Einst zählte Beko beinahe 1.000 Mitarbeiter und war einer der österreichischen Shooting-Stars der ITK-Branche. Heute steht man bei 700 Mitarbeitern, schreibt bei einem Umsatz von 47 Mio. Euro solide Profite und der Markt gibt wieder einiges her. Friedrich Hiermayer, Sprecher des Vorstandes der Beko Engineering und Informatik AG, und Wolfgang Gmeinbauer, Direktor des Geschäftsfeldes Informatik über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens sowie die Herausforderung Mitarbeiter für sich zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden.
Beko kommt traditionell aus der Informatik. Wie stellen Sie sich heute dem Markt?
Hiermayer: Beko hat sich in den letzten Jahren auf zwei Kernbereiche fokussiert: Einerseits als Ingenieur-Büro mit dem Engineering-Bereich und andererseits als bekannter Informatik-Dienstleister. Bekannter sind wir noch immer im Informatik-Bereich.
Wie kann man den Engineering-Bereich kurz umschreiben?
Hiermayer: Im Bereich Engineering erstellen wir Konstruktionsunterlagen für alle Branchen, außer der Bauwelt, wo in irgendeiner Form eine technische Dokumentation notwendig ist. Zu diesem Schwerpunkt gibt es noch einen weiteren Dienstleistungsbereich: die technische Informatik. Hier wird Software erstellt, wo im Vordergrund das technische Wissen liegt. Dabei geht es meist um Produktionsabläufe. Aber auch im Bereich Projektmanagement bieten wir Dienstleistungen an, die vom Markt immer stärker verlangt werden. Hier können wir als neutraler Partner auftreten.
Sie haben vorhin erklärt, dass gewisse IT-Dienstleistungen im Engineering-Bereich angesiedelt sind. Gibt es noch weitere mögliche Verknüpfungspunkte?
„Lokale Märkte brauchen lokale Ressourcen.“ - Wolfgang Gmeinbauer, Direktor des Geschäftsfeldes Informatik
Sie haben sich in Österreich sehr dezentral organisiert. Wie hat sich das bewährt?
Hiermayer: Wir haben in Österreich ein Regionenkonzept umgesetzt und sind bereits mit sechs Geschäftsstellen vertreten. Im Bereich Informatik haben wir in Wien, Graz und Linz jeweils eine Niederlassung. Die Nähe zu unseren Kunden hat sich auf jeden Fall bewährt. Auch können wir so einfacher neue Mitarbeiter lukrieren.
Planen Sie auch weiter in den Westen Österreichs vorzudringen?
Hiermayer: Grundsätzlich ja, aber wir haben gesehen, dass derzeit der Markt in Tirol und Vorarlberg für uns nicht so attraktiv ist. Unsere Kunden dort werden stark aus Deutschland oder Norditalien serviciert. Andererseits betreuen wir auch aus Salzburg Kunden in Deutschland. Das Interesse unsererseits ist natürlich groß, auch früher oder später in Westösterreich mit einer eigenen Niederlassung vor Ort zu sein.
Wie sehen Sie den Markt derzeit?
Hiermayer: Wir fürchten uns eigentlich schon vor den nächsten zwei, drei Jahren. Es gibt von Jahr zu Jahr immer weniger HTL-Abgänger. Der Trend der letzten Jahre ist sehr stark in Sozial- und Wirtschaftsberufe gegangen. Technik interessiert kaum jemanden. Weiters kommen jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge. Das wird nicht nur für Beko, sondern für die gesamte österreichische Wirtschaft eine Herausforderung.
Wird es den berühmten Beko-Bus wieder geben? (Anm.: Dieser wurde früher eingesetzt, um vor HTLs und Universitäten die Beko als Arbeitgeber zu präsentieren.)
