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Strategien

Achtung: US-Sommerzeit dieses Jahr 2 Wochen früher

Y2K im Kleinformat

Per 11. März stellen die USA ihre Uhren um eine Stunde vor, in Europa folgt die Sommerzeit erst zwei Wochen danach. Was Firmen beachten sollten, wenn zwei Kontinente plötzlich eine Stunde näher zusammenrücken.

Nordamerika wechselt heuer zwei Wochen früher auf die Sommerzeit. Unternehmen sollten die Zeitverknüpfungen ihrer IT-Lösungen überprüfen und Patches installieren.

Eingeführt Mitte der 1970er-Jahre, sollte die Sommerzeit der Ölkrise ein Schnippchen schlagen: Mehr Tageslichtstunden, weniger Energieverbrauch lautete die Rechnung. Weil mehr Sommerzeit wohl auch mehr Energieersparnis bedeuten könnte, entschloss sich der US-Kongress im Energy Policy Act 2005 die Winterzeit ab 2007 zu verkürzen. Änderungen in den folgen Jahren vorbehalten, beginnt in den USA und Kanada damit die Daylight Savings Time (DST) am 11. März und endet am 4. November. In Europa bleibt alles beim Alten und so fällt bis zum Wechsel am 25. März eine Stunde Zeitunterschied weg.

Y2K-Erinnerungen

Die grenzüberschreitenden Auswirkungen liegen auf der Hand: Sämtliche Firmen, die mit US-Unternehmen Geschäfte machen, sind angehalten sich über die Zeitverknüpfungen ihrer IT-Lösungen Gedanken zu machen. Jede Organisation mit Software, die den Zeitsprung automatisch vollzieht, ist betroffen. Der damit zusammenhängende mögliche Aufwand wird rasch deutlich, wenn etwa Videokonferenzen und Telefon-Meetings plötzlich im ganzen Unternehmen händisch zu adaptieren wären. Für zusätzliche Würze sorgt dabei die fehlende Information, wer sich bereits in Echtzeit befindet und wer nicht.

Die verfrühte Sommerzeit ruft Erinnerungen an die Datumsumstellung anno 2000 wach, wenngleich in bescheidenerem Rahmen - die DST2007 genannte Hürde gilt als "Baby Y2K". Andererseits sind IT-Systeme heute integrierter als noch vor sieben Jahren, digitale Handsets verbreiteter und in vielen Unternehmen im Business-kritischen Einsatz.

Das Calendaring and Scheduling Consortium - kurz CalConnect - empfiehlt daher zunächst die Auswirkungen auf Kalender-Software und sonstige gespeicherte zeitabhängige Daten zu analysieren und Lücken über Patches der Hersteller zu füllen. Ganz ähnlich lauten auch die Empfehlungen der Marktforscher von Gartner. Firmen sollten sich bei den Software-Herstellern nach entsprechenden Patches erkundigen.

Für ältere Programme, die vom Erzeuger nicht mehr gewartet werden, gilt es manuelle Workarounds zusammenzustellen - für umfangreiche Releasewechsel dürfte die Zeit in den wenigsten Fällen mehr reichen. Sorge bereitet IT-Experten vor allem die weiterhin große Verbreitung von Windows NT, das von Microsoft nicht mehr mit Updates versorgt wird. Patches für Windows XP und Mac OS sind hingegen seit Mitte Februar verfügbar.

Die Software-Hersteller versuchen indes den Ball betont flach halten, um keine Y2K-Aufregung oder gar jene der Euro-Umstellung aufkommen zu lassen. Die Analysten von Gartner erkennen auch bei den Kunden Entspanntheit, wenngleich zu viel davon: nur wenige würden eine ernsthafte Risikoerhebung betreiben, so die Kritik.

Dabei ist Vorsicht geboten: "Applikationen, die Operationen zum falschen Zeitpunkt ausführen, könnten ernste Schäden fürs Business verursachen und Haftungen entstehen lassen", warnt Will Capelli, Research Vice President bei Gartner.

Immerhin würden sich die Auswirkungen längst nicht auf Kalender-Applikationen beschränken: Fehler bei Banktransaktionen könnten verspätete Zahlungen zur Folge haben, Trading-Programme Käufe und Verkäufe zum falschen Zeitpunkt ausführen und so Millionenschäden verursachen. Und auch überall sonst, wo genaue Zeiten eine entscheidende Rolle spielen - Gebäudesicherheit, Flugverkehr - könnten sich Fehler einschleichen, mit geringen bis ernsten Auswirkungen. Gartner rät daher auch bei Dienstleistern wie Mobilfunkunternehmen und deren Verrechnung von zeitabhängigen Tarifen genau hinzusehen.

Organisationen, die bisher keine Maßnahmen gesetzt haben, um DST2007 reibungslos hinter sich zu bringen, legt Capelli Mindestmaßnahmen nahe. So sollen Unternehmen die frühere Sommerzeit zumindest rechtzeitig bei ihren Mitarbeitern ankündigen und sicher gehen, dass das IT-Support-Team am 11. und 12. März vollständig ist - sicher ist sicher.


Sommerzeit 2007

Die Sommerzeit dauert in den USA und Kanada heuer erstmals drei Wochen länger: Die Uhren werden bereits am 11. März eine Stunde vorgestellt, Europa folgt am 25. März. Damit reduziert sich der Zeitunterschied zwischen Mitteleuropa und der US-Ostküste für zwei Wochen auf fünf anstatt der üblichen sechs Stunden.

Die Rückkehr zur Normalzeit geht in Europa am 28. Oktober über die Bühne, jenseits des Atlantiks am 4. November.

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MONITOR-Autoren
Lothar Lochmaier

Lothar Lochmaier studierte nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann Sozial-und Wirtschaftsgeschichte sowie Politikwissenschaft in München, Madrid und Berlin. Heute arbeitet er als freiberuflicher Fach- und Wirtschaftsjournalist für diverse Print- und Online-Medien. Seine Schwerpunkte sind die Bereiche Informationstechnologie, Energiefragen und Managementthemen. ..mehr..

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