Punkt betrifft "Mobile Managed Applications": Dies hängen natürlich von Anwendungsfall ab: Muss ein Außendienstler Formulare übertragen, Lagerbestellungen aufgeben, in die Unternehmensdatenbank hinein, sich ins Firmen-SAP einklinken? Hier sei die Frage zu klären, wie man SAP- oder CRM-Anwendung am besten mobilisiert, meint Gorz. Und das hänge wiederum von der Art und Leistungsfähigkeit der Middleware ab, die dabei eingesetzt wird, zum Beispiel IBM WebSphere, Oracle Fusion, Microsoft Middleware, Sybase usw. Anwendungsmöglichkeiten wie Two-Way-SMS, Synchronisierung von E-Mail und Kalender wie überhaupt alle Onlinezugriffe sollten mit der Middleware optimiert werden und entscheiden letztendlich über die Art des mobilen Devices, das am zweckmäßigsten für die benötigte Anwendung ist. Gorz: "Daten können so medien- und anwendungsgerechter eingesetzt werden".
Damit ergibt sich als dritter Punkt auch die Notwendigkeit eines Devicemanagements, also die Klärung der Frage, welche mobilen Geräte im Unternehmen eingesetzt werden und wie effizient sie die Geschäftsprozesse unterstützen. Das klingt banal, sei aber bei vielen Firmen noch immer nicht optimal umgesetzt, meint Gorz: "Man kann nicht jedem Mitarbeiter einfach irgendein Gerät geben". In vielen Fällen komme es durch zu komplexe Anwendungen, nicht ausreichende Schulungen oder falsche Geräte dazu, dass Prozesse verkompliziert statt vereinfacht würden. Es gelte, Grundsätzliches vorab zu klären: Sind die Geräte handlich genug für ihren Einsatz, welche Clientsoftware unterstützen sie, wie läuft die Synchronisation ab, was kann die Tastatur, das Display, der Akku usw.? Solche Überlegungen liegen augenscheinlich auf der Hand, aber in der Praxis sollte man sich zum Beispiel schon klar überlegen, ob man sein Unternehmen etwa mit einer proprietären Lösung wie Blackberry oder doch eher mit Windows CE oder Symbian ausstattet. (amb)





1/2012
8/2011
7/2011


Dr. Christine Wahlmüller-Schiller ist freie Autorin und Kommunikationsberaterin, spezialisiert auf die IT- und Telekom-Branche. 