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Science Fiction

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Cyber-Rätsel

"Hallo und herzlich willkommen in der Welt der Cyber-Rätsel! Gewinnen Sie eine von fünf Reisen zum Mars! Oder einen der vielen, vielen Sachpreise!"

So tönte es an mein Ohr, nachdem ich mich in diese virtuelle Rätselwelt eingeloggt hatte. Der Eintritt kostete 10 Euro, aber die Gewinne konnten sich sehen lassen. Und ich rechnete mir einige Chancen aus, weil ich in meinem Bekanntenkreis als Rätselprofi galt.

Ich wählte die Kategorie "Kreuzworträtsel" und wurde von einem netten Helfer in einen Raum geführt, an dessen hinterer Wand ein großes Kreuzworträtsel aufleuchtete.

"Es funktioniert ganz einfach", erklärte mir der Helfer mit der Stimme eines bekannten Radiosprechers. "Sie sagen eine Zahl, zum Beispiel 11 waagrecht, und vor Ihnen wird sich eine kleine Szene abspielen oder ein Rätselbild erscheinen, das Sie lösen müssen. Buchstabieren Sie das Lösungswort, und es wird hinten auf der Wand im Gitter eingeblendet. Beim dritten Fehler ist das Spiel für Sie zu Ende. Ein Tip: Fangen Sie mit den niedrigen Zahlen an, die sind leichter. Je nachdem, wieweit Sie kommen, warten wundervolle Preise auf Sie."

Damit stand ich alleine im Raum. Ich betrachtete das Kreuzwortgitter und beschloß, zunächst einmal, wie mir empfohlen worden war, es mit den niedrigen Nummer zu versuchen. Ich sagte laut: "1 waagrecht". Dabei handelte es sich um ein Wort mit sechs Buchstaben.

Vor mir erschien ein Mann in Tweedhose und eben solcher Jacke. Eine Pfeife steckte in seinem Mund, und er schien irgend etwas durch eine Lupe zu betrachten.

Das war einfach. Ich sagte laut: "Heinrich, Otto, Ludwig, Martha, Emil, Siegfried - HOLMES."

Sofort erschien das Lösungswort an der hinteren Wand.

"1 Senkrecht", sagte ich laut. Dieses Wort hatte ebenfalls sechs Buchstaben, und es mußte mit einem "H" beginnen.

Es erschien das Bild eines warmen Sommertages, und Menschen spazierten an mir vorüber, die alle sehr nett lächelten. Dies war schon etwas schwieriger, aber ich hatte die Lösung bald heraussen. "Heinrich, Emil, Ida, Theodor, Emil, Richard - HEITER."

So arbeitete ich mich langsam voran. Lange brauchte ich bei 14 waagrecht. Das Wort war nicht gerade kurz, 11 Buchstaben, wobei der dritte ein "S" und der fünfte ein "E" war. Dauernd sah ich eine Szene aus "Tom und Jerry", wo Tom durch einen Zaubertrank doppelt so groß und doppelt so stark geworden war und jetzt bedrohlich auf Jerry zustampfte.

"Westernheld" würde hineinpassen, aber Tom trug weder Cowboyhut noch Pistolenhalfter. Endlich fiel es mir ein: "MUSKELKATER"!

Doch dann wurde es wirklich schwer. Sechs Buchstaben, wobei dritter bis fünfter Buchstabe die Kombination "STE" darstellte. Vor mir spielte sich folgende Szene ab: Eine Frau betrat eine Trafik, machte ein paar Kreuzerl auf einen Lottoschein, ging zur Kasse, zahlte 12 Euro und verließ das Geschäft wieder. Der Lottoschein leuchtete dabei stark hervor, die Lösung mußte also mit ihm zu tun haben. Aber was? Vielleicht kreuzte die Frau den Schein in einem bestimmten "Muster" an? Oder es ging um den "Raster" auf dem Lottoschein?

Dann hatte ich eine Idee und sagte: "Ludwig, Anton, Siegfried, Theodor, Emil, Richard - LASTER." Immerhin kann Glücksspiel süchtig machen.

