Bauherren und Architekten können zwischen 350 Farbtönen, unterschiedlichen Profilen aus doppelwandigem, geschäumten Aluminium in drei Breiten und verschiedenen Vorbauelementen im runden, eckigen oder klassischen Design auswählen. Aus rund 20 Verkaufsprodukten entstehen so täglich etwa 2.000 Varianten. Bei dieser umfangreichen Produktpalette spielt die Steuerung des Materialflusses eine entscheidende Rolle für den Geschäftserfolg.
Rund 600.000 Rollläden und 8.000 Garagentore verlassen jährlich die Roma-Fertigungsstandorte und gelangen über ein dichtes Netz von Fachhändlern auf Baustellen in Deutschland, Benelux, Österreich, der Schweiz und Frankreich. Das Erfolgsrezept, das den Handwerksbetrieb innerhalb von knapp 25 Jahren zu einem modernen Industrieunternehmen aufsteigen ließ, ist Produktfunktionalität plus Kundenservice. Doch proportional zur geschäftlichen Erfolgsgeschichte stieg der Leidensdruck in der Verwaltung und in der Fertigung: Da Roma mit einem Planungsinstrument arbeitete, mit dem sich keine Stücklisten erzeugen ließen, wurde die Steuerung des Materialflusses immer schwierigerer. Schließlich wurde die Einführung eines neuen Systems unvermeidlich.
"Uns war klar, dass eine neue Software auch Akzeptanzprobleme hervorrufen würde", erinnert sich Rainer Strohm, Leiter für Organisation, Informations- und Kommunikationssysteme bei Roma. Die Erfahrung gab dem IT-Fachmann recht: Zunächst stieß die anfängliche Mehrarbeit mit dem neuen System Infor ERP COM nicht nur auf Sympathie. "Es ist ganz wichtig, viel Werbung im eigenen Haus für eine neue Lösung zu machen", rät Strohm. Dabei hatte Roma mit Infor eine Wahl getroffen, die sich eng an den speziellen Anforderungen des Rollladen-Herstellers orientierte: Der Anbieter von Unternehmenssoftware konnte mit Infor Variants ein ausgereiftes, integriertes Modul für die Variantenkonfiguration und -verwaltung sowie die Plausibilitätsprüfung liefern. Infor überzeugte aber auch durch fundiertes Branchenwissen. Innerhalb eines guten Dreivierteljahrs gingen die Module für ERP, Vertrieb, Einkauf, Produktion, Qualitätsmanagement, Lager sowie die Variantenverwaltung von Infor ERP COM live.
Ein Beispiel aus der Praxis: Die Rollläden werden aus Sechs-Meter-Ware produziert und je nach Auftrag so zugeschnitten, dass möglichst wenig Abfall entsteht. Mit der neuen Software werden Aufträge nicht mehr chronologisch nach Eingang erledigt, sondern danach, wie sie sich vorab sinnvoll in Blöcken zusammenfassen lassen, um in einem einzigen Arbeitsgang optimal zu schneiden. Infor gibt in der Standardlösung mögliche Prozessabläufe bereits vor, so dass in diesem Bereich mit Ausnahme der Zuschnittsoptimierung keine Anpassungen vorgenommen werden mussten.
Umfangeiche Variantenproduktion
In den vergangenen fünf Jahren hat Roma rund zehn Mannjahre in die Abbildung seiner Variantenprodukte in Infor investiert - die Definition von Varianten umfasst Stücklisten von bis zu 100 Teilen, wobei keine Stückliste fix hinterlegt ist, sondern immer dynamisch augrund der Variantenmerkmale generiert wird. Ein Plausibilitätssystem sorgt dafür, dass nur sinnvolle Kombinationen als Auftrag zugelassen werden. Die Logik, die dem System zugrunde liegt, wurde zunächst manuell dokumentiert und dann in die neue Lösung übernommen. Der große Vorteil: Das System kann gleich bei der Eingabe der Aufträge auf Ungereimtheiten aufmerksam machen (Plausibilisierung). Teure Verzögerungen für die Lieferung der gewünschten Ware lassen sich so vermeiden.
Ohne ein durchgängiges ERP-System könnte die stetig wachsende Auftragsmenge heute nicht mehr gemeistert werden. Die integrierte Plausibilitätsprüfung dreht die Spirale weiter: Mit jeder neu erstellten Variante steigt die Vielfalt und treibt damit das Auftragsvolumen potenziell voran. Da in der Variantenkonfiguration auch eine automatische Preisfindung möglich ist, müssen sich Roma Mitarbeiter nicht mehr mit der komplexen Preisrechnung beschäftigen. Dies verbessert wiederum den Workflow: Zuvor waren Auftragsannahme und Preisfindung getrennt, so dass der Buchhaltung Preisinformationen gesondert per Hauspost zugestellt werden mussten. Jetzt bekommt die Finanzabteilung elektronisch alle Angaben zusammen mit dem Auftrag übermittelt. "Mit den neu definierten Abläufen hat unsere Arbeit mehr Struktur bekommen. Unter dem Strich stellen haben sich unsere Durchlaufzeiten um rund 20 Prozent reduziert", fasst Strohm zusammen.




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8/2011
7/2011


Christian Henner-Fehr schreibt als freier Autor für den MONITOR und arbeitet als Trainer und Berater in den Bereichen Projektmanagement und Kommunikation. Sein Interesse gilt dem Web 2.0 und den Einsatzmöglichkeiten von Social Media in Organisationen und Unternehmen. 