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Strategien

Second-Hand-Software

Boom mit rechtlichen Barrieren

Gerade eine derart groß angelegte Softwareumstellung wie auf Windows Vista lässt den Zweithandel mit gebrauchter Software erblühen. Doch für die Anbieter ist es ein riskantes Spiel, mit rechtlich oftmals kaum abgesicherten Lizenzvereinbarungen. Unternehmen können nur dann profitieren, wenn sie nachher keine böse Überraschung erleben.

Die neueste Office-Software so günstig wie nie zuvor. Bei der U-S-C-Umtauschaktion können Anwender ihre ältere Office-Version in Zahlung geben und bis zu 50% des Neupreises sparen. (Bild U-S-C)

"Der österreichische Markt ist für uns von großem Interesse", sagt Peter Schneider, Geschäftsführer der HHS UsedSoft GmbH. Das Unternehmen handelt mit gebrauchter Software: "Aus diesem Grund stärken wir unsere Aktivitäten in Österreich derzeit massiv." So hat das Unternehmen seit Beginn dieses Jahres einen eigenen nationalen Vertrieb aufgebaut und seine Präsenz auf regionalen Messen erhöht. Auch auf der "ITnT" in Wien war die Company in diesem Jahr präsent.

Das Konzept, auf alte, aber erprobte "Secondhand-Software" zu setzen, statt auf neue und häufig überteuerte Softwarelizenzen, sehen viele Anwender als Alternative zur monopolistisch geprägten Vertragsgestaltung bei den etablierten Branchengrößen. "Die Anfragen, die uns aus Österreich erreicht haben, zeigen deutlich, dass eine große Nachfrage nach gebrauchter Software besteht", bestätigt Peter Schneider. Schließlich stelle Software heute für nahezu jedes Unternehmen einen erheblichen Kostenfaktor dar.

Die Geschäftsführer von U-S-C Walter Lang (links) und Peter Reiner haben sich auf den Handel mit gebrauchter Software spezialisiert und sind lizenzierte Partner von Microsoft. (Bild U-S-C)

Beim Einkauf der Lizenzen einen Preisnachlass von bis zu 50 Prozent zu erzielen, bedeute ein unvergleichliches Sparpotenzial. Die von UsedSoft angebotene Software weise keinerlei Gebrauchsspuren auf: "Sie hat für den Zweitkäufer genau den gleichen Wert wie für den Vorbesitzer - mit dem einzigen Unterschied, dass ersterer sie zu deutlich günstigeren Konditionen erwirbt", erläutert der Geschäftsführer. Trotzdem funktioniert diese Gleichung in den meisten Betrieben nicht ganz so simpel, wie es die Anbieter nur allzu gerne versprechen.

Zwar haben Unternehmen selten ein ausreichend großes Budget, um die notwendigen Geschäftsprozesse mit optimaler Software abzuwickeln und dann auch noch gleichzeitig über genügend Reserven für andere Investitionen zu verfügen. In welchen Bereichen die jeweilige Kosten-Nutzenbilanz bei gebrauchter Software für Unternehmen besonders sinnvoll und nahe liegend ist, lässt sich aber kaum mit pauschalen Patentrezepten beantworten.

Keine simple wirtschaftliche Lösungsformel

"Während Softwarehersteller und andere Innovatoren schnell erkannt haben, welches wirtschaftliche Potenzial mit dem Vermarkten gebrauchter Software verbunden ist, haben es die anwendenden Unternehmen schwer, die rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren genau einzuschätzen", bekräftigt Marktanalyst Axel Oppermann von der Experton Group. Derzeit schätzt die Experton Group das Volumen des Handels mit gebrauchter Software allein in Deutschland auf rund 30 Millionen Euro - dies ist jedoch nur ein Bruchteil des denkbaren Absatzvolumens. Meist hält die unklare Rechtslage die Unternehmen von einem allzu leichtfertigen Engagement ab.

Da der Preis gegenwärtig die einzige Handlungsgröße der Gebraucht-Software-Anbieter darstelle, müssten diese ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln, um erfolgreicher zu sein, gibt Oppermann zu bedenken. Deshalb sei das Kooperationsverhalten der führenden Anbieter von gebrauchten Softwareprodukten ausschlaggebend für die gesamte Marktentwicklung. Denn letztlich bilde die Kooperation zwischen Händlern von gebrauchter Software und Unternehmen aus dem Bereich Software-Lizenz-Management, sowie zwischen Softwarehändlern und Anbietern von Wartungs- und Serviceleistungen, den entscheidenden Mehrwert für die Unternehmen.

Im Klartext: Nur durch verlässliche Kooperationen entstehen seriöse Geschäfte zum Nutzen beider Seiten und keine dubiosen Graumarktmodelle, die den Markt zwar beflügeln, bei denen aber im Nachhinein der Kunde die Zeche zahlt. Ohne das Placebo der Hersteller läuft auf lange Sicht kaum etwas. Unternehmen sollten sich deshalb beim Software-Kauf genau überlegen, in welchen Bereichen eine ältere Version noch gute Dienste leistet und diese kein Upgrade erfordert, das weiß auch UsedSoft-Geschäftsführer Peter Schneider. Oft sei dies gerade bei Office- und Windows-Lizenzen der Fall. "Die vorhandene Hardware ist zum Teil gar nicht für aktuellere Versionen gerüstet und auch die Mitarbeiter müssten sich in dem Fall natürlich umstellen", lautet seine Begründung.

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