Doch dieses Wort war falsch, wie mir mitgeteilt wurde. Ich hätte noch eine Minute Zeit, dann sei das Spiel vorbei.

Doch dann fiel es mir auf: 12 Euro für ein paar Kreuzerl? Die Dame mußte einen System-Schein ausgefüllt haben.

"Siegfried, Ypsilon, Siegfried, Theodor, Emil, Martha - SYSTEM."

Bingo, ich hatte die Lösung!

Und dann ging es um das letzte Wort! Ganz unten, 41 waagrecht, 16 Buchstaben. Zweiter ein "R", achter ein "R", neunter ein "T", zwölfter ein "E" und vierzehnter ein "S".

Ich sagte laut: "41 waagrecht." Doch es passierte nichts.

"41 waagrecht!" Keine Reaktion.

"Hallo!" rief ich. "Da funktioniert etwas nicht!"

Im Handumdrehen stand der Helfer neben mir. "Gibt es ein Problem?"

"Ja, ich stehe kurz vor der Lösung des Rätsels. Wenn ich das letzte Wort schaffe, gewinne ich eine Reise zum Mars! Aber irgend etwas scheint nicht zu funktionieren. Ich bekomme keinen Hinweis!"

"Es tut mir leid, aber ich darf beim Rätsellösen keine Hilfestellung geben."

"Sie sollen mir keinen Tipp geben, Sie sollen veranlassen, daß das Spiel funktioniert!"

"Soweit ich weiß, funktioniert es tadellos. Ich darf bemerken, daß es erst wenige so weit geschafft haben wie Sie."

"Das freut mich. Aber ich habe für den Eintritt in diese Cyberwelt 10 Euro bezahlt, und da kann ich doch verlangen, daß das Ganze einwandfrei abläuft. Oder versuchen Sie mich zu linken?"

"Es tut mir leid, aber ich kann Ihnen versichern, daß keinerlei technisches Problem vorliegt. Nebenbei darf ich anmerken, daß Sie nur noch 50 Sekunden zur Verfügung haben, um das Rätsel zu lösen."

"Welches Rätsel?" Ich wurde wild. "Es erscheint ja nichts! Hier gibt es nichts zu lösen!"

"Es tut mir leid, ich darf keinen Kommentar zum Gewinnspiel abgeben."

Damit verschwand er. Und ich war stocksauer. So weit hatte ich es bisher geschafft. Und dann brachte mich ein dämlicher Systemfehler um meinen Gewinn. Aber ich würde mich beschweren gehen. Bei dieser Cyberrätselfirma.

Die 50 Sekunden waren um, ohne daß noch irgend etwas geschehen war. Der Helfer tauchte wieder auf. Ich fragte ihn: "Und? Was ist nun die Lösung?"

"Jetzt kann ich es Ihnen ja sagen. Sie sehen es die ganze Zeit vor sich!"

"Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Hier ist nichts erschienen! Nicht die kleinste virtuelle Animation!"

"Dann schauen Sie doch noch mal genau! Es ist die ganze Zeit da!"

Ich sah den Helfer schief an und blickte mich dann um. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die ganze Zeit sah ich es an der hinteren Wand. Und durch meine Wut war ich nicht fähig gewesen, richtig nachzudenken.

"Die Lösung heißt KREUZWORTRAETSEL, nicht wahr?"

Der Helfer nickte. Das brachte mir aber die Marsreise auch nicht zurück.o

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MONITOR-Autoren
Dipl.-Hdl. Ing. Ernst Tiemeyer

bekannt durch zahlreiche Veröffentlichungen, war nach dem Studium der Wirtschafts- wissenschaften, Organisation und Informatik zunächst mehrere Jahre als Gruppen- und Projektleiter an einem Institut für angewandte Informatik beschäftigt. Heute ist er in vielfältiger Form als freiberuflicher Management- und Organisationsberater sowie in der Weiterbildung tätig. Schwerpunktmäßig geht es dabei um die Einführung, Entwicklung und Beratung für den praxisgerechten Computereinsatz. ..mehr..

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