Hiermayer: Wir sind in den HTLs, Fachhochschulen und Unis permanent präsent. So wie früher, mit einer Kurzveranstaltung zum Schulschluss potenzielle Mitarbeiter zu locken, wäre aus heutiger Sicht unmöglich. Damals waren wir die einzigen, die so Mitarbeiter gewonnen haben. Heute sind wir einer von vielen. Heute sind wir nicht nur dort um zu präsentieren, sondern um mit Projekten allgegenwärtig zu sein.
Beko gilt als ein Unternehmen, dass sehr viel Wert auf Mitarbeiterbindung und -ausbildung legt. Wie sehen Sie sich hier positioniert?
Gmeinbauer: Beko Academy lautet unsere Antwort darauf. Wir wollen unseren Mitarbeitern die Möglichkeit geben, sich intern und extern weiterzubilden. Das ist eine wesentliche Antwort auf den herrschenden Technikermangel, um unseren Arbeitskräften einen attraktiven Arbeitsplatz bieten zu können. Weiters wollen wir Schüler verstärkt schon während der letzten beiden Schuljahre in unser Unternehmen einbinden. Wir veranstalten hier zum Beispiel Wettbewerbe.
Hiermayer: Es geht vor allem um Meinungsbildung. Wir stellen die Überleitung zur Praxis zur Verfügung. Und wenn wir das gut machen, dann werden viele von der Beko begeistert sein und auch bei uns arbeiten wollen. Wir haben das schon in der Vergangenheit gemacht. Nur müssen wir das wesentlich ausbauen.
Sehen Sie wieder einen Abwerbungsmarkt wie rund um das Jahr 2000 aufkommen?
Gmeinbauer: Auf der einen Seite haben wir es natürlich mit laufenden Abwerbungen von Mitbewerbern zu tun. Auf der anderen Seite springt derzeit die Wirtschaft an und saugt mit dem Wachstum den Arbeitsmarkt leer. Aber auch unsere Kunden, die bisher Fachkräfte von uns zur Verfügung gestellt bekommen haben, wollen wieder selbst Positionen fix besetzen. Tatsache ist, dass der Technikerpersonalmarkt sehr hart und umkämpft ist.
Wie wollen Sie diesem Trend in Zukunft entgegnen?
Gmeinbauer: Hier haben wir speziell bei Beko Informatik eine neue Ausrichtung gefunden. Unsere Mitarbeiter fokussieren sich immer stärker auf Branchen und werden so zu Spezialisten in ihren Segmenten. Damit haben wir wieder ein Alleinstellungsmerkmal am Markt und sind wiederum ein attraktiverer Arbeitgeber und Partner für unsere Kunden.
Hiermayer: Es gibt für unsere Mitarbeitern natürlich auch Faktoren, wie die Attraktivität des Arbeitsplatzes, Angebot an Parkplätzen, wie sind meine Aufstiegschancen und wie schaut mein Einkommensplan aus. Der wesentlichste Punkt sind zumeist interessante Projekte, die sie umsetzen können. Viele wollen nicht nur gutes Geld verdienen, sondern auch etwas Interessantes tun.
Ist es für Sie angesichts des drohenden Technikermangels sinnvoll, Mitarbeiter aus österreichischen Nachbarländern anzuwerben?
Hiermayer: Beko hat Töchter in Ungarn und Tschechien. Dort aktives Recruiting zu betreiben, wäre möglich, aber die Umsetzung ist schwierig. Die Einstellung wie wir hier Projekte bearbeiten ist einfach eine andere.
Gmeinbauer: Lokale Märkte brauchen lokale Ressourcen. Mit diesem System sind wir egal ob in Wien, Linz oder in Ungarn immer gut gefahren.




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8/2011
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Alexander Hackl ist freier Journalist in Wien. Er ist Absolvent des Master- Programms „Qualitätsjournalismus“ an der Donau-Universität Krems und spezialisiert auf Technologiethemen. Seit drei Jahren ist er als Autor für den MONITOR und das Wirtschaftsmagazin FORMAT tätig. Das Hauptaugenmerk in seiner Arbeit liegt auf Informations- technologie im Kontext gesellschaftlich-wirtschaftlicher Zusammenhänge. 