Trotz der Globalisierung in allen Wirtschaftsbereichen und in der IT-Szene haben überraschenderweise lokale Anbieter von Enterprise-Resource-Planning-Systemen (ERP) die Nase vorn. Dies ist laut Christoph Weiss vom Beratungshaus i2s-Consulting, wohl die zentrale Erkenntnis der aktuellen von ihm durchgeführten "ERP- Zufriedenheits- Studie Österreich 2006/2007".
So etwas gibt natürlich viel Grund zur Diskussion und widerspricht deutlich den plakativen Aussagen großer Analystenhäuser. "Die Ergebnisse der Studie machen es deutlich. Die ERP-Zufriedenheitsstudie zeigt den Markt wie er ist: bunt, beinahe wie ein Zoo, aber bei weitem nicht so eintönig wie der Marketing-Monolog vieler Anbieter", mit diesen Worten ebnete Weiss auf der von Monitor auf der vergangenen ITnT veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "ERP-Markt im Umbruch" den Weg zu einem spannenden Thema.
Buhlen um Kundengunst
Obwohl der Markt in Österreich mehr oder weniger verteilt ist und, wie es scheint, die Anbieter sich um dieselben Kunden prügeln, ist der Markt sehr stark in Bewegung. Den Grund hat Markus Berndt, Vorstand der Data Systems Austria, schnell ausgemacht: "Die geänderten Anforderungen der Kunden sind es, die den Markt bewegen." Deshalb buhlen nicht nur die klassischen Platzhirschen um jeden auch noch so kleinen Kunden, sondern auch neue Anbieter wagen den Sprung nach Österreich.
Darunter auch IFS, die zusammen mit dem Salzburger Partner ERP-Group sich nicht nur Brösel vom Marktkuchen holen wollen. "Die österreichische Wirtschaft ist stark von mittelständischen Unternehmen geprägt. Gerade im Mittelstand entsteht im Zuge der Internationalisierung und zunehmenden Vernetzung eine wachsende Nachfrage an modernen und skalierbaren Unternehmenslösungen", ist Peter Höhne, Direktor für Verkauf und Marketing für Zentraleuropa bei IFS, überzeugt und wittert genau deshalb ein gutes Neugeschäft in Österreich. Nachsatz: "ERP-Anbieter können nur erfolgreich sein, wenn sie die Globalisierung auch in der Software abbilden können."
Herausforderung Osten und Globalisierung
Deshalb müssten auch die kleinen Anbieter darauf achten den "Ost-Anforderungen" zu entsprechen fügt Weiss hinzu. Und dazu müssen manche Anbieter erst von ihren Anwendern getrieben werden. "Die Mitglieder der Movex User Group haben alle bei der Studie teilgenommen. Wir haben dieses Instrument genutzt um unsere Anliegen beim Hersteller besser anzuzeigen", erklärt Andreas Purkathofer, Präsident der Movex/Lawson User Group Austria und Bereichsleiter Internes Management bei Weitzer Parkett. Er zeigt die Wichtigkeit und Macht der Anwender auf, wenn sie sich organisieren. Denn nur so kann man seine Wünsche und Anforderungen bei den Anbietern und Consultern durchsetzen. Purkathofer: "Denn eigentlich will niemand ohne triftigen Grund den Anbieter wechseln. Doch manchmal ist es der einzige Ausweg."
Wer nun ein neues System braucht oder überhaupt erst ERP-Software einführen will, der soll laut Christian Nittmann, Geschäftsführer bei Nittmann & Pekoll, nicht mehr als zehn Anbieter evaluieren. Alles andere sei nicht managebar. Starke KO-Kriterien bei der Auswahl seien ebenso wichtig. Nitmann: "ERP ist der Lebensnerv des Unternehmens. Deshalb ist es wichtig, dass man nach der Auswahl eines Anbieters noch lange auf ihn setzen kann." Der Spieß lässt sich auch umdrehen: "Wir schauen uns unsere Kunden natürlich auch an, ob sie zu unserem System überhaupt passen", zeigt sich Höhne offen. Denn nur so sei es möglich zufriedene Kunden zu haben. Und das wollen letztendlich alle, Anbieter und Consulter.
Ausgereifte Mobilität
Mobility-Lösungen verzeichnen im Unternehmensbereich seit Jahren Zuwächse im zweistelligen Prozentbereich. Auch für die nächsten Jahre sagen Experten der Marktforscher IDC und Gartner starkes Wachstum in diesem Umfeld voraus. Der Grund: Die Möglichkeiten der Prozessoptimierung durch mobile Lösungen werden für Anwender immer vielfältiger.
Servicetechniker werden beispielsweise über das mobile Gerät über neue Aufträge informiert. Die Routenplanung berechnet eine intelligente Reihenfolge der offenen Aufgaben. Beim Kunden angekommen, erstellt der Techniker den Auftragsschein direkt am mobilen Gerät. Die mit Hilfe eines Formulars bequem eingegebenen Daten werden automatisch an den Server des Unternehmens übermittelt. Damit entfallen doppelte Arbeitsschritte und eine mögliche Fehlerquelle wird beseitigt. Insgesamt gibt es für Mobility zahlreiche sinnvolle Einsatzszenarien, Lösungsansätze und Nutzenpotentiale", ist Thomas Gruber, Geschäftsführender Gesellschafter von Mobil Data IT & Kommunikationslösungen überzeugt.
Doch nicht nur Geschäftsanwendungen werden mobil. Zuerst kommt wie immer die für das Geschäft unverzichtbare Kommunikation: "Mobiles E-Mail ist heute zum alltäglichen Business-Standard geworden, mobiles Internet via UMTS ein Verkaufsschlager", stellt Wolfgang Leindecker, Direktor für Markting und Consulting bei Nextiraone, fest. Doch das sei erst der erste Schritt gewesen: "Als nächstes steht die nahtlose Integration der Firmenkommunikationssysteme in die mobile Welt - also Konvergenz von Festnetz und Mobiltelefonie - ins Haus und danach eine vollständige Loslösung aller weiteren Geschäftsapplikationen von Ort und Art des Zugriffs."
Dass das keine Zukunftsmusik mehr ist, ist klar. Die IT-Branche beschäftigt sich schon seit Jahren mit diesem Thema und man ist in viele Fallen getappt. Doch jetzt seien die Technologien gereift und man habe einen guten Mix aus On- und Offline-Welt, der alle Eventualitäten von Einsatz und Connectivity berücksichtige. Walter Liebhart, Geschäftsführer von Ilogs Mobile Software, weist aber auch auf die Wichtigkeit der Einbindung der betroffenen Außendienstmitarbeiter hin: "Denn nur so ist ein Erfolg bei der Einführung mobiler Software möglich."
Technisch sei eigentlich bereits fast alles möglich. Den einzigen Schwachpunkt machen die Diskutanten schnell aus: Es mangelt noch an Sicherheit. "Es werden unheimlich viele Mobiltelefone, Smart Phones und Notebooks verloren. Das allein ist ein großes Risiko für Unternehmen", stellt Leindecker fest. Neue Security-Lösungen und -Ansätze seien deshalb gefragter denn je.




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Mag. Dominik Troger gehört seit 1992 zum MONITOR-Team. Er begann als News-Redakteur und betreute viele Jahre die MONITOR Weiterbildungsbeilage "Job Training". Seit dem Jahre 2000 war er als Chef vom Dienst tätig, mit Dezember 2009 übernahm er die Chefredaktion